"Vertrau dem Original": Gelungener Auftakt zu...
 
"Vertrau dem Original"

Gelungener Auftakt zum ORF-Radiofestival

ORF Radiofestival

Ein Musikfestival in Coronazeiten? Das läuft anders ab als gewohnt. Keine dicht gedrängten Menschenmassen, stattdessen gebührender Abstand zwischen den (sitzenden) Zuhörern. So auch am gestrigen Donnerstagabend zum Auftakt des ORF-Radiofestivals im Wiener Radiokulturhaus. Zum Glück tat dies bei Auftritten von Mavi Phoenix, Folkshilfe und Alma der Begeisterung auf beiden Seiten keinen Abbruch.

Man hat einander vermisst, das wurde von der ersten Sekunde an klar. Sind in den vergangenen Wochen zwar etliche Online-Gigs und digitale Auftrittsmöglichkeiten aus dem Boden gestampft worden, so ist diese Art der Livemusik doch nur ein müdes Abziehbild des "Originals". "Es wird laute Musik geben, das haben wir uns verdient in diesem Jahr", konstatierte folglich auch FM4-Moderatorin Lisa Schneider, die mit ihren Kollegen Benny Hörtnagl (Ö3) und Eva Teimel (Ö1) durch den Abend führte.

Das Radiofestival ist nämlich nicht nur ein willkommener Lichtblick in diesem ausgedünnten Konzertsommer, sondern auch eine äußerst gelungene Zusammenarbeit der drei ORF-Radios. Neun Acts an drei Tagen, die jeweils von einem der Sender ausgesucht wurden und so die Bandbreite des heimischen Musikschaffens widerspiegeln. Oder sollte man sagen: Des oberösterreichischen Musikschaffens, hatten doch alle drei Gruppen des ersten Tages teils ihre Wurzeln in diesem Bundesland.

Gleich zu Beginn gab es energetischen Hip-Hop sehr modernen Zuschnitts von Mavi Phoenix: Der Rapper hat zwar seit längerem seine "Homebase" in Wien, kommt aber aus Linz. Nach mehreren hochgelobten EPs und Einzeltracks erschien dieses Frühjahr sei Debütalbum "Boys Toys", dessen Titeltrack gleich eingangs serviert wurde. Eine bestechende Melange aus knackigem Schlagzeug, einer pumpenden Bassline und Mavis markantem Stil irgendwo zwischen Gesang und Rap. "Es ist schön, wieder vor Publikum zu spielen", ließ der Musiker wissen und unterstrich dies mit einer Performance, die keine Wünsche offen ließ.

Die ebenfalls aus Oberösterreich stammende Folkshilfe, die nach ein paar Problemen beim Bühnenumbau (ohne ist ein Festival kein Festival) mit etwas Verspätung erschien, wusste diese stimmungstechnische Steilvorlage gekonnt anzunehmen und servierte ihre bestens erprobte Mischung aus Ziehharmonika, Dialekttexten sowie intelligentem Popverständnis. Mit dem befreundeten Rapper Average wurde "Schewan" performt, während "Hey du" zarte Töne für die Bromance lieferte. Und zum Sommerhit "Simone" wurde gar eine Minichoreografie mit den Besuchern umgesetzt - ja, tanzen kann man auch im Sitzen!

Von der Folkshilfe war es schließlich programmatisch nicht weit zur zeitgenössischen Volksmusik von Alma: Das Quintett (erraten, auch hier gibt es einige Oberösterreich-Connections) verführte zum genauen Hinhören, bot mit Geigen, Kontrabass und Ziehharmonika einen zwischen traditionellen Klängen und dezenter Klassik changierenden Auftritt, der gedanklich nicht selten an ferne Orte entführte. Dass es nach den doch eher poppigen Vorlagen nun ruhiger wurde, nahm man an diesem stilistisch so bunten, aber gerade deshalb so stimmigen Abend gerne an. Da sorgte dann auch der kurzzeitige Lichtausfall in den letzten Sekunden der Schlussnummer "Hep!" nur noch für einige Schmunzler.

Noch bis Samstag bietet das in dieser Form erste Radiofestival Auftritte von u.a. Mathea, Pauls Jets, Julian Le Play sowie Marie Spaemann und Christian Bakanic. Wer keine Tickets über die diversen Verlosungen der Sender ergattern konnte, kann per Radio und Livestream mit dabei sein. Denn ganz ohne Festivalfeeling will man diesen Sommer schließlich auch nicht verbringen müssen.

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