Tamedia übernimmt Edipresse
 

Tamedia übernimmt Edipresse

Das Züricher Verlagshaus Tamedia übernimmt Schweizer Edipresse-Geschäft.

"Ein neuer Mediengigant ist in der Schweiz geboren", meint Stephan Russ-Mohl, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Lugano, gegenüber der Schweizer Presseagentur, SDA, zu dem Deal. Laut Medienexperten wurde mit der Übernahme eine harte Front gegen branchenfremde Player wie Google, Facebook oder MySpace geschaffen, denen vorgeworfen wird, dass sie Werbegelder zu Lasten der Zeitungen kassieren. "Tamedia meldet mit seiner Offensive klar seinen Anspruch als Platzhirsch an", meint Nick Lüthi, Redakteur beim Branchenmagazin "Klartext" dazu. Russ-Mohl ist überzeugt, dass die Leserschaft aber letztlich entscheiden wird, wohin die Reise für die Zeitungsverlage geht. Seien sie auch künftig bereit, für vertieft ausrecherchierte Inhalte zu zahlen, so werde es weiterhin Qualitätszeitungen geben. Sei dies nicht der Fall, sei das Überleben der klassischen Tageszeitung gefährdet. 







In einem ersten Schritt beteiligt sich Tamedia mit 49,9 Prozent an der Groupe Edipresse, 2011 kauft Tamedia weitere 0,2 Prozent an der Presse Publications, welche die wesentlichen Schweizer Medienaktivitäten von Edipresse umfasst. Die verbleibenden Aktien übernimmt Tamedia Anfang 2013. Für die ersten 50,1 Prozent an Edipresse zahlt Tamedia umgerechnet 153 Millionen Euro. Der Verlag Tamedia, der unter anderem den "Tages-Anzeiger" in Zürich herausgibt, ist mit 1.600 Beschäftigen kleiner als Edipresse ("Le Temps") mit rund 3.000 Mitarbeitern. Zusammen wollen die Verlage neue Angebote für die Werbekunden entwickeln und dabei nationale Lösungen anbieten. Zudem sollen Kostenverbesserungen bei Druck, Vertrieb, technischer Infrastruktur und Medienangeboten erreicht werden.







Der Zusammenschluss der beiden großen deutsch- und französischsprachigen Verlage sei aber nicht risikofrei, da Tageszeitungen zunehmend geldbringende Geschäftsmodelle fehlen. Als Negativbeispiele aus den USA gelten die gescheitertes Fusionen von "Chicago Tribune" und "Los Angeles Times" sowie von AOL und Time Warner.







(Quellen: Tamedia, APA)
stats