TV-Panel bei den Medientagen: Gebühren, Sport...
 

TV-Panel bei den Medientagen: Gebühren, Sportrechte und Streaming-Zukunft

Johannes Brunnbauer
Medientage 2016 Tag2 am WU Campus, am 21.09.2016 | (c) Medientage/Brunnbauer
Medientage 2016 Tag2 am WU Campus, am 21.09.2016 | (c) Medientage/Brunnbauer

Private wie Öffentlich-Rechtliche diskutierten über die TV-Themen der Zukunft.

Am zweiten Tag der Österreichischen Medientage stand auch das Thema TV am Programm. Unter der Leitung von HORIZONT-Chefredakteurin Marlene Auer diskutierten SRG-Chef Roger de Weck, Sky Österreich-Geschäftsführer Holger Enßlin, Mediengruppe Österreich-Geschäftsführer Wolfgang Fellner, ProSiebenSat.1-COO Katja Hofem, ORF-Finanzchef Richard Grasl, Vox-Chef Bernd Reichart und BR-Fernsehdirektor Reinhard Scolik über die mehr oder wenige wichtigsten Zukunftsthemen der Branche. 

Ein großes Thema waren die immer stärker werdenden Streaming-Angebote, die so gut wie unreguliert am Markt agieren können. Richard Grasl stellte auf dem Podium klar, dass noch immer 90 Prozent des Bewegtbildkonsums in Österreich im klassischen TV generiert werde. Streaming wachse - "das ist keine Frage" - vor allem im Special Interest Bereich. Katja Hofem sah das ähnlich. Am Donnerstag startet ProSiebenSat.1 mit kabel eins Doku, der auch in Österreich verfügbar sein wird, einen weiteren neuen Sender. "Wir würden das nicht machen, wenn sich lineare Sender nicht mehr lohnen würden", so Hofem. Streamingdienste würden immer wichtiger werden, sagt Hofem, es handele sich dabei aber vor allem um eine zusätzliche Nutzung zum klassischen TV-Konsum.

Vox-Chef Bernd Reichart sagt, dass er gerne mit den großen, internationalen Anbietern in Konkurrenz trete - vor allem dann, wenn es um deutschsprachige Fiction und Unterhaltung gehe. Die Zeiten, in denen man reihenweise Wiederholungen von US-Serien zeigen könne, sei vorbei. "So programmieren wir auch nicht mehr." Die Zuschauer würden durch Streaming-Dienste mehr Macht bekommen - "und das ist auch gut so", sagt Reichart. 

Keine Unterhaltung wäre "Gebührenverschwendung"

Natürlich ging es auf dem TV-Panel auch um den öffentlich-rechtlichen Auftrag und die Gebührengelder. Lange diskutiert wurden etwa die Ausgaben von ARD, ZDF, ORF und SRG in Sportrechte. Wolfgang Fellner plädierte gleich für ein komplettes Aus der Unterhaltung bei den Öffentlich-Rechtlichen. Roger de Weck vom SRG hielt dagegen: "Wenn man keine Unterhaltung zeigt, erreicht man nicht das breite Publikum. Das wäre Gebührenverschwendung." BR-Fernsehdirektor Scolik ergänzt: "Wenn man von jedem Haushalt eine Gebühr verlangt, kann man nicht nur Programm für die Nische machen."

Bei den Sportrechten hatte natürlich Sky-Mann Holger Enßlin einiges zu sagen. "Derzeit rechnet sich das noch", sagte er etwa über die extrem hohen Preise, die TV-Sender mittlerweile für Übertragungsrechte zahlen. Das Ende der Fahnenstange sei jedoch erreicht, wenn für die Sender kein Wachstum mehr möglich sei. 

Medienbehörde "wie im Kommunismus"

Wolfang Fellner kritisierte derweil die Medienbehörde. Diese sei "wie im Kommunismus" und wolle alles regulieren. Das mache auf einem Markt mit internationalen Konkurrenten wie Google und Facebook keinen Sinn, weil sich diese Player nicht an die Spieregeln halten müssen. "Die Wettbewerbsverhältnisse am TV-Markt sind aberwitzig. Ich bewundere jeden, auch ATV und Puls 4, die in den Kampf Zwerg gegen Goliath gehen." Die Zukunft des TV-Markts sieht Fellner nicht im Linearen, sondern im Bereich Mobile und Streaming. Am kommenden Montag startet die Mediengruppe Österreich ihren ersten eigenen TV-Sender oe24.TV (HORIZONT berichtete).

Roger de Weck plädierte derweil dafür, mehr und besser mit Inhalte-Distributoren wie UPC zusammen zu arbeiten. "Netflix ist einer der erfolgreichsten Serien-Produzenten, weil sie unglaublich viel Kenntnis über ihre Kunden haben." Wenn man alleine so weiter machen, werde man in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett am Publikum vorbeiproduzieren, warnt der SRG-Chef. Dazu müssten aber auch die Medienhüter mitmachen und endlich nicht mehr in nationalen Grenzen denken - damit auch Google, Facebook & Co. sich den jeweiligen Gesetzen unterwerfen müssen, so de Weck.
stats