TVthek: Verleger und ORF wollten gemeinsam ve...
 

TVthek: Verleger und ORF wollten gemeinsam vermarkten

Gemeinsames Papier - Prantner: Sind für Gespräche weiter offen

Einmal mehr war die geplante Vermarktung der ORF TVthek Thema bei den Österreichischen Medientagen, als einander Verleger, Mediaplaner und ORF am Podium begegneten. Der Vorarlberger Digital-Vorreiter Eugen Russ ließ außerdem mit der Forderung einer Besteuerung von Onlinewerbung aufhorchen. Mit den Einnahmen dieser solle die Förderung klassischer Medien gestützt werden, sagte er.  

Überraschendes Detail, von Moderatorin und APA-Medienredakteurin Julia Schnizlein zu Tage gefördert: ORF und Zeitungsverleger, die wegen der TVthek nun so diametrale Positionen einnehmen, hatten sogar über eine gemeinsame Vermarktung von Inhalten verhandelt. Im Frühjahr hatte ORF-General Alexander Wrabetz den Mitgliedern des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) demzufolge ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Die APA zitierte auch aus einem internen Schreiben des ORF: "Für eine Steigerung der Vermarktungsmöglichkeiten wird es immer wichtiger, mehr multimediale Internetseiten anzubieten. Dazu ist aktuell geplant, Inhalte bzw. einzelne Beiträge der ORF-TVthek aus einzelnen Sendungen wie z.B.: ZiB oder Bundesland-Heute den Zeitungsherausgebern zur Verfügung zu stellen", heißt es darin zur Motivation. Als Vermarktungsmöglichkeiten böten sich Video-Werbung ("Pre- und Post-Roll") und Display-Advertising. Als "wirtschaftliche und rechtliche Rahmenparameter" nennt das Papier "Einmalige technische Implementierungsaufwände, laufende Aufwände für Streaming, Lizenzgebühren vs. Vermarktungserlöse, Klärung Urheberrechte und Agenturrechte".

Russ bestätigte Gespräche und übte zugleich Kritik an der "völlig überraschenden" Antragstellung des ORF bei der KommAustria. Laut Russ gab es Überlegungen aus den mit 500 bis 600 Millionen Euro finanzierten öffentlich-rechtlichen Inhalten einen Teil des Contents gemeinsam zu vermarkten. "Die Gesprächsbasis ist natürlich nicht gefördert, wenn der Gorilla ORF entgegen aller Zusagen einseitig und überraschend die TVthek-Vermarktung beantragt." Klaus Schweighofer, Styria-Vorstand und Vorsitzender des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), ging noch einen Schritt weiter. Er bezeichnete ein solches Angebot als rechtlich "höchst problematisch". Privatrundfunkvertreter hatten schon in der Vergangenheit kartellrechtliche Bedenken angemeldet.

Thomas Prantner, der im ORF für Online und Neue Medien zuständig ist und stellvertretender technischer Direktor ist, betonte, dass eine gemeinsame Vermarktung vor allem dabei helfe, "den noch unterentwickelten Videomarkt in Österreich weiter zu entwickeln. Wir sind bereit, unseren Content auch externen Partnern zur Verfügung zu stellen. Wir sind für Gespräche weiter offen." 

VÖP-Präsident Klaus Schweighofer unterstützte die Forderung von Russ nach einer Online-Werbesteuer: Damit würde eine "Ungleichgewichtung" beseitigt. Denn: Während Werbung in Print, Radio und Fernsehen derzeit besteuert wird, sind für Online-Werbung keine Abgaben zu bezahlen. Profiteure dieser Regelung sind vor allem US-amerikanische Player wie Google oder Facebook, die so gut wie keine Steuern in Österreich zahlen. Es brauche eine faire Gleichstellung, so die Verleger.

Friedrich Stickler von den Österreichischen Lotterien zeigte sich sogleich skeptisch: "Die Werbebudgets werden um die Werbeabgabe nicht größer", gab er zu Bedenken. Verständnis für eine Online-Werbesteuer zeigte indes Peter Lammerhuber von der Mediaagentur GroupM. "Meines Erachtens ist nur legitim, wenn es eine Gleichheit der Waffen gibt. Ich zweifle aber, ob das Geld reinvestiert wird."
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