Streit ums Werbegeld der Regierung
 

Streit ums Werbegeld der Regierung

Die Diskussion rund um die Vergabe von Werbegeldern von Regierung, Ministerien und staatsnahen Betrieben ist erneut entfacht.

Wie berichtet, hat das Unterrichtsministerium in zwei Wochen knapp 459.000 Euro für die Schulstart-Kampagne ausgegeben, wie aus einer parlamentarischen Anfrage hervorgegangen ist. Davon profitiert haben hauptsächlich "Österreich", "Heute" und "Kronen Zeitung", -  Qualitätsmedien wie "Der Standard", "Die Presse" oder den "Salzburger Nachrichten" haben vom Werbebudget des Ministeriums nichts abbekommen. Dieser Umstand ruft nun erneut eine Diskussion über die Praxis von Regierung, Ministerien und staatsnahe Betriebe, die Jahr für Jahr hohe Anzeigenvolumen und Werbegelder in Zeitungen und Zeitschriften investieren.



Während Wiener Boulevardmedien die Vergabe von Werbeetats kritisieren, erheben Bundesländerzeitungen den Vorwurf, dass Anzeigen einseitig vergeben werden, wodurch sich die Regierung und staatsnahe Betriebe die Gunst und angenehme Berichterstattung erkaufen würden. Immer wieder im Kreuzfeuer der "Kronen Zeitung" steht diesbezüglich die ÖBB sowie Infrastrukturministerin Doris Bures, denn: Allein 900.000 Euro an Werbeschaltungen seien 2009 ohne Ausschreibung an die Tageszeitung "Österreich" gegangen. Das Fellner-Blatt schießt wiederum scharf zurück: Die "Kronen Zeitung" habe in den letzten Jahren von Regierung, Ministerien, der Stadt Wien, dem Land Niederösterreich und staatsnahen Betrieben über 100 Millionen Euro an versteckten Subventionen erhalten, schrieb das Blatt. An die Gratis-Tageszeitung "Heute", die "Österreich" der Dichand-Familie zurechnet, seien weitere 30 Millionen an öffentlichen Geldern geflossen.



Auch wenn all diese Werte tatsächlich niedriger ausfallen dürften, weil bei der Bruttowerbebetrachtung etwaige Preisnachlässe oder Gegengeschäfte nicht berücksichtigt werden, gibt es Kritik an der Gesamttendenz. Diese Tendenz geht nämlich oft in Richtung Wiener Boulevard, in dem, wie Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group, meint, "eine entsprechend willfährige Berichterstattung" erwarten wird. "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner weist jede Liebäugelei mit der Bundesregierung zurück. Die Begünstigung bei der Inseratenvergabe sei eine Folge der Reichweite von "Österreich". Auch die ausgewiesenen Focus-Zahlen sind laut Fellner nicht realistisch, da in die angeblichen Werbeaufträge auch Gegengeschäfte miteingerechnet werden, was - so Fellner - "vollkommener Unsinn ist".

In der Bundesregierung kann man Kritik ebenfalls nicht nachvollziehen. Die Ministerien und Häuser seien in ihrer Medienstrategie weisungsfrei und nicht von der Strategie des Bundeskanzleramts abhängig. Bei Inseratenschaltungen sind die Reichweite und Zielgruppe eines Mediums der Maßstab.



Der Rechnungshof hatte bereits 2003 einzelne Werbekampagnen der damaligen Regierung beanstandet und transparente Richtlinien für die Vergabe und Art der Kampagne eingefordert. Vor neuerlichen Untersuchungen von Medienkooperationen und Werbekampagnen durch Regierung und staatsnahe Betriebe will man parlamentarische Beschlüsse abwarten.



(Quelle: APA)
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