Terroranschlag in Wien: 'Wir haben nur gebrac...
 
Terroranschlag in Wien

'Wir haben nur gebracht, was überall im Internet zu sehen war'

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Symbolbild.
Symbolbild.

Eine Bestandsaufnahme der medialen Berichterstattung von oe24.TV bis Florian Klenk. 

Die furchtbaren Bilder des Terroranschlags in Wien vom Montagabend haben via Social Media auch ihren Weg ins Fernsehen gefunden. Einige Boulevardmedien zeigten dabei Videos, die von vor Ort befindlichen Menschen erstellt und auf Social Media Plattformen hochgeladen wurden. Zu sehen waren dabei unter anderem auch der Täter selbst sowie Schüsse auf Menschen. Auch verwundete Menschen und Blutlachen waren ersichtlich. Die Polizei als auch das Innenministerium warnten – auch wegen des noch laufenden Einsatzes und zum Schutz von Beamten und Gesellschaft – schon frühzeitig davor, entsprechende Szenen zu teilen oder zu zeigen. Beim Österreichischen Presserat gingen laut etat.at allein am Montagabend rund 300 Beschwerden gegen die Berichterstattung von oe24.at und „Österreich“ ein.


Die Plattformen der Mediengruppe Österreich von Wolfgang Fellner zeigten eben solche Inhalte. „Oe24.TV hat nur gebracht was überall im Internet zu sehen war – unter anderem in genau derselben Form auf krone.at und bild.de“, reagiert Fellner noch in der Nacht auf eine HORIZONT-Anfrage und die Frage, warum diese Bilder gezeigt wurden respektive wo die Grenze gezogen werde, was auf Sendung gehen dürfe. Fellner verweist dabei auch auf „zahllose internationale TV-Stationen“ und nennt etwa CNN, Fox oder Bild.tv, die das Material ebenso gezeigt hätten.
„Wir haben die Videos auf oe24.TV nach der Kritik auf twitter nicht mehr ausgestrahlt“, so Fellner. Beim von ihm angesprochenen krone.at war etwa ein Video (verpixelt) zu sehen, bei dem offensichtlich ein Mensch angeschossen wurde. Der Chefredakteur der "Kronen Zeitung", Klaus Herrmann, reagierte in einer schriftlichen Stellungnahme: "Wir haben uns nach internen Diskussionen in der Nacht entschieden, Tatvideos nach bestmöglicher technischer Entschärfung zu veröffentlichen, um die Bedrohungslage zu unterstreichen. Die Videos wurden heute Morgen nach der - vermuteten - Entspannung der Lage wieder offline genommen", hieß es gegenüber der APA.

Unterdessen gab mit Billa ein Werbekunde bekannt, im Umfeld von oe24 nicht werben zu wollen: „Wir unterstützen dieses Vorgehen in keiner Weise, der Stopp unserer Werbeschaltungen auf diesem Medium sind bereits veranlasst“, heißt es in einem Tweet. Auch andere Werbetreibende wie Spar tätigten Schritte dieser Art.
Für Medien stellte sich in der Tatnacht an sich die Frage, was zu berichten ist – und was nicht. „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk war in seiner Redaktion in der Wiener Innenstadt nah dran am unmittelbaren Geschehen und berichtete als einer der ersten. Seine Tweets, die teils nicht bestätigte Informationen enthielten, wurden dabei von vielen auf Twitter ebenso kritisch beäugt. In einem Beisatz heute Morgen – „Es war eine Nacht des Schreckens (verzeiht also bitte so manchen Fehler, der mir unterlief)“ – entschuldigte er sich. Auch seine Recherchen zur Identität des Täters wurden teilweise kritisiert.
Kurier-Onlinechef Richard Grasl bat in einem Tweet um Nachsicht: „Bitte an alle Medienkritiker hier: Hauts uns gerne bitte alle morgen, wenn wir in der Hitze des Gefechts einen Fehler gemacht haben. Aber derzeit haben wir echt Besseres zu tun als uns hier zu wehren oder um uns über Euch zu ärgern.“

Korrigiert haben noch in der Nacht die Kollegen aus St. Marx: Auf Puls 24 schilderten etwa Reporter unmittelbar vor Ort das Geschehen, dazu gab es Bilder eines Kameramanns. „Ich versuche eine andere Position einzunehmen“, meinte etwa eine Reporterin inmitten des Tumults. „Wir hatten heute Abend kurz Live-Bilder, da unser Kameramann vor einer Live-Schalte mitten im Geschehen stand. (...) Wir haben das aber sehr schnell abgedreht“, so Puls 4-Infodirektorin Corinna Milborn.

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