Umtata im Glitzerkleid
 

Umtata im Glitzerkleid

Editorial von Birgit Schaller, Chefredakteurin (HORIZONT 38/2015)

Man versucht sich wieder an einem TV-Format im Dreiländereck. Ganz grundsätzlich stehen die Chancen gut, denn die Variante des langjährigen Quotenbrechers „Musikantenstadl“ setzt mit der „Stadlshow“ auf das neumoderne Wiesn-­Feeling, das die grundsätzlich trachtlosen Wiener und ihre städtische Umgebung seit Neuestem alljährlich heimsucht.

Gerade ist es wieder so weit, im verlagsnahen Brunn am ­Gebirge strömten sie am Wochenende in Scharen zur Brunner Wiesn, der angesagten Après-Ski-Party in Fake-Dirndl und echter Lederkracherner, um dort ein paar Maß zu heben. Gleichzeitig lachte und plauderte sich das Moderatorenduo Francine Jordi und Alexander Mazza im stylischen Alpen-Chic-Studio mit Heurigenbänken (Design Florian Wieder, auch „Wetten, dass …“-Gestalter) durch die erste „Stadlshow“. Viel Livemusik gab es im Genremix von einer durchaus feinfühligen Claudia Koreck, dem bayrischen Country-Shootingstar, über einen „Stadl“-bekannten Wolfgang Fierek bis zum begabten Illusionistenduo Ehrlich Brothers. Stimmig für den ­etwas zu coolen Neustart, dass eine Reihe von YouTube-Stars ihren Weg in die Show fanden. Eine Quote von 526.000 Zusehern und 22 Prozent Marktanteil in Österreich ist ein ordentlicher Beginn. In Deutschland setzte es für die ARD eine schmerzhafte Pleite, auch von „katastrophal“ war die Rede, mit 2,5 Millionen Zusehern und weniger als zehn Prozent Marktanteil, üblich waren zuletzt drei bis vier Millionen. Der SRF gibt sich zufrieden, auch mit seiner Sängerin Jordi in Moderatorinnenrolle. Zwischen den Stühlen sahen viele das Format, das durchaus bemüht war, es allen recht zu machen, auch musikalisch.

Interessant, denn auch beim Radio Burgenland Fest, das ebenso am Wochenende Tausende Besucher nach Eisenstadt zog, ließ sich Ähnliches beobachten. Der lässige Songwriter, Gitarrist und Amadeus-Preisträger Norbert Schneider, der auch R&B- und Reggae-Elemente in seine Musik einbaut, tat sich schwer, ein auf Schunkeln und Geradeaus-Schlager eingestelltes Publikum zu begeistern. Das scheint auch der Spagat zu sein, an dem sich die „Stadlshow“ versucht. Ein schwieriges Unterfangen, denn so wirkt man schnell zu jung für die Alten und zu alt für die Jungen. Doch der Trend ist da: zurück zur Natur, zur Heimat und ihren Liedern, das funktioniert. Ein Wille ist spürbar, ein wenig fehlt das Herz, weil manches im Stadl unnatürlich, poppig-schrill erschien. Beim alten Stadl wusste das Publikum, was es erwartet, die neue Show will erst eingeordnet werden. Es braucht wohl noch ein wenig Zeit und Analyse der Macher, wer denn nun wirklich das Zielpublikum sein soll.
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