Ukraine - Viel Arbeit in der 'Deutschen Welle...
 

Ukraine - Viel Arbeit in der 'Deutschen Welle'

Ukraine-Redaktion zeigt dem Land europäische Sichtweise - User-Reaktionen zeigen Spaltung des Landes

"Bis in die tiefe Nacht, im Schichtdienst, bis zum Anschlag" arbeitet das Dutzend Redakteure der Ukraine-Redaktion der Deutschen Welle (DW) in Bonn derzeit. Das sagt deren Leiter, Bernd Johann im Gespräch mit der APA. Mit ihrer Arbeit will die Deutsche Welle den Menschen in der Ukraine die deutschen und europäischen Sichtweisen über Politik, Wirtschaft und Kultur nahe bringen.

Die Deutsche Welle ist der Auslandssender Deutschlands. Sie sendet in 30 Sprachen, in Fernsehen, Hörfunk und Internet. Die ukrainische Redaktion, die es seit der Jahrtausendwende gibt, produziert in ukrainischer Sprache in erster Linie für das Internet, zugeschnitten für ein Publikum, das an der europäischen Sicht der Welt interessiert ist.

"Radio haben wir eingestellt, Internet ist der kostengünstigste Weg", sagt Redaktionsleiter Johann. "Und es ist der direkte Draht zu den Usern." Zudem sendet die Deutsche Welle in ihrem weltweiten Fernsehprogramm über die Ukraine in deutscher und englischer Sprache.

Im Augenblick ist die Resonanz sehr unterschiedlich, wenngleich die positiven Rückmeldungen überwiegen würden, so Johann. "Das reicht von wütenden Zuschriften jener, die nach Moskau schauen und uns auffordern, nicht "die deutschen und europäischen Lügen" zu verbreiten bis zu ukrainisch-nationalistischen Zuschriften, die sagen: Lasst die Finger davon!" Dies zeige die Wichtigkeit der DW-Berichterstattung, sagt Johann.

Er spricht von einem "richtigen Propagandakrieg in den russischen Medien", die auch auf die Ukraine einwirkten, worin von einem bewaffneten Umsturz in der Ukraine berichtet werde, in dem Faschisten an die Macht gekommen wären und Ukrainer in Massen über die Grenzen nach Russland fliehen würden.

User-Reaktionen zeigen Spaltung des Landes

An den User-Reaktionen sei die Spaltung des Landes abzulesen, sagt Johann, nicht nur in Ost und West, sondern auch in Zentrum-Süden, sowie in Jung und Alt: Während Jüngere deutlich nach Westen tendierten, habe für Menschen, die älter als 50 Jahre alt sind, vielfach die Freundschaft mit Russland aus Sowjetzeiten Priorität.

Seit Ende Jänner produziert die ukrainische Redaktion der Deutschen Welle auch einmal wöchentlich ein Fernsehmagazin, das der ukrainische Privatsender TVI ausstrahle. Darin werde erklärt, wie Europa funktioniere und was Europa beschäftige. "Unter Präsident (Viktor) Janukowitsch fand eine sehr verzerrte Information über den Westen statt", sagt Bernd Johann. Das bekam auch die Deutsche Welle zu spüren, die sich auch von Medienpartnern aufgrund "negativer Einflussnahme" der Regierung trennte. Diese wollte etwa bestimmte Aussagen westlicher Politiker nicht im Programm zulassen.

Während die DW "stark europäisch aufgestellt" sei, präsentiere sich die ukrainische Abteilung der BBC, die von Kiew aus sende, stark ukrainisch. In der DW-Redaktion arbeiten Journalisten, die ihren Beruf in der Ukraine erlernt haben, doch wird von Bonn aus gesendet. "Das war eine bewusste Entscheidung, weil wir die Bodenhaftung behalten wollten", sagt Bernd Johann. Aus der Ukraine würden freie Mitarbeiter als Korrespondenten zuarbeiten. "Ich weiß nicht, ob wir die Gesellschaft beeinflussen können, aber wir können glaubwürdige Informationen bringen", sagt Redaktionsleiter Johann. "Und die Deutsche Welle genießt in der Ukraine einen guten Ruf."
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