Trends 2017 #4: TV und Radio
 

Trends 2017 #4: TV und Radio

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Was geht, was kommt, was entwickelt sich weiter.
Was geht, was kommt, was entwickelt sich weiter.

Das bringt 2017 für die TV- und Radiobranche: Die Personalisierung wird stärker.

Personal Programming mischt die Branche auf, also das nicht-lineare, personalisierte Konzept von Video-on-Demand-Plattformen. Ein Blick in die USA zeigt, dass sich dieser Markt gerade im Umbruch befindet. Aktuell nutzen nur noch 60 Prozent der amerikanischen Haushalte das klassische Fernsehen, während 40 Prozent der US-Bürger die Fernsehinhalte bereits auf Video-on-Demand-Plattformen rezipieren. Diese Zahlen zeigen: Videostreaming wird die Fernsehgewohnheiten vieler Nutzer noch gehörig aufwirbeln - wer dieses nämlich nutzt, gewöhnt sich langsam aber sicher das lineare Fernsehen ab. Der repräsentativen Umfrage der Fernsehanstalten im Auftrag des Bitkom-Branchenverbands nach ersetzt jeder dritte Nutzer von Videostreaming (33 Prozent) ab 14 Jahren das klassische Fernsehen ganz oder teilweise durch Video-on-Demand-Plattformen. Und jeder vierte Nutzer von Videostreaming (25 Prozent) kann sich vorstellen, in Zukunft komplett auf das lineare TV-Programm zu verzichten.

Junge Zielgruppe gibt Richtung vor

Auch hierzulande haben die Fernsehanstalten den Streamingboom lange Zeit unterschätzt. Viele sahen in Video-on-Demand-Plattformen lange nur eine Konkurrenz für die physische DVD-Distribution. In Österreich ist der "Niedergang" des klassischen Fernsehens noch nicht so deutlich zu erkennen und der Wandel des Medienkonsums vollzieht sich langsamer, als angenommen - das klassische Fernsehen dominiert nach wie vor die Bewegtbildnutzung. Eine aktuelle AGTT-Studie zeigt, dass lineares TV die beliebteste Art bei den Österreichern ist, um Bewegtbild zu konsumieren und Streaming aktuell noch einen geringen Anteil in der Bewegtbildnutzung ausmacht. Insgesamt, so die von der GfK durchgeführte Untersuchung unter 4.000 Personen, nutzt jeder Österreicher 223 Minuten Bewegtbild am Tag. Davon entfallen 185 Minuten auf das lineare TV, die verbleibenden Minuten teilen sich auf Onlinevideoplattformen mit 17 Minuten, DVD mit sechs Minuten und non-linearem Konsum klassischer TV-Inhalte mit 14 Minuten auf. Dennoch ist der Trend zur nicht-linearen Fernsehnutzung und zum personalisierten Programm unübersehbar angekommen. Das zeigt das Bild bei der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen, wo YouTube, Amazon, Netflix und Co. aktuell bereits 20 Prozent der täglichen Bewegtbildnutzung für sich verzeichnen.

Internationale Paradebeispiele

Streamingdienste setzen allerdings nicht nur TV, sondern auch das Medium Radio, das ebenfalls vor einem großen Umbruch steht, zunehmend unter Druck. Ob mobil oder am Desktop, online oder offline - in Zeiten von Spotify, Napster und Co. ist Personalisierung mittlerweile eine selbstverständliche Gegebenheit zwischen Playlists und eigenen Radio-Streams geworden. Erhebungen aus den USA zeigen, dass Musikstreaming-Dienste die klassischen Radiostationen bereits überholt haben. Zwar wachsen auch die Radiosender, aber eben nicht so stark wie die Musikstreaming-Dienste. Spricht man mit europäischen Radiomachern, wird auch schnell klar, warum das so ist. Sie alle sind sich einig, dass das klassische Radio die Möglichkeiten der Personalisierung derzeit noch nicht optimal oder noch gar nicht nutzt. Die US-Plattform iHeartRadio etwa bietet eigene Stationen, die die Präferenzen der Nutzer erkennen und entsprechende Titel spielen. In Europa ist Spotify der Platzhirsch, der mit der Radiofunktion ähnliche Songs gruppiert und dem Nutzer vorspielt. Ein anderes Beispiel ist das nicht-lineare Internetradio Aupeo, das ebenfalls auf einen Algorithmus in der Songauswahl setzt.

Aufholbedarf bei Personalisierung

Während international bereits die meisten Musikstreaming-Dienste auf individuelles Hörerlebnis für die Nutzer setzen, tut das kein klassisches Radio in seinem Programm. Einige Vorreiter wollen das nun ändern. Zu ihnen zählt auch Rüdiger Landgraf, Programmchef von Österreichs größtem Privatradiosender, Kronehit. Mit seinem Team arbeitet er an einer App, die das Radioerlebnis für die Nutzer revolutionieren soll. Die App soll es den Nutzern ermöglichen, einzelne Songs zu überspringen. Bevorzugte Musikstücke können geliked werden, sodass diese und ähnliche Titel häufiger gespielt werden. Der Clou: Die Hörer bekommen dann je nach persönlichen Vorlieben andere Lieder ausgespielt, verlassen das Programmschema aber nicht. Bei Moderationen, Nachrichten und Werbeblöcken kehren sie trotz des individuellen Musikprogramms zum Sender zurück. "So können wir gegen die Streamingdienste auf Augenhöhe antreten", sagt Landgraf. Und auch beim ORF weiß man um die Wichtigkeit von personalisiertem Radio. "Natürlich ist das die Zukunft", sagt ORF-Radiodirektor Karl Amon, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Der Medienkonzern sieht sich aber mit scharfen Gesetzen konfrontiert. Dennoch arbeite man seit einiger Zeit an individuellen Programmen für die Hörer. "Sobald es die Gesetze zulassen, können wir den Testbetrieb starten", so Amon.
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