Thalia Österreich: Weniger Umsatz, mehr Gewin...
 

Thalia Österreich: Weniger Umsatz, mehr Gewinn

Screenshot thalia.at
Der Gewinn schnellte wegen niedrigerer Personalkosten und der Ausbuchung von Gutscheinverbindlichkeiten jedoch um 75 Prozent auf 5,4 Mio. Euro hinauf.
Der Gewinn schnellte wegen niedrigerer Personalkosten und der Ausbuchung von Gutscheinverbindlichkeiten jedoch um 75 Prozent auf 5,4 Mio. Euro hinauf.

Weniger Personalkosten und Ausbuchung von Gutscheinverbindlichkeiten pushten Gewinn. Thalia-Österreich-Chef: Amazon nicht Hauptkonkurrent, sondern Konkurrenz durch geänderten Medienkonsum

Die größte heimische Buchhandelskette Thalia mit 35 Filialen trotzt der Online-Konkurrenz. Der Umsatz ging im Geschäftsjahr 2016/17 unter anderem wegen der Reduktion von Verkaufsflächen um 2,5 Prozent auf 125,6 Mio. Euro zurück. Der Gewinn schnellte wegen niedrigerer Personalkosten und der Ausbuchung von Gutscheinverbindlichkeiten jedoch um 75 Prozent auf 5,4 Mio. Euro hinauf.

Den US-amerikanischen Online-Händler Amazon sehe man nicht als Hauptkonkurrent, sondern man konkurriere vor allem mit anderen Freizeit- und Medienangeboten, sagte Thalia-Österreich-Geschäftsführer Thomas Zehetner im APA-Gespräch. "Die wahre Konkurrenz ist Social Media und Streaming. Es wird einfach weniger gelesen." Er würde sich eine "Allianz für das Lesen" von vielen Organisationen und Betrieben wünschen. Es sei wichtig, in die Leseförderung zu investieren.

Online-Shop wurde ausgebaut

Thalia hat mit einigen Maßnahmen auf den stärker werdenden Online-Mitbewerb reagiert. Der eigene Online-Shop wurde ausgebaut und der hauseigene E-Reader gepusht. Um mehr Kunden in die Filialen zu locken, organisiert Thalia "hunderte Lesungen" pro Jahr, in der Filiale in Wien Mitte waren es über 200 Autorenlesungen. Die Buchhandelskette hat auch das Filialnetz gestrafft. Eine Filiale in Innsbruck wurde verkauft und ein Standort in Wörgl geschlossen. In den Thalia-Standorten in Tulln und Klagenfurt wurde die Verkaufsfläche um rund ein Fünftel reduziert. Die Zahl der Mitarbeiter umgerechnet in Vollzeitäquivalente ging zwischen 2015/16 und 2016/17 um 41 auf 575 zurück, geht aus dem kürzlich im Firmenbuch hinterlegten Thalia-Jahresabschluss hervor.

Ein wichtiges Umsatzstandbein von Thalia sind Schreib- und Papierwaren, Geschenkartikel und Co. Mit diesem sogenannten buchnahen Sortiment macht der Buchhändler rund ein Drittel des Umsatzes in Österreich. Dies habe sich in den vergangenen Jahren aber "nicht sonderlich" verändert, sagte Zehetner. Ein Abgesang auf das gedruckte Buch ist für ihn nicht gerechtfertigt, "eine große Dynamik" bei E-Books in den nächsten Jahren erwartet er nicht. Der Anteil der verkauften elektronischen Bücher bei Thalia Österreich beträgt zwischen sieben und zehn Prozent. Der Anteil von E-Books am Gesamtmarkt liegt nach einer Schätzung des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels relativ konstant bei etwa 4 Prozent.

Preise für Bücher erhöht

Für die Buchverkäufe seien Belletristik, Fach- und Sachbücher gleich wichtig, so der Thalia-Österreich-Chef. Österreichische Autoren würden sich sehr gut verkaufen. Besonders gut würden sich auch die Kinderbuch-Umsätze entwickeln. 2016 hat Thalia Österreich die Preise für Bücher durchwegs auf den jeweils nächsten 90-Cent-Betrag erhöht. Bei unrunden Preisen (z.B. 20,60 Euro) wurde jeweils auf xx,90 Euro gerundet. Eine weitere derartige Preiserhöhung sei nicht geplant, betonte der Chef der Buchhandelskette. "Die Preise von Büchern sind zu niedrig. Grundsätzlich sind Bücher mehr wert, als sie kosten."

Zufrieden zeigte sich der Thalia-Österreich-Chef mit den neuen Eigentümern der deutschen Mutter. Nun sei "eine längerfristige Perspektive" möglich und nicht nur Planungen für die nächsten drei bis fünf Jahre. Thalia war 2016 von einem Eigentümerkonsortium um die deutsche Verlegerfamilie Herder übernommen worden. Neben der Familie Herder gehören dazu auch der Digital-Unternehmer Leif Erik Göritz und der Thalia-Chef Michael Busch sowie die Unternehmerfamilie Kreke.

Vor der Übernahme hatte Thalia turbulente Zeiten durchgemacht. Wegen des Siegeszugs des Online-Handels rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen, was auch zur Schließung etlicher Filialen führte. 

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