Studie: Fortschritt bei Gleichstellung der Ge...
 
Studie

Fortschritt bei Gleichstellung der Geschlechter kommt zum Stillstand

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Der Index wurde offiziell auf dem Women Leaders Global Forum, das vom 9. bis 11. November stattfindet, mit ersten Ergebnissen präsentiert.
Der Index wurde offiziell auf dem Women Leaders Global Forum, das vom 9. bis 11. November stattfindet, mit ersten Ergebnissen präsentiert.

Laut dem Index-Report "The Reykjavik Index for Leadership" ist die Gesellschaft infolge der Pandemie nicht fortschrittlicher geworden, was die vorherrschenden Ansichten zur beruflichen Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen betrifft.

Der Reykjavik Index for Leadership analysiert, inwieweit sich die Gesellschaft mit Frauen in Führungspositionen im Vergleich zu Männern wohlfühlt. Eine Punktzahl von 100 bedeutet völlige Übereinstimmung damit, dass Männer und Frauen gleichermaßen für Führungspositionen geeignet sind. Jede Punktzahl unter 100 deutet dagegen auf Vorurteile in Bezug auf die Eignung der Geschlechter hin. In diesem Jahr wurden Einstellungen in den G7-Ländern sowie in Indien, Kenia und Nigeria untersucht.

Sowohl Frauen als auch Männer haben demnach Vorurteile gegenüber weiblichen Führungspersönlichkeiten im Vergleich zu Männern in solchen Positionen. Jedoch sind Frauen in allen G7-Ländern eher der Meinung, dass beide Geschlechter gleichermaßen geeignet sind, eine Führungsrolle zu übernehmen. Die Bevölkerungen in Großbritannien und Kanada vertreten mit einem Reykjavik-Index von 81 Punkten die fortschrittlichsten Ansichten unter den G7-Ländern.

Deutschlands Position hat sich laut Indexwert seit 2019 im Vergleich zu den anderen untersuchten G7-Ländern leicht verschlechtert. Im Durchschnitt vertreten junge Männer in den G7-Ländern im Vergleich zu ihren weiblichen Altersgenossinnen weniger progressive Ansichten. Britische Frauen weisen im Vergleich die höchsten Indexwerte auf – sie sind damit am ehesten der Meinung, dass Frauen und Männer gleich gut für Führungspositionen geeignet sind. Medien und Unterhaltung (81), Naturwissenschaften (81), Wirtschaft und Politikwissenschaft (81) sowie Banken und Finanzen (80) sind die Bereiche mit den höchsten durchschnittlichen G7-Indexwerten. In diesen Bereichen ist die Bevölkerung also am ehesten der Meinung, dass Männer und Frauen gleich gut für Führungspositionen geeignet sind.

Die Studie stellt eine Diskrepanz bei der Wahrnehmung der Eignung von Männern und Frauen für Führungspositionen fest – die Daten für 2020/2021 zeigen, dass junge Menschen (18-34 Jahre) in den G7-Ländern niedrigere Indexwerte aufweisen als ältere Bevölkerungsgruppen. Junge Männer sind dabei am wenigsten progressiv: Ihre Indexwerte liegen im Durchschnitt der G7-Ländern neun Punkte unter denen ihrer weiblichen Altersgenossinnen (67 gegenüber 76) sowie drei Punkte unter denen älterer Männer im Alter von 35-54 Jahren (71). Dieser Trend zeigt sich in allen G7-Ländern. In Deutschland ist er jedoch mit am stärksten.

COVID-19 stellt Frauen an die vorderste Front

Der Reykjavik Index for Leadership untersucht die Wahrnehmung der Eignung von männlichen und weiblichen Führungskräften für 23 Wirtschafts-Sektoren. Der Gesundheitssektor, in dem 75 Prozent der Beschäftigten weiblich sind, liegt mit 71 Punkten in den G7-Ländern auf Platz 18 – hinter anderen Sektoren, die traditionell von Männern geführt werden, wie z. B. das Justizwesen (79), die High-Tech- und KI-Branche (78) oder Luft- und Raumfahrt sowie Maschinenbau (beide 72).

Obwohl Medien und Unterhaltung (81), Naturwissenschaften (81) sowie Bank- und Finanzwesen (80) nach wie vor die Branchen mit den höchsten Indexwerten sind, gibt es auch hier für Frauen weiterhin Barrieren: Frauen besetzen heute weniger als zwei Prozent der CEO-Positionen in Banken und nur 20 Prozent der Aufsichtsratssitze in Banken und Aufsichtsbehörden.

"Wir führen diese Studie jetzt im dritten Jahr durch und es ist auffallend, dass es keine Fortschritte gibt", kommentiert Michelle Harrison, Global CEO der Kantar Public Division, den Initiatoren des jährlich erscheinenden Index-Reports. "2020 war ein Jahr bedeutender sozialer Turbulenzen. Wir setzen uns dafür ein, Erkenntnisse zum besseren Verständnis dafür zu liefern, wo Fortschritte auf dem Weg zur Gleichstellung stattfinden und wo diese, wie wir in diesem Jahr gesehen haben, nicht stattfinden. Solche Nachweise sind ein wesentliches Instrument dafür einzuschätzen, wo Politik und Interventionen des öffentlichen und privaten Sektors Auswirkungen haben könnten."
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