SPÖ und ÖVP diktieren ORF Wunschliste
 

SPÖ und ÖVP diktieren ORF Wunschliste

Darabos: Statt Zweierkonfrontationen sollen bei der Wahlberichterstattung "Bürgerforen" gezeigt werden. Die ÖVP unterstützt die Pläne. Der ORF hält dagegen.

Wer glaubt, die Parteien würden heimlich in den ORF hineinregieren, ist am Montag eines Besseren belehrt worden. Sowohl SPÖ und ÖVP diktierten dem ORF nämlich öffentlich ihre Wünsche darüber, wie denn die Vorwahlberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auszusehen habe. Statt Zweierkonfrontationen solle es lieber ein Bürgerforum geben. Der ORF lehnte ab, die Opposition übte Kritik an der Regierung.

"Ich will nicht den Eindruck erwecken..."

Der ursprüngliche Plan des öffentlich-rechtlichen Senders lautete, dass die Spitzenvertreter der sechs Parlamentsparteien in fünfzehn Zweier-Konfrontationen und einer Elefantenrunde im August und September aufeinandertreffen sollen. Der frischgebackene SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos wünscht sich aber anderes TV-Programm, wie er dem ORF in einem "Kurier"-Interview ausrichten ließ. "Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich dem ORF Vorschriften machen will. Aber ich habe wirklich Bedenken, dass die vielen Zweier-Konfrontationen eher eine Wählervertreibung bewirken als eine Wähler-Information", so Darabos. Bürgerforen seien demnach das "bessere Format, lebendiger und beziehen die Bürger mit ein", weiß der Parteigeschäftsführer, der auch zu wissen glaubt, was die Wähler wirklich sehen wollen: Von Bürgerforen über Themen, die die Leute interessieren, würden die Zuseher mehr haben als von "Spiegelfechtereien zwischen zwei Politikern".

ÖVP mit konkreten Themenwünschen


Auch die ÖVP hat offenbar das Gefühl, dass die ORF-Journalisten auf gute Ratschläge aus der Politik warten. Der Sprecher von Parteichef Michael Spindelegger, Thomas Schmid, definierte nämlich gleich Themen für die entsprechenden Bürgerforen: "Worüber wird man im Wahlkampf reden müssen? Erstens über Themen des täglichen Lebens wie Wohnen, Energiekosten usw.; zweitens über Makroökonomisches wie Budgetsanierung und Euro, drittens über Europa im Allgemeinen und viertens zumindest noch über Bildung. In 45-minütigen Zweiter-Konfrontationen bleibt man gezwungenermaßen an der Oberfläche hängen. Hingegen würden Bürgerforen zu den wichtigen Themen den Zusehern viel mehr bringen."

ORF: Plan bleibt aufrecht

Der ORF hält an seinen Zweier-Konfrontationen vor der Nationalratswahl dennoch fest. Der Fahrplan für die ORF-Wahlkonfrontationen sei bereits seit längerem fixiert und wurde den Parteizentralen laut APA auch schon vor einigen Wochen kommuniziert. "Die bewährten und beim Publikum - mit 2008 durchschnittlich 850.000 Zusehern - auf großes Interesse stoßenden Zweier-Konfrontationen wird es wieder geben, allfällige zusätzliche Diskussions- und Wahlkampf-Formate – zum Beispiel auch in ORFeins – sind derzeit in Entwicklung", erklärte ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann am Montag.

Der ORF sei demnach "mitten in der Planung der Berichterstattung zu den Nationalratswahlen 2013, und zwar unbeeinflusst von Ratschlägen von Parteien oder auch anderer Medien", so Biedermann. "Wir werden auch 2013 die österreichische Bevölkerung seriös, umfassend und objektiv über den Wahlkampf und die wahlwerbenden Parteien informieren."

15 Konfrontationen

Der Zeitplan für die Zweier-Konfrontationen sieht bei sechs Parlamentsparteien insgesamt 15 Wahl-Duelle vor. Ab 29. August finden jeweils Dienstag und Donnerstag um 20.15 sowie um 21.05 Uhr zwei Politiker-Konfrontationen auf ORF 2 statt. Für 24. September ist das Kanzler-Duell zwischen SPÖ-Chef Werner Faymann und ÖVP-Obmann Michael Spindelegger geplant, am 26. September soll es eine abschließende Elefantenrunde geben. Die Nationalratswahl findet am 29. September statt. Die traditionellen ORF-Sommergespräche entfallen heuer übrigens wegen des dichten Zeitplans.

Grantige Opposition

Von der Opposition gab es Kritik an der Regierung. "Unanständig" nannte etwa FPÖ-Mediensprecher Harald Vilimsky den Einflussnahmeversuch von SPÖ und ÖVP. Auch das BZÖ hat sich am Montag gegen Änderungen bei den Wahl-Konfrontationen des ORF ausgesprochen, ebenso die Grünen.

(APA/red)
stats