Verlegerische Leistungen sollen künftig mehr ...
 

Verlegerische Leistungen sollen künftig mehr Schutz erhalten

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Ein europaweites Leistungsschutzrecht für Verleger steht im Raum. Printinhalte könnten dann besser vor der Ausbeutung durch Dritte geschützt werden.

Nachdem das Leistungsschutzrecht (LSR) in einem ersten Anlauf im Jahr 2013 in Deutschland und 2014 in Spanien gescheitert ist, arbeitet die EU-Kommission nun an einem gesamteuropäischen LSR, das die Rechte der Verleger künftig besser schützen soll. Über das im Herbst 2016 im Rahmen des EU-Medienurheberrechtspakets vorgeschlagene LSR wird in den kommenden Monaten im EU-Parlament abgestimmt.

Konkret soll die Presse künftig jene Schutzrechte erhalten, die für die Film- und Musikbranche schon lange zum Standard gehören. Journalistische Inhalte sollen besser geschützt werden und Verleger als Rechteinhaber Anerkennung finden. Sie sollen besser dazu in der Lage sein, die Verwendung ihrer Inhalte mit Onlinediensten, News-Aggregatoren, Social-Media-Anbietern et cetera zu verhandeln, über den Zugang entscheiden und Piraterie leichter bekämpfen können.

Das Konzept soll einen klaren Rechtsrahmen für die Lizenzierung von Inhalten für die digitale Nutzung liefern und die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle zum Nutzen der Verbraucher unterstützen, teilte die EU-Kommission mit. Die Verlage erhoffen sich natürlich, künftig etwas von den digitalen Werbeeinnahmen abzubekommen, die derzeit an ihnen vorbei in die Taschen von Dritten, etwa Google, Facebook und Co, wandern. Im Idealfall könnte dieses Geld in journalistische Qualitätsinhalte fließen, von denen wiederum die Leser profitieren.

Das bestätigt auch VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger gegenüber HORIZONT: „Die mangelnde rechtliche Ausgestaltung des Urheberrechts in diesem Bereich stellt eigentlich nur amerikanische Internetkonzerne zufrieden, da sie ohne jegliches Nutzungsentgelt verlegerische Leistungen verwerten können.“ Ehrliche und faire Rahmenbedingungen für europäische Verlage würden zu mehr Investitionen in professionellen Journalismus und zu mehr Inhalten führen – „die dann noch dazu mit gutem Gewissen auf allen Plattformen gelesen, geteilt und verlinkt werden können.“

Im Rahmen einer groß angelegten Verlegerinitiative wird aktuell auf die Wichtigkeit eines solchen Rechts verwiesen. Im Rahmen der Aktion (siehe auch www.publishersright.eu) äußern sich europäische Verlagsleute, die für den Schutz verlegerischer Leistungen und für die Freiheit der Presselandschaft eintreten, zum LSR – darunter findet sich auch der VÖZ-Chef Grünberger. Ihm zufolge bedeutet das Urheberrechtspaket der EU eine Stärkung für die Verlagslandschaft und soll damit auch die Zukunft des professionellen Journalismus und unabhängiger Medien auf unserem Kontinent absichern.

Er bezeichnet das neue Verlegerrecht weiter als positiven Impuls für Europas Content-Wirtschaft sowie als Investition in die demokratische Infrastruktur. „Das Verlegerrecht muss jedenfalls – anders als dies beispielsweise in Deutschland umgesetzt wurde – durchsetzbar sein und keine Rechtsunsicherheit schaffen, die zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten führt“, so Grünberger.
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