,Unterstützung für den Digitalbereich‘
 

,Unterstützung für den Digitalbereich‘

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Niki Fellner, oe24-Geschäftsführer und -Chefredakteur, im Interview

Der Medien-Zukunftspreis ist eine Initiative des Manstein Verlages. Begleitet wird sie vom Zukunftsforum, dessen Teilnehmer in dieser Interviewserie zu Zukunftsthemen der Branche zu Wort kommen.

HORIZONT: Die Medienwelt ist einem tief greifenden Wandel unterworfen – was brauchen Medienmacher heute mehr denn je, um auch in Zukunft ­erfolgreich zu sein?

Niki Fellner: Dynamik ist derzeit sicher wichtiger denn je. Wir leben im chancenreichsten Medienzeitalter aller Zeiten. Dank Internet, Smartphone und ­Digital hat mittlerweile jeder die Möglichkeit, Content zu veröffentlichen oder ein digitales Business zu starten. Durch diese geringen Eintrittsbarrieren verändert sich auch der Markt permanent. Je dynamischer und anpassungsfähiger Medienunternehmen sind, desto eher werden sie erfolgreich sein. Ein modernes Medienunternehmen muss permanent auf die aktuellen Trends eingehen – und schauen, dass es sein Portfolio möglichst breit aufstellt.

HORIZONT: Und wie lautet hier Ihr persönlicher Befund? Ist davon aus­reichend vorhanden?

Fellner: International gibt es derzeit ­einige dynamische Medienunternehmen, in Österreich haben das noch sehr wenige begriffen. Die meisten sind in ihren alten Strukturen gefangen und versuchen verzweifelt, Geschäftsmodelle wiederzubeleben, die so nur noch wenig Zukunft haben.

HORIZONT: Innovationen brauchen natürlich auch Raum zur Entwicklung – für welche regulatorischen Rahmenbedingungen und gesetzlichen ­Initiativen plädieren Sie im Sinne der Medienzukunft?

Fellner: Wünschenswert wäre mehr Unterstützung für den digitalen Bereich. Was definitiv der falsche Ansatz ist, ist, wie von einigen Altverlegern gefordert, zusätzliche Abgaben für den Digitalbereich einzuführen.

HORIZONT: Die Zukunft der Medien hängt sehr stark auch vom kreativen Nachwuchs ab. Wie kann es Medienunternehmen gelingen, kreatives Talent für sich zu begeistern?

Fellner: Wir haben gerade zwei Akademien bei uns im Haus umgesetzt. In unserer Journalisten-Akademie haben wir junge Nachwuchsjournalisten für Print, Online und Radio ausge­bildet – von denen wir in allen drei Medienbereichen einige übernommen haben, die jetzt fix bei uns angestellt sind. Derzeit gibt es gerade eine Sales-Akademie, wo wir junge Sales-Mitarbeiter ausbilden. Der Zuspruch bei beiden Akademien war sensationell – und wir werden das aufgrund des großen Erfolgs jetzt zweimal im Jahr wiederholen.

HORIZONT: Welche internationalen Medienunternehmen und/oder -projekte sind für Sie persönlich zukunft­weisend?

Fellner: Der große Vorreiter im deutschsprachigen Raum ist natürlich Axel Springer. Springer hat gezeigt, wie man ein modernes Medienhaus aufbaut – mit Print, mit Online, mit Classifieds, mit Bewegtbild. Auch Ringier in der Schweiz ist auf einem sehr guten Weg. Da können wir uns für den österreichischen Markt sicher noch einiges abschauen.

HORIZONT: Welchen Beitrag kann eine Initiative wie der Medien-Zukunftspreis tatsächlich für die gesamte Branche leisten?

Fellner: Mit dem Medien-Zukunftspreis können endlich jene vor den ­Vorhang geholt werden, die die ­Zukunft dieses Landes gestalten, und nicht jene, die nur versuchen, die Vergangenheit zu verteidigen.

HORIZONT: Wie definieren Sie Ihre persönliche Zukunftsvision für das Webangebot von oe24?

Fellner: Unser Ziel ist, das modernste Medienunternehmen Österreichs zu werden. Mit einer modernen Print­schiene (mit Gratiszeitung, Kaufzeitung und den Magazinen), einem starken Online-Content-Bereich (mit der Dachmarke oe24), einem breiten Spektrum an Classified-Angeboten (hier sind wir bereits in den Feldern Jobs, Immobilien, Auto und Partnersuche tätig), einem E-Commerce-Bereich (wo wir mit Joe24 Reisen bereits ein echtes Erfolgsmodell haben), digitalem Radio (Ö24) und einem starken Fokus auf Bewegtbild/Online-TV.

Die gesamte HORIZONT-Interviewserie mit Mitgliedern des Zukunftsforums finden Sie hier - sie wird laufend erweitert.
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