Ungewisse Zukunft für N24
 

Ungewisse Zukunft für N24

ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling rüttelt an der Verpflichtung der Sender zur Nachrichtenproduktion

Nachrichten rechnen sich nicht. Warum also nicht einfach abschaffen. Mit dieser Überlegung hat Thomas Ebeling, Vorstandsvositzender der ProSiebenSat.1 Media, letzte Woche für heftigen Wirbel gesorgt. 40 Millionen Euro kostet der Gruppe angeblich die Produktion von Nachrichten für all ihre Sender. Der Gegenwert: eine vermarktbare Reichweite von täglich 10,3 Zuschauer – jedoch bei einer finanzstarken öffentlich-rechtlichen Konkurrenz á la „Heute“ oder „Tagesschau“. Und bei einem zu bewältigenden Schuldenberg von 3,5 Milliarden Euro.

Aus diesem Grund hat man bei ProSiebenSat.1 laut über die Zukunft des Nachrichtenkanals N24 nachgedacht, der auch die hauseigenen Sender ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 mit News versorgt. Zur Debatte stand offenbar ein Verkauf von N24 ebenso wie eine Schließung, aber auch eine Kursänderung hin zu mehr billigere Dokus statt teurer News. Daraufhin ging die Belegschaft auf die Barrikaden und wendete sich mit einem offenen Brief an Ebeling mit folgenden Worten: „Wir fordern, dass die größte private TV-Sendergrppe in Deutschland auch weiterhin ihrer Informationspflicht im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages gerecht wird“ – unterzeichnet von 200 Mitarbeitern. Sie befürchten, dass die Zuschauer in Zukunft nur noch „billige Feigenblatt-Nachrichten“ zu sehen bekämen und wenn Ebelings Modell im privaten Rundfunk Schule machen würde, das „Informationsangebot in ihrer jetzigen Form und Vielfalt bald nicht mehr existieren würde“.  

„Außerordentlich ungeschickt“ Ebeling konterte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, wo er Nachrichten als „Zuschussgeschäft“ bezeichnete, das weder zum Kerngeschäft der Sendergruppe gehöre und noch für die Relevanz bei den Zuschauern unbedingt wichtig sei, sondern lediglich „für das Image bei Politiker“ von Bedeutung sei. Damit zog sich der Chef der Mediengruppe flux den Zorn der Medienpolitik auf sich. Kulturstaatsminister Bernd Neumann meinte gegenüber dem Spiegel, einer solchen Aussage liege ein „völliges Missverständnis des dualen Rundfunksystems zugrunde, in dem es auch für den privaten Rundfunk eine klare Verantwortung gibt“. Schließlich seien Nachrichten eine Voraussetzung für die Zulassung als Private.

Bisher sind Vollprogramme zur Ausstrahlung von Nachrichten, sowie von Regionalfenstern und Beiträgen von Drittanbietern verpflichtet, Spartenprogramme hingegen von alledem befreit. Eine Überlegung, die Nachrichtenpflicht an die Reichweiten zu koppeln, scheint wohl in Gang getreten worden zu sein. Und das wird von Medien und Experten auch als eigentliches Ziel Ebelings vermutet: ein Zugeständnis der Politik bei diesen teuren Verpflichtungen herauszuschlagen. „Wenn Herr Ebeling mit seiner Megafonankündigung, dass er am liebsten überhaupt keine Nachrichten mehr machen würde, eine Einladung zum Gespräch übermitteln wollte, dann war das außerordentlich ungeschickt“, meinte Nordrhein-Westfalens Medienminister Andreas Krautscheid gegenüber dem Spiegel.
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