Verstoß gegen Fairnessgebot : Diskussion um l...
 
Verstoß gegen Fairnessgebot

Diskussion um landeseigene Kommunikationsagentur im Burgenland

APA/HELMUT FOHRINGER
Wirtschaftskammer sieht in Werbemails Verstoß gegen Fairnessgebot
Wirtschaftskammer sieht in Werbemails Verstoß gegen Fairnessgebot

Im Burgenland ist am Donnerstag eine Diskussion um die landeseigene Kommunikationsagentur entbrannt.

Die Wirtschaftskammer sieht in Werbemails der Kommunikation Burgenland einen Verstoß gegen das Fairnessgebot - damit werde "steuerfinanziert den privaten Unternehmen Konkurrenz gemacht", kritisierte die Fachgruppe für Werbung und Marktkommunikation in einem offenen Brief. Die SPÖ wies das als "parteipolitisch motivierte Aktion" zurück. Konkret wirft die Fachgruppe der Kommunikation Burgenland vor, dass in Werbeschreiben an mehrere Betriebe Dienstleistungen wie PR-Arbeit, Videofilme und Werbekampagnen angeboten werden. Obmann Ronald Fenk betonte: "Die ursprünglich als Inhouse-Agentur für die landeseigenen Betriebe gegründete Kommunikation Burgenland agiert nun am freien Markt." Rund 1.000 burgenländischen Unternehmen - von Werbeagenturen über Grafiker und Eventorganisatoren bis hin zu Fotografen und Videoproduzenten - werde damit Konkurrenz gemacht. In dem offenen Brief fordert die Werbewirtschaft deshalb "das Ende der unternehmenfeindlichen Politik der Landesregierung".

SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst reagierte auf die Kritik am Donnerstag mit Unverständnis. Das Land mache keineswegs der Privatwirtschaft Konkurrenz, bekenne sich aber "zu einem starken Staat". Die öffentliche Hand nehme Aufgaben in Bereichen wie Pflege, Gesundheit, leistbares Wohnen, Bekämpfung der Teuerung und faire Löhne wahr. Der offene Brief sei "in Wirklichkeit eine parteipolitisch motivierte Aktion auf Kosten der Kammermitglieder", meinte Fürst. Auch die Wirtschaft werde mit Coronakrise, Ukraine-Krieg und Inflation einen "starken Staat" brauchen.

Die ÖVP schloss sich der Kritik der Wirtschaftskammer in einer Aussendung an. "Ohne wirtschaftlichen Hausverstand und vor allem ohne Rücksicht auf bewährte Strukturen fährt SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil drüber", betonte Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas. Ähnlich sah das FPÖ-Landesparteichef Alexander Petschnig, der von "hemmungslosem Staatsinterventionismus" sprach. "Eine an sich als 'Inhouse'-Agentur entworfene Landesgesellschaft setzt nunmehr dazu an, offen - und natürlich zu staatlich geförderten Tiefstpreisen - in Konkurrenz zu rund tausend privaten Anbietern zu treten", meinte er.
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