Verquickung von Anzeigen und Journalismus?
 

Verquickung von Anzeigen und Journalismus?

Krisenpapier oder Papier in der Krise - ein Diskussion unter Printkaisern

Ein bewegtes Podium wie jedes Jahr, was die Besetzung mit sich bringt. Es diskutierten unter der Moderation von Falter-Herausgeber Armin Thurnher: Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter, Mediengruppe-ÖSterreich-Gründer Wolfgang Fellner, in Kürze Co-Herausgeberin des Standard Alexandra Föderl-Schmid, VÖZ-Präsident und Ex Wirtschaftsblatt-CEO Hans Georg Gasser, der selbständige    Hansjörg Tengg sowie die in Kürze Neo-Chefredakteurin der Kleinen Zeitung Kärnten Eva Weissenberger.

Die Themen: die Verquickung von Anzeigen und Journalismus - im weitesten Sinn: Korruption, Presserat, Presseförderung, Qualitätsberichterstattung, Leseförderung durch Qualitätsmedien

Statements dazu:
Armin Thurnher hält fest, "es gibt keine Demokratie ohne Zeitungen" und nimmt die Medien so in die Pflicht. Wie einfach oder schwer ist diese Aufgabe mit dem Geschäftsmodell Zeitung unter einen Hut zu bringen?
Föderl-Schmid: "Es ist unsere Aufgabe Dinge ans Licht zu bringen, unabhängig von geschäftlichen Hintergründen."

Eva Weissenberger findet wiederum hier die Mittel der Printmedien beschränkt und findet es daher schwierig alle Aufgaben ordentlich zu erfüllen.

Tengg meint, dass die Gängelung der Medien durch die Politik durch die Komplexität der Themen schwieriger geworden ist, "fühle mich besser informiert als früher".

Brandstätter befand: "Kampagnenjournalsimus in Boulevardmedien in Ordnung, wenn aber im Hintergrund Geldflüsse und Machtmittel abgetauscht werden, dann ist das eine Sauerei." Gleichzeitig macht er aus, dass Boulevard nicht wirkt, weil "die Krone aus Darabos seit zwei Jahren einen Helden machen will und er ein Bettvorleger bleibt". Positiv sieht Brandstätter, dass "es käufliche Medien immer schon gab, aber heute darüber gesprochen wird".

Wolfgang Fellner erkennt wiederum Korruption darin, dass "Raiffeisen eine Zeitung besitzt, die sich unabhängig gebärdet, aber klaren Interessen folgt". Thurnher, stellt fest, dass öffentliche gemachte Eigentümerverhältnisse keine Korruption seien ..., trotzdem merkt Fellner die historisch bedingte Verquickung im Land von Parteien- und Interessensorganisationen und dem Zeitungswesen an. Unabhängig seien Oscar Bronner mit dem "Standard", der "Falter" oder "Österreich". Fellner erwähnt in diesem Zusammenhang das "Pharisäertum" vieler Medien, die "wie Kleine Zeitung und Krone gerade 150.000 Euro erhalten und Pro-Regierung berichten". Weissenberger wehrte sich. Hier driftete die Diskussion ab und Föderl-Schmid rief zur Rückkehr zum Thema auf.

Woraufhin Brandstätter zum Redakteursstatut in allen Medien aufrief und Fellner meinte, die Verhaberung in Österreich solle aufhören und Föderl-Schmid sich für Compliance-Regelungen aussprach. Gasser indessen wünscht sich Leseförderung der Qualitätsmedien für leseschwache Jugendliche in einem Land mit Massierung an Boulevardmedien.

Weissenberger fragte Fellner warum er nicht dem Presserat beitrete - die Antwort: "weil dieser nur vom VÖZ vertreten werde", was in einem weiteren Hin und Her mündete. Ergebnis: Gasser meint am Ende des Podiums: "wir werden einen Modus finden, um Österreich hineinzubekommen", Fellner widerspricht nicht.

Auch das Thema Pressefördung fand Einzug - diese wurde für Printmedien gefordert - der VÖZ ist gerade an einer Ausarbeitung für einen Antrag und die Forderung einer Erhöhung für Print auf 50 Millionen Euro - man wünscht sich weniger Abhängigkeiten. Außerdem spricht Gasser hier von Förderungen für Journalistenaus- und Weiterbildung. Tengg spricht sich dezidiert gegen eine Förderung der Gratiszeitungen aus. Weitere Anmerkung: Die Presseförderung sollte nicht im stillen Kämmerchen entschieden werden.


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