Studie: Österreichische Zeitungen stehen deut...
 

Studie: Österreichische Zeitungen stehen deutschen kaum nach

Ergab Forschung für Doktorarbeit - Dissertantin vom VÖZ mit Sonderpreis ausgezeichnet - Vergabe von Preisen für Medienforschung durch Verleger am Dienstag

Österreichische Zeitungen stehen deutschen Printtiteln qualitätsmäßig beinahe um nichts nach. Diese beruhigende Erkenntnis für das angebrochene Super-Wahljahr beruht auf einer aktuellen Dissertation von Melanie Magin, die vor allem die Wahlkampfberichterstattung deutscher und österreichischer Tageszeitungen von 1949 bis 2006 analysiert hat. Die an der Universität Mainz eingereichte Doktorarbeit wird am Dienstagabend mit dem vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) ausgeschriebenen Förderpreis für Medienforschung ausgezeichnet.

Tendenz verbessert

In Wahlkampfzeiten ist die Qualität der Berichterstattung von besonderer demokratietheoretischer Relevanz, da viele Bürger ein erhöhtes Bedürfnis nach politischer Information haben und die Medien stärker nutzen als sonst, heißt es in der Zusammenfassung der Arbeit. Gerade in Wahlkampfzeiten haperte es bei österreichischen Zeitungen - in den ersten Untersuchungsjahrzehnten - an Transparenz und Ausgewogenheit. Außerdem trennten sie weniger strikt zwischen Nachricht und Meinung, heißt es.

Diese Tendenz hätte sich allerdings in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Mittlerweile befinden sich heimische Zeitungen "qualitätsmäßig nahezu auf Augenhöhe mit den deutschen Blättern, deren hohes Qualitätsniveau sich im Lauf der Zeit kaum verändert hat", heißt es. Trotz des ökonomischen Drucks haben österreichische Zeitungen bei der Qualität ihrer Inhalte deutlich aufholen können, was die Autorin auf eine verbesserte Ausbildung und die zumindest zeitweise Existenz einer Selbstregulierungsinstanz - des Presserats - zurückführt.

Weiter Qualitätsunterschiede

Qualitätsunterschiede gibt es aber immer noch: Anders als deutsche Zeitungen würden zum Beispiel österreichische Titel nach wie vor in ihren Kandidatenbewertungen stark polarisieren, was Magin auf die einst tiefen Gräben zwischen den politischen Lagern zurückführt. Grundsätzlich hält die Autorin fest, dass der Qualitätsanstieg sich nicht für alle österreichischen Zeitungen nachweisen lasse, als Beispiel nennt sie die mittlerweile eingestellte SPÖ-Parteizeitung AZ.

Positiv wird die "Presse" hervorgehoben, die sich gegen die Boulevardisierungsstrategien entschieden und auf die Kernkompetenz Qualität rückbesonnen habe. Die Dissertation macht außerdem klar, dass der Weg aus der Krise nur über die Qualität der Produkte führt. Außerdem müsse die Autonomie der Journalisten und Medien von den politischen Akteuren stets gewahrt bleiben.

Sonderpreis für Autorin

Magin erhielt für ihre Dissertation einen Sonderpreis. Sieger der Kategorie Disserationen, die mit 4.000 Euro dotiert ist, war Bernadette Kneidinger, die für ihre an der Uni Wien eingereichte Arbeit "Geopolitische Identitätskonstruktion in der Netzwerkgesellschaft. Mediale Vermittlung und Wirkung" ausgezeichnet wurde. Die Kategorie Master-/Diplomarbeiten gewann die frühere "HORIZONT"-Redakteurin Gudrun Wolfschluckner für die Arbeit "Auf der Suche nach dem Public Value im Netz" an der Universität Salzburg.

Die Preise werden Dienstagabend von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) überreicht. Der VÖZ, der den Preis ausschreibt, will damit zur Vernetzung von Wissenschaft und Praxis des Medienwesens beitragen und die praxisbezogene Professionalisierung in der Ausbildung an Unis und Fachhochschulen fördern.

(APA)
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