Sportrechte: Neue Ära der Bezahlinhalte
 

Sportrechte: Neue Ära der Bezahlinhalte

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Leitartikel von Jürgen Hofer, stv. Chefredakteur.

Bitte Warten: Ursprünglich für Mitte April erwartet, hat der europäische Fußballverband UEFA als Rechteinhaber bis dato noch immer keine Entscheidung über die Vergabe der Champions-League-Übertragungspakete ab der Saison 2017/18 gefällt.

Die Entscheidung lässt unerwartet lange auf sich warten, und stellt für die UEFA einen grundlegenden Richtungsentscheid dar: Fällt die Zusage an eine kolportierte Bietergemeinschaft aus Pay-TV-Sender Sky und Bezahl-Streamingdienst DAZN, lukriert der Verband wohl eine Rekordsumme.

Dieser finanziell nachvollziehbare Schritt würde ein Wegfallen der Königsklasse aus dem Free-TV mit sich bringen – und damit langjährige, gut zahlende Sponsoren der UEFA zu einem Gutteil um ihre eingekaufte mediale Präsenz bringen – und vergrämen. Zudem wäre dem Produkt Königsklasse mit einem Schlag die Reichweite bei den Fans entzogen.

Anders als in etablierten Pay-TV-Märkten wie Großbritannien liegt die Penetration hierzulande – selbst bei sehr gut gemeinten Hochrechnungen – bei unter zehn Prozent der Bevölkerung, die Pay-TV konsumieren. König Fußball würde zum exklusiven Konsumgut verkommen.

Die UEFA müsste diesen Schritt sowohl Sponsoren als auch Endkunden erst „verkaufen“ – und sie zum Bezahlprodukt erziehen. Eine solche Entwicklung wäre dem Medienmarkt allerdings nicht fremd – und mittelfristig gedacht wohl auch zuträglich. Hochwertige Filme und Serien laufen längst – natürlich mit Ausnahmen – auf Bezahldiensten wie Netflix oder Amazon Prime.

Für uneingeschränkten Musikgenuss bedarf es dem ein oder anderen Euro auf Streamingplattformen wie Spotify oder Deezer. Der Konsument ist es mittlerweile gewohnt, für hochwertige Inhalte auch zur Kasse gebeten zu werden. Die Gratiskultur hat spät aber doch ihren Zenit überschritten.

Sollte nun auch die gewichtige UEFA ihr wertvollstes Gut über die Vergabe an Pay-Anbieter komplett kostenpflichtig machen, wäre das ein deutliches Signal, das auch andere Medien antreiben könnte, ihre Inhalte nicht weiter (teils) zu verschenken.

Dabei wird nur ein Weg erfolgreich sein: das eigene Produkt in seinem Kern so hochwertig und einzigartig wie möglich gestalten, pflegen, aufpolieren und dann gewinnbringend verkaufen – an andere Abnehmer, an Endkonsumenten. Die UEFA hat zumindest den Weg zum perfekten medialen Produkt schon mal vorgezeichnet.
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