Türkei: Staatsanwaltschaft fordert bis zu 15 ...
 

Türkei: Staatsanwaltschaft fordert bis zu 15 Jahre Haft für Dündar

Maurizio Gambarini
ABD0001_20170124 - Der türkische Journalist Can Dündar nimmt am 23.01.2017 in Berlin an der Eröffnung des Online-Mediums «Özgürüz» in deutscher und türkischer Sprache der Plattform Correctiv teil. Gemeinsam mit den türkischen Journalisten Dündar und Bagdat soll der zunehmenden Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei etwas entgegengesetzt werden. Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ABD0001_20170124 - Der türkische Journalist Can Dündar nimmt am 23.01.2017 in Berlin an der Eröffnung des Online-Mediums «Özgürüz» in deutscher und türkischer Sprache der Plattform Correctiv teil. Gemeinsam mit den türkischen Journalisten Dündar und Bagdat soll der zunehmenden Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei etwas entgegengesetzt werden. Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Wegen „Unterstützung einer Terrororganisation“ droht dem „Europäischen Journalisten des Jahres“ erneut eine lange Haftstrafe.

Can Dündar, ehemals Chefredakteur der türkischen Tageszeitung „Cumhuriyet“, droht in der Türkei wieder eine mehrjährige Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen „Unterstützung einer Terrororganisation“ eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Das berichtet die APA unter Berufung auf „Cumhuriyet“.

Dündar und der ebenfalls angeklagte Cumhuriyet-Hauptstadt-Büroleiter Erdem Gül hatten 2015 einen Artikel zu geheimen Waffenlieferungen des Geheimdienstes MIT an islamistische Rebellen in Syrien veröffentlicht. Enis Berberoglu, der für die oppositionelle CHP im Parlament sitzt und ebenfalls angeklagt wird, soll ihnen die Informationen gegeben haben. Hinter den Enthüllungen soll die verbotene Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen stecken, die auch für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Der Staatsanwalt erklärte nach Angaben der „Cumhuriyet“ in einem schriftlichen Plädoyer, Dündar, Gül und Berberoglu hätten mit der Veröffentlichung von Bildern des Lastwagens der Gülen-Bewegung „wissentlich und absichtlich“ geholfen, „ohne in ihrer Hierarchie involviert“ zu sein.

Wegen der Veröffentlichungen wurden Dündar und Gül in einem anderen Verfahren bereits zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Geheimnisverrats verurteilt. Berberoglu war wegen der Berichte in einem anderen Verfahren zunächst zu 25 Jahren wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Ein Berufungsgericht entschied im Oktober, dass der Fall neu aufgerollt werden müsse, Berberoglu ist aber noch in Untersuchungshaft. Gegen Dündar - der im deutschen Exil lebt und 2017 als „Europäischer Journalist des Jahres“ sowie als „Whistleblower des Jahres“ ausgezeichnet wurde - und 16 weitere „Cumhuriyet“-Mitarbeiter läuft außerdem noch ein anderer Prozess wegen Terrorvorwürfen.

[Red.]

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