UKW 103,2 MHz wird Kinderradio
 

UKW 103,2 MHz wird Kinderradio

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UPDATE: Lounge FM geht in Berufung - KommAustria vergibt Lizenz für "Wien, Innere Stadt" an Mein Kinderradio Ltd.

103,2 MHz, als "Wien, Innere Stadt" gespeichert, war bis zur Entscheidung der Medienbehörde KommAustria am 28. Juni eine Frequenz, deren Türklinke sich ausschließlich einige wenige temporäre Eventsender (eigentlich ausschließlich LoungeFM) in die Hand gaben. Zwischen 16. August und 25. Oktober 2012 wurde diese Lizenz zur Langzeitbespielung auf zehn Jahre ausgeschrieben.

Ansturm blieb aus

Dem Bewerbungsaufruf folgten letztendlich zehn Radiomacher, darunter neben LoungeFM und Gewinner Mein Kinderradio Ltd. auch die NRJ RadiobeteiligungsGmbH, Radio Welle 1, Soundportal und Radio Maria (HORIZONT berichtete). Lediglich fünf Mitstreiter konnten allerdings die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. In Anbetracht der Tatsache, welches "G’riss" sonst um freiwerdende Radiofrequenzen zu herrschen pflegt, ein ernüchterndes Ergebnis.

Das Ausbleiben des Ansturms liegt natürlich vor allem daran, dass mit dieser UKW-Frequenz, die vom Donaukanal aus gesendet wird, aufgrund geringer technischer Reichweite gerade einmal der erste und Teile des neunten Gemeindebezirks (und damit nach IRT-2D ca. 790.000 potenzielle Hörer) bespielt werden können. Gepaart mit den strengen Vorgaben der KommAustria zeichnet sich ein für "klassische" Radiomacher eher unattraktives Bild.

Lücke wird gefüllt

Sei es, wie es sei: Am 28. Juni wurde die Lizenz – mit Stand 2. Juli noch nicht rechtskräftig – an Mein Kinderradio Ltd. vergeben. Michael Ogris, KommAustria-Vorsitzender, bestätigt in einer Presseaussendung, dass unter dem Aspekt der vorgeschriebenen "Bereicherung der Programm- und Meinungsvielfalt in dem jeweiligen Sendegebiet" die Entscheidung, ein Kinderradio zum Zug kommen zu lassen, eine bisher klaffende Lücke füllt, "da es in seinem Wortprogramm sehr stark auf die Interessen der im gegenständlichen Versorgungsgebiet lebenden
Zielgruppe der Kleinkinder und deren Eltern abstellt, die mit den dort derzeit empfangbaren Programmen nicht versorgt werden."

Sehr allgemein betrachtet – und weil vor der eintretenden Rechtskraft des Vergabebescheids Details noch nicht öffentlichkeitsfähig sind – bedeutet das eine deutliche Abgrenzung einerseits vom öffentlich-rechtlichen Programmangebot, andererseits auch ein Alleinstellungsmerkmal im direkten Vergleich zu den Privatsendern im Sinne der weiter oben zitierten Programm- und Meinungsvielfalt. In jedem Fall: Kinder an die Macht!

UPDATE: Lounge FM geht in Berufung

Der Protest gegen die Vergabe der Wiener Radiolizenz an "Mein Kinderradio Ltd." hat nicht lange auf sich warten lassen: LoungeFM hat noch am Dienstagnachmittag angekündigt, gegen die Entscheidung der Medienbehörde KommAustria in Berufung zu gehen. LoungeFM-Gründer Florian Novak äußerte Zweifel an der Transparenz des Verfahrens und hält die Entscheidung weder im Bezug auf die wirtschaftliche noch auf die inhaltliche Eignung des Kinderradios für nachvollziehbar, berichtete die APA.

Novak kritisierte in einer Aussendung das Fehlen eines öffentlichen Hearings im Vergabeverfahren. Außerdem seien bei der Überprüfung der wirtschaftlichen Voraussetzungen und Eignung "die Prämissen eines Geschäftsmodells, das auf kommerzielle Einschaltungen setzt, die auf unmündige Kinder abzielen, nicht ausreichend hinterfragt" worden. Auch sei die inhaltliche Entscheidung mit Blick auf einen sich österreichweit konsolidierenden Hörfunkmarkt nicht nachvollziehbar, so Novak.

Die Wiener Frequenz 103.2 wird seit drei Jahren von LoungeFM als Festivalradio bespielt. Auch die Wiener Landesregierung hatte eine Empfehlung für Lounge FM abgegeben. Man sei es den "mittlerweile täglich rund 15.000 Hörerinnen und Hörern allein in Wien und den zahlreichen Wiener Werbekunden schuldig, dass wir um den Verbleib in der Bundeshauptstadt kämpfen", hieß es in der Aussendung weiter.

Nach der Entscheidung der KommAustria soll "Mein Kinderradio Ltd." für zehn Jahre die Lizenz für die Frequenz 103.2 bekommen. Zielgruppe des Radioprogramms, das seinen Hauptsitz in Großbritannien hat, sind drei- bis siebenjährige Kinder und deren Eltern.

"Innerhalb des Wortprogramms werden Themen aufgegriffen, die Kinder interessieren", heißt es auf der Website der Medienbehörde. So soll das geplante Programm "kindgerecht gestaltete internationale, nationale und lokale Nachrichten zur vollen Stunde sowie unter anderem Wetterinformationen, Freizeittipps, Veranstaltungshinweise und lokale Informationen sowie Hörbücher für die angesprochene Zielgruppe" erhalten. Im Musikprogramm seien etwa Musiktitel aus den Bereichen „Bekannt aus Funk und Fernsehen“, „All Time Klassiker“, „Aktuelles“, „Geschichtsträchtig“ und „Kinderdisco“ geplant.

(APA/red)

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