Springer-Deal: Verkauf war unumgänglich
 

Springer-Deal: Verkauf war unumgänglich

#

Redaktionen sollen kooperieren - Funke-Gruppe ändert Rechtsform - Springer verkauft auch französische Zeitschriftentitel

Wie am 25. Juli bekannt wurde, verkauft der Springer-Medienkonzern für insgesamt 920 Millionen Euro seine Regionalzeitungen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" sowie seine Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe (ehemals WAZ-Gruppe), die unter anderem die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" herausgibt. Dem Verkauf muss noch das deutsche Bundeskartellamt zustimmen.

Nach Ansicht der Hauptaktionärin Friede Springer war der Verkauf „unumgänglich“. Die Entscheidung sei schwer gefallen, sie sei aber auch eine logische Konsequenz aus der Entwicklung des Marktes gewesen, sagte Springer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("F.A.S.") zu dem spektakulären Deal. Sie verfolge die Entwicklung auf dem Zeitungsmarkt seit Jahren und sehe die täglichen Zahlen, sagte die Verlegerin. Mit Blick auf die Geschichte des Verlagshauses fügte sie hinzu: "Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen". Springer wolle an den verbliebenen Titeln "Bild" und "Welt" festhalten, betonte die Verlegerin. "Solange ich als Mehrheitsaktionärin hier etwas zu sagen und mitzubestimmen habe, werden die Welt- und die Bild-Gruppe nicht angetastet." Beide Zeitungen sollten vielmehr gestärkt werden.

Redaktionen sollen kooperieren

Die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt" sollen auch nach dem Verkauf an die Funke Mediengruppe (WAZ) weiter mit der Springer-Zeitung "Die Welt" kooperieren. "Wir planen, die Vernetzung der Redaktionen beizubehalten", sagte ein Sprecher von Axel Springer am Freitag in Berlin. Über eine Ausgestaltung werde jetzt verhandelt. Die drei Blätter werden bisher von einer Springer-Redaktionsgemeinschaft produziert. Offen ist, ob auch andere Funke-Titel redaktionell mit Springer kooperieren werden.

Funke Mediengruppe ändert Rechtsform

Weiters gab die Funke Mediengruppe bekannt, die Rechtsform zu wechseln. Das Essener Familienunternehmen firmiere künftig als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Bisher war die Mediengruppe eine GmbH. Die neue Rechtsform bringe eine klare Führungsstruktur und Transparenz, hieß es in einer Mitteilung.

Im neu geschaffenen zehnköpfigen Aufsichtsrat des Medienkonzerns sitzen ein Sohn und eine Tochter der Eigentümerin Petra Grotkamp. Den Vorsitz im Kontrollgremium übernimmt der 52 Jahre alte Medienmanager Martin Kall, der vorher unter anderem bei der Schweizer Mediengruppe Tamedia und bei Bertelsmann in führender Funktion arbeitete. Das operative Geschäft der Essener leiten weiter die Geschäftsführer Manfred Braun, Christian Nienhaus und Thomas Ziegler.

Reaktionen

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, Axel Springer sei dabei, sich von einem der renommiertesten Verlage Europas in einen Mischkonzern mit digitalem Schwerpunkt zu verwandeln. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz warnte in Folge der Übernahme des "Hamburger Abendblatts" vor einem Arbeitsplatzabbau, hat doch die Funke-Gruppe zuletzt immer wieder mit harten Sanierungsschritten bei Regionaltiteln für Aufmerksamkeit gesorgt.

Positiv reagierte indes der Aktienmarkt: die Aktien des Axel Springer Konzerns notierten auf dem höchsten Stand seit April 2012. Bei Springer ging schon bisher mehr als ein Drittel von Umsatz und Gewinn auf das Konto des Online-Bereichs. Im vergangenen Jahr lösten die digitalen Medien die Inlandszeitungen als stärkste Sparte ab. Mit rund 13.600 Mitarbeitern erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro. Über Tochtergesellschaften, Joint Ventures und Lizenzen ist Axel Springer in 44 Ländern aktiv.

Nach Ansicht des Verbands südwestdeutscher Zeitungen (VSZV) ist der Verkauf kein Zeichen für eine Branchenkrise. Die rund 300 regionalen Verlage seien stabil, sagte der Vorsitzende Valdo Lehari der "Südwest Presse". Sie erreichten "jeden Tag weit über 40 Millionen Menschen, zuzüglich unserer digitalen Angebote."

In Medienkreisen tauchte inzwischen die Spekulation auf, ob Axel Springer vielleicht an der "Kronen Zeitung" interessiert sei. Schließlich hält die Funke-Gruppe 50 Prozent der österreichischen Tageszeitung. Laut dem Chefredakteur von W&V, Jochen Kalka, könne man diesen weiteren Print-Deal nicht ausschließen, denn bei "Bild" und "Krone" herrsche "großes Synergiepotential". Die Funke-Mediengruppe dementierte Verkaufsüberlegungen der "Krone"-Anteile allerdings am Montag: "Derzeit gibt es keine Überlegungen diesbezüglich" (mehr dazu hier).

Ehemalige WAZ-Gruppe will "zu führendem nationalen Medienhaus" werden

Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler erklärte, mit der Übernahme der Springer-Titel baue die Mediengruppe, deren prominentester Titel die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ist, ein nationales Medienhaus auf. Print und Online, Regionalzeitungen und Magazine sollten die journalistische Qualität und den wirtschaftlichen Ertrag sichern, hieß es.

Insgesamt erscheinen bei Funke bisher 30 Tages- und Wochenzeitungen, 170 Illustrierte und Fachzeitschriften sowie Anzeigenblätter und Kundenzeitschriften. In Österreich hält die Gruppe 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" und 49,4 Prozent am "Kurier".

Springer verkauft auch französische Zeitschriftentitel

Unterdessen bestätigte Axel Springer, dass sich der Konzern auch von Print-Aktivitäten in Frankreich trennt. Der Verlag PGP werde an das Medienunternehmen Reworld Media verkauft. Ein Springer-Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht des Hamburger Medienmagazins "new business". PGP bringt Magazine in den Segmenten Frauen, Kochen und TV heraus. PGP trage nur einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich zum Gesamtumsatz bei, betonte Springer.

(APA/dpa/red)
stats