Van der Bellen gegen Hofer: Mobilisierung, di...
 

Van der Bellen gegen Hofer: Mobilisierung, die Zweite

Verein „Gemeinsam für Van der Bellen“
Das Team um Alexander Van der Bellen setzt auf staatstragende Kampagnen­botschaften.
Das Team um Alexander Van der Bellen setzt auf staatstragende Kampagnen­botschaften.

Wie die Wahlkampfmanager im Rennen um die Bundespräsidentschaft erneut Wähler überzeugen wollen und auf welche neuen Ansätze sie dabei in der Kommunikation setzen.



Diesen Artikel lesen Sie auch in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 35/2016 vom 2. September 2016. Hier geht's zum Abo



Wer wird neuer Bundespräsident? Bei der vom Verfassungsgerichtshof angeordneten Wiederholung der Stichwahl kämpfen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer am 2. Oktober erneut um die Hofburg. Der Wahlkampf ist im Anlaufen und wird kurz und intensiv werden. Was die Kampagnen betrifft, sind im Gegensatz zum ersten Wahlgang einige Veränderungen geplant – wobei es, was den Kommunikationsmix betrifft, wenige Überraschungen geben wird.


„Plakat wird wieder eine Rolle spielen“, sagt Lothar Lockl, Wahlkampfmanager von Van der Bellen. „Inserate werden wir nur eingeschränkt einsetzen und dafür mehr im Bereich Social Media tun. Auch Veranstaltungen sind uns wichtig: Wir wollen uns noch viel intensiver um Direktkommunikation bemühen.“ Van der Bellen ist viel persönlich unterwegs und tourt von einem Volksfest zum nächsten. Der Masterplan sieht vor, eine Bürgerbewegung ins Rollen zu bringen, die sich möglichst breit hinter dem Kandidaten formiert und ihm den nötigen Schwung verleiht: durch Möglichkeiten zum Mitmachen und selbst aktiv zu werden, angeboten auf Plattformen im Internet oder in den sozialen Medien; durch Abende mit Vertretern des Personenkomitees – auch in ländlichen Regionen, wo Van der Bellen bislang nicht so gut abgeschnitten hat. Herauskommen sollen möglichst viele Initiativen, die von sich aus entstehen und einen Schneeballeffekt auslösen. In Erinnerung sind etwa jene Chöre, die in der U-Bahn für Van der Bellen gesungen haben. Auch ein Autopickerl ist geplant. 


„Es wird sehr viele Ansätze geben, die es so bei politischen Kampagnen in Österreich noch nie gegeben hat“, sagt Lockl. „Wir wollen unsere Kampagne als breite Andock- und Mitmachplattform etablieren. Nach einem Open-Campaigning-Ansatz, nicht nach dieser klassischen, zentral gesteuerten Vorstellung. Ich bin optimistisch, dass wir das Ergebnis des ersten Wahlganges bestätigen können. Dazu braucht es aber jeden Einzelnen, der zu Hause, in der Familie oder am Arbeitsplatz Überzeugung leistet.“ 


Auch von Unternehmerseite, von Gewerkschaften und Betriebsräten gebe es Unterstützung, so Lockl: von den Grünen, der SPÖ, Teilen der ÖVP, Neos, dem Team Griss und vielen anderen, die der Politik fern stünden und sich noch nie geoutet hätten. Das Ziel ist klar: Van der Bellen als Kandidat des Volkes zu positionieren, im Gegensatz zum „Parteienkandidaten“ Hofer. Auch Personen, die beim ersten Mal gar nicht oder Hofer gewählt haben, sollen angesprochen werden.


Überrumpelt davon, erneut ein Budget aufstellen zu müssen, ist das Team umso mehr auf private Spenden angewiesen, um eine entsprechende Sichtbarkeit zu erreichen. Derzeit hält man bei über einer Million Euro, alleine 100.000 davon kamen von Hans Peter Haselsteiner, der auch die Neos unterstützt. Insgesamt, so Lockl, werde es für eine wirkungsvolle österreichweite Kampagne jedenfalls über zwei Millionen Euro brauchen. Auch Herbert Kickl, der Kampagnenmanager von Norbert Hofer, peilt ein Budget von zwei Millionen Euro an. Anders als Lockl setzt er aber nicht auf Privatspenden, sondern die FPÖ stellt die Mittel zur Verfügung.


Neue Schwerpunkte


Den Mitteleinsatz beziffert er relativ genau: Ungefähr 40 Prozent Plakate, 25 Prozent Inserate, 20 Prozent Verteilermittel wie Flyer oder Kugelschreiber, in etwa 10 Prozent für den Aufwand bei Veranstaltungen und rund fünf Prozent für Social Media und Internet. Das entspricht in etwa der Aufteilung beim ersten Wahlgang, einen Schwerpunkt auf Verteilermittel zu setzen ist aber neu. Anders als die Van-der-Bellen-Kampagne plant Kickl, verstärkt über die Basisorganisation der Partei zu mobilisieren und Schwerpunkte in bevölkerungsreichen Bundesländern zu setzen. Es werde Hofer-Feste in den Ortsgruppen geben, sagt Kickl. Zu neuen Social-Media-Aktionen könne er aber noch nichts verraten.


Er will Hofer als Präsident positionieren, der zu den Menschen kommt, als Mann mitten im Leben und aus der Mitte der Bevölkerung, als Kontrollinstanz gegenüber den Mächtigen. „Bürgernahe und lebendig statt steif und verstaubt in der Hofburg.“ Das Ergebnis mit dem großen Vorsprung beim ersten Wahlgang sei eine gewisse Mobilisierungsbremse für die Stichwahl gewesen. „Die Aufhebung des Ergebnisses und der minimale Stimmenunterschied wird aber jetzt zum Motivationsturbo.“ Was die Inhalte betrifft, würden Islamismus, Türkei und die EU wesentlich sein, glaubt Kickl. Lockl will herausstreichen, dass es darum gehe, wer Österreich besser nach außen vertreten und nach innen besser für Ausgleich und Stabilität sorgen könne. „Im Wahlkampf hatte man manchmal den Eindruck, der Bundespräsident sei für praktisch alles zuständig. Wir wollen auf seine eigentlichen Aufgaben fokussieren.“
Die FPÖ agiert für Norbert Hofer mit Slogans, die bereits Thomas Klestil im Präsidentschafts-Wahlkampf für sich benutzte.
FPÖ
Die FPÖ agiert für Norbert Hofer mit Slogans, die bereits Thomas Klestil im Präsidentschafts-Wahlkampf für sich benutzte.
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