Unterschiedliche Regeln behindern
 

Unterschiedliche Regeln behindern

Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda im Interview

Der Medien-Zukunftspreis ist eine Initiative des Manstein Verlages. Begleitet wird sie vom Zukunftsforum, dessen Teilnehmer in dieser Interviewserie zu Zukunftsthemen der Branche zu Wort kommen.

HORIZONT: Die Medienwelt ist einem tief greifenden Wandel unterworfen – was brauchen Medienmacher heute mehr denn je, um auch in Zukunft ­erfolgreich zu sein?

Ernst Swoboda: Aufgeschlossenheit und Sensibilität für die laufend stattfindenden Veränderungen von Nutzungsverhalten, Nutzerneigungen, technischen Möglichkeiten et cetera.

HORIZONT: Und, wie lautet hier Ihr persönlicher Befund? Ist davon ausreichend vorhanden?

Swoboda: Es gibt durchaus Unternehmen und Persönlichkeiten, die das können und auch realisieren. Meinem Eindruck nach überwiegt aber nach wie vor die „Scheuklappenstrategie“ – also Augen zu und durch, wird schon nicht so schlimm werden …

HORIZONT: Innovation wird oft nur als Optimierung des Althergebrachten missverstanden. Wie definieren Sie ­persönlich Innovation, insbesondere bei Medien?

Swoboda: Im Medienbereich geht es immer darum, dass bestimmte ­Medien bestimmte Bedürfnisse der Medienkonsumenten decken. Die Aufgaben der Medien – Information, Unterhaltung … – bleiben daher in der Regel im Kern gleich, die Innovation besteht in der Regel darin, dieselben Aufgaben in einer an veränderte ­technische Möglichkeiten und veränderte Neigungen und Gewohnheiten der Medienkonsumenten optimal angepassten neuen Form zu erfüllen. Beispiel zum Radio: Erfolgte die Interaktion mit den Hörern früher über Telefon (Hörerwunschsendungen, Themensendungen mit Hörereinbindung …), so findet diese Aktion bei „innovativen“ Sendern heute sehr stark zum Beispiel via ­Social Media statt.

HORIZONT: Innovation braucht auch Raum zur Entwicklung – für welche ­regulatorischen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Initiativen plädieren Sie im Sinne der Medienzukunft?

Swoboda: Die Frage stellt sich für mich eher umgekehrt, nämlich: Was behindert Innovation beziehungsweise überhaupt Entwicklungen der Medien und sollte daher beseitigt werden? Gerade weil die Medienzukunft – und eigentlich in weiten Teilen schon die Gegenwart – die Medien aus ihren früheren, eng abgesteckten Territorien in ein gemeinsames, offenes Land führt – von manchen auch als Konvergenz bezeichnet –, ist alles für diese Entwicklung hinderlich, was die bisherigen Territorien begrenzt, abgrenzt und die Verbindung erschwert. Dazu gehören unterschiedliche Kollektivverträge für die verschiedenen ­Medienbereiche ebenso wie unterschiedliche Abgabenregelungen, unter­schiedliche Fördermodelle und so weiter. Umso mehr von diesen Schranken fallen, umso mehr dieser Regelungssysteme vereinheitlicht ­werden – zum Beispiel einheitliches Abgabensystem für alle Medien, einheitliche Medien-KVs, einheitliches Medienfördersystem –, umso leichter wird sich die innovative Entwicklung entfalten können.

HORIZONT: Die Zukunft der Medien und der gesamten Branche hängt sehr stark auch vom kreativen Nachwuchs ab. Wie kann es den Medienunter­nehmen nun gelingen, kreative Talente für sich zu begeistern?

Swoboda: Sehr einfach: Indem sich die Medienunternehmen selbst als modern, innovativ und kreativ definieren und präsentieren – das erzeugt Magnet­wirkung für entsprechende Talente.

HORIZONT: Im Gefüge aus Auftrag­geber, Agentur und Medium geht es ­vielfach nur mehr um die günstigsten Konditionen. Wie lassen sich qualitative Gesichtspunkte in der Mediaplanung in den Fokus rücken?

Swoboda: Primär wohl durch seriöse Bewertungsmodelle, die den Wert des qualitativen Gesichtspunktes auch nachvollziehbar nachweisen lassen.

HORIZONT: Welche internationalen Medienunternehmen und/oder -projekte sind für Sie persönlich zukunftsweisend?

Swoboda: Apple, Google, Pandora und viele andere.

HORIZONT: Was kann eine Initiative wie der Medien-Zukunftspreis tatsächlich für einen Beitrag für die gesamte Branche leisten?

Swoboda: So eine Initiative kann sensibilisieren, aufmerksam machen, Augen öffnen – und natürlich dem/der einen oder anderen sonst verborgenen Projekt/Idee zum Durchbruch verhelfen.

HORIZONT: Wie definieren Sie die ­Zukunftsvision für Kronehit?

Swoboda: Kronehit entwickelt sich zu einem umfassenden „Young Adult Entertainment“-Unternehmen, das über vielfältige Kanäle auf vielfältige Weise jungen Erwachsenen Unter­haltung, Ablenkung und gemeinschaftliche Interaktion bietet.
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