"Spiegel"-Geschäftsführer Mario Frank soll ge...
 

"Spiegel"-Geschäftsführer Mario Frank soll gehen

Die Mitarbeiter KG hat dem "Spiegel"-Chef das Misstrauen ausgesprochen. Branchenkenner warnen vor einer "hermetischen Hauskultur" im Verlag.

Erst wurde "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust geschasst, jetzt wackelt der Geschäftsführer-Posten von Mario Frank gewaltig. Die Mitarbeiter KG des Spiegel Verlages - die Mitarbeiter des Verlags halten zusammen 50,5 Prozent der Anteile - haben Frank vergangenen Freitag das Misstrauen ausgesprochen und für seinen Abgang plädiert. Heute hat sich Mitgesellschafter Gruner+Jahr (25,5 Prozent) offiziell gegen dieses Votum gestellt. "Der Spiegel ist unter der Leitung von Mario Frank im Verbund mit der neuen Chefredaktion sehr erfolgreich. Die Frage nach einem Wechsel in der Geschäftsführung des Spiegel stellt sich für G+J daher nicht", teilte G+J-Vorstand Bernd Kundrun gegenüber der dpa mit.

Was nun folgt ist ein Machtkampf ziwschen G+J und der Mitarbeiter KG. Viele der traditionell auf Autonomie bedachten „Spiegel"-Mitarbeiter sehen in Frank einen mit der Okkupation beauftragten Gesandten des ungeliebten Veto-Gesellschafters G+J. Zudem wurden ihm fehlende Kenntnisse des Zeitschriften- und TV-Geschäfts, ein ruppiger Führungsstil, einsame Aktionen und - vor allem - mangelnde Sensibilität für die Hauskultur des „Spiegel" vorgeworfen, etwa bei neuen Geschäftsideen, Betriebsvereinbarungen und Konferenzgepflogenheiten
Als Nachfolger ist bereits Franks Vize Matthias Schmolz in Umlauf, Marke verlagsinterne Eigenzucht wie Aust-Nachfolger Blumencron und Mascolo auch. Zahlreiche Branchenblätter in Deutschland warnen vor einer "hermetischen Hauskultur", die die Mitarbeiter KG da betreibe, "geschlossene Systeme sind nicht unbedingt das, was die Medienwelt 2.0 brauche", heißt es.


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