Veit Dengler bei Bauer Media: So geht es weit...
 

Veit Dengler bei Bauer Media: So geht es weiter

Johannes Brunnbauer
Der 1968 in Graz geborene Manager Veit Dengler war vor seiner nunmehrigen Position bei der Bauer Media Group von 2013 bis 2017 CEO der NZZ-Gruppe. Erste journalistische Erfahrungen sammelte der Sohn eines österreichischen Diplomaten schon vor seinen internationalen akademischen Abschlüssen mit Arbeit für das Time Magazine. Dengler ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
Der 1968 in Graz geborene Manager Veit Dengler war vor seiner nunmehrigen Position bei der Bauer Media Group von 2013 bis 2017 CEO der NZZ-Gruppe. Erste journalistische Erfahrungen sammelte der Sohn eines österreichischen Diplomaten schon vor seinen internationalen akademischen Abschlüssen mit Arbeit für das Time Magazine. Dengler ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Was Veit Dengler auszeichnet, was er in den vergangenen acht Monaten Auszeit gemacht hat und was ihn in seinem neuen Topjob bei der Hamburger Bauer Media Group erwartet.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 12/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Es gibt einen Stehsatz im Management- Sprech-Repertoire von Veit Dengler, 49, der für seinen neuen Job wie die Faust aufs Auge passt: „My first name is pronounced ‚fight‘.“ Ab 1. April 2018 – Dienstantritt ist zwei Tage später nach dem Ostermontag – wird der ehemalige Chef der Schweizer NZZ-Gruppe, wo er vorigen Juni überraschend ausgeschieden war, bei der Hamburger Bauer Media Group als neues Mitglied der Konzernleitung für deren „Aktivitäten in Großbritannien, USA, Australien und weiteren Ländern verantwortlich sein“. Die Verlegerin Yvonne Bauer will die „globale Ausrichtung des Medienhauses“ vorantreiben und erhofft sich von von ihm daher zusätzlich auch „die Entwicklung neuer Geschäftsfelder“.

600 Zeitschriften und 100 Sender

Damit wartet auf Dengler einer der herausforderndsten Topmanagement- Jobs, den die Branche zu vergeben hat. Das Bauer-Imperium umfasst rund 600 Zeitschriften von Bravo über TV Movie bis hin zu Women’s Weekly, die in 20 Ländern, allen voran die extrem umkämpften Märkte in den USA, Großbritannien, Frankreich und Australien, verlegt werden, allein 60 davon in Deutschland, wo die gesamte Auflage bei rund 14 Millionen Exemplaren liegt. Zusätzlich gibt es etwa 400 digitale Produkte sowie Beteiligungen an über 100 TVund Radiostationen.

Mit dem internationalen Geschäft machte 2016 Bauer zwei Drittel seines Umsatzes von rund 2,24 Milliarden Euro. Print hatte daran einen Anteil von etwa 1,5 Milliarden Euro, Tendenz fallend, Radio von zirka 400 Millionen Euro, Tendenz steigend.

Es mag Zufall sein, aber in den gut acht Monaten seiner Auszeit nach vier Jahren NZZ hat Dengler nicht nur „viel Zeit mit den Kindern“ verbracht, sondern auch Spanisch gelernt. „Und auf einer Südamerika-Reise sogar Tango, aber da bin noch Anfänger“, wie er scherzt. Womöglich steckt dahinter auch ein kleiner Hinweis auf seine ersten Einsatzgebiete. Denn in fast allen Auslandsmärkten sind die Vertriebserlöse von Bauer 2016 (für 2017 liegen noch keine Zahlen vor) zurückgegangen, und am stärksten war Spanien mit einem Minus von gleich acht Prozent betroffen. In ähnlichen Größenordnungen ist das Geschäft in den USA und Australien geschrumpft, etwas weniger in Frankreich und Großbritannien.

‚We have a problem. Fix it!‘

Die Bauer-Leute werden deswegen in Zukunft wohl auch öfter einen weiteren Lieblingssatz von Dengler hören: „We have a problem. Fix it!“ Auch „Bullshit“ soll er recht gerne bellen, wenn ihm Ideen und Vorschläge nicht gefallen. Übel gesonnene Beobachter meinen, dass derart geprägte Stimmungslagen in Teilen der NZZ-Belegschaft eine gewissen Rolle bei seinem Abgang gespielt hätten, der offiziell mit unterschiedlichen Auffassungen über die weitere strategische Ausrichtung rund um das Flaggschiff Neue Züricher Zeitung begründet wurde. Auch dazu will Dengler nicht ins Detail gehen. Er hätte 20 Projekte auf Schiene gebracht, die digitale Transformation des Gruppe vollzogen, die komplette IT erneuert und das Konferenzgeschäft ausgebaut. „Aber die Differenzen in der Frage, wie es weitergehen soll, waren leider ziemlich groß“, sagt er.

Yvonne Bauer, deren Vermögen von Forbes auf etwa 3,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, lässt jedenfalls überall wissen, wie stolz sie ist, solch „einen vielseitigen und international erfahrenen Topmanager an Bord geholt“ zu haben: „Die Dynamik, mit der er bei seinen bisherigen Stationen Projekte umgesetzt hat, ist ein echter Gewinn.“ Damit spielt die Bauer-Eigentümerin wohl auf Denglers viele bisherige Jobs bei durchwegs namhaften Unternehmen an. Gleich nach seinem Postgraduate-Studium („Public Policy“) in Harvard lernte der Betriebswirt und spätere Neos-Mitgründer Marketing bei Procter & Gamble in Wien, dann vertiefte er sich in die Kunst des Erbsenzählens bei McKinsey in Paris und Los Angeles, danach tüftelte er über Vertriebsstrategien bei T-Mobile in London und er verkaufte sogar Computer für Dell in Bratislava.

Sein Gastspiel beim Onlineschnäppchenportal Groupon gilt hingegen nicht als brüllende Erfolgsstory, und für ein Resümee seiner NZZ-Ära ist es noch zu früh. Aber, wie Dengler im Rückblick auch auf das missglückte Onlineprojekt nzz.at meint: „Manches funktioniert eben gut, anderes nicht.“

[Rainer Himmelfreundpointner]

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