"Spiegel": Schleichwerbung bei "Wetten, dass....
 

"Spiegel": Schleichwerbung bei "Wetten, dass..?"

UPDATE: ORF machte Gottschalks schon vor Jahren klar, "dass ein solches Vorgehen in Österreich unmöglich ist" - Deutscher Journalisten-Verband fordert "lückenlose Aufklärung"

Wie der "Spiegel" berichtet, haben Unternehmen jahrelang bei "Wetten, dass..?" Schleichwerbung betrieben. So durften Firmen für Millionenbeträge in der Fernsehsendung Werbung platzieren, obwohl dies verboten ist. Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin belegen das Verträge, die von Dolce Media - der Firma von Thomas Gottschalks Bruder Christoph - mit DaimlerChrysler (heute Daimler) und Solarworld abgeschlossen wurden. Die Vereinbarungen sollen sogar detaillierte Regieanweisungen enthalten, wie ein Auto zu präsentieren ist. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verlange nun eine "lückenlose Aufklärung", heißt es in dem Bericht weiter. Wenn die Vorwürfe stimmen, sei "massiv in die redaktionelle Unabhängigkeit des ZDF eingegriffen und dem Sender schwerer Schaden zugefügt worden", zitiert das Magazin den DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken. Ihm zufolge wäre das nicht nur ein "Anschlag auf die Redaktionsarbeit des Senders, sondern auch illegale Schleichwerbung in Reinform und ein klarer Verstoß gegen die geltenden Rundfunkstaatsverträge." UPDATE: ORF machte Gottschalks schon vor Jahren klar, "dass ein solches Vorgehen in Österreich unmöglich ist" Als der Vertrag mit Daimler 2006 auslief, sprang Audi ein und Thomas Gottschalk erfüllte seine Verpflichtungen als Promoter der Automarke so übereifrig, dass der ORF nach Ausstrahlung einer Sendung vom November 2007 Ärger mit der Medienbehörde bekam und wegen Schleichwerbung verurteilt wurde. In einer gemeinsamen Sitzung, bei der auch die Gebrüder Gottschalk anwesend waren, habe der ORF dem ZDF und Dolce Media klargemacht, "dass ein solches Vorgehen in Österreich unmöglich ist", so ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm am Montag zur APA. Man sei hier auf "absolutes Verständnis gestoßen" und das ZDF habe zugesichert, "dass sich die beanstandeten Sendungsteile zukünftig ausnahmslos auch innerhalb des österreichischen Medienrechts bewegen werden". Und das ist laut Böhm auch eingehalten worden. Dass Dolce Media seine Zusicherung gegenüber dem ORF aber nicht all zu eng sah, zeigt laut "Spiegel" ein unterschriftsreifer aber nie unterschriebener Vertrag zwischen Gottschalks Firma und BMW aus dem Jahr 2009, in dem es hieß: "Das ZDF plant, Fahrzeuge der BMW-Group auch über die Gewinnspiel-Kooperation hinaus redaktionell in einzelne 'Wetten, dass...?'-Sendungen zu integrieren (z.B. im Rahmen von Wetten oder zur dramaturgischen Inszenierung einer Vorfahrtssituation)." Dolce Media und BMW würden außerdem gemeinsam "Wetten, dass...?"-taugliche "Wettideen rund um das Thema Automobil entwickeln", hieß es weiter. Dolce Media verlängerte schließlich doch seinen Vertrag mit Audi. Ein Audi A8 war es, gegen den Wettkandidat Samuel Koch vor laufender Kamera prallte und sich dadurch eine Querschnittslähmung zuzog, woraufhin Thomas Gottschalk die Moderation der Unterhaltungsshow abgab. Der ORF sieht nun das ZDF als produzierenden Sender von "Wetten, dass...?" am Zug. "Wir haben keine Bedenken an der Gültigkeit der Aussage des ZDF, wonach die Vorwürfe lückenlos geprüft und aufgeklärt werden", so Böhm. Dass die Markenrechte an der beliebten Samstagabend-Show überhaupt in diesem Umfang extern vermarktet wurden, erklärt Intendant Thomas Bellut damit, "dass Gottschalk für den Sender damals so wichtig war". Dem will Bellut nun aber ein Ende setzen: "Die Vermarktung der Markenrechte und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es nach Gottschalk nicht mehr. Es schadet dem Sender, wenn auch nur der Anschein entsteht, dass da nicht sauber agiert würde." (APA/red)

stats