Sky richtet sich neu aus
 

Sky richtet sich neu aus

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Der CEO präsentiert das neue Produkt: Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt zeigt das neue Interface von Sky Q bei der Präsentation diese Woche.
Der CEO präsentiert das neue Produkt: Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt zeigt das neue Interface von Sky Q bei der Präsentation diese Woche.

Das neue Produkt Sky Q ist nicht nur eine technologische Weiterentwicklung, sondern ein strategischer Schritt im umkämpften Entertainment-Markt.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 16/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Gemacht aus Deinen Wünschen“, prangt in großen Lettern über dem Eingangsbereich der Sky-Deutschland-Zentrale in Unterföhring. Im Inneren des Konzernsitzes präsentiert CEO Carsten Schmidt in einer 45-minütigen Show in exklusivem Rahmen das, was das avisierte neue Sky ausmacht. Im Zentrum steht das neue Produkt Sky Q, das aber nicht nur eine neue technologische Plattform mit erweiterten Features ist, sondern wohl viel mehr als strategische Antwort auf einen heiß umkämpften TV- und Streamingmarkt verstanden werden kann.

„Stillstand ist keine Option“, meint Schmidt an diesem Dienstagabend, die Wünsche der Kunden seien der Antrieb, „dafür muss man Neues wagen.“ Dabei hat sich der Konzern in den letzten Jahren durchaus positiv entwickelt. Im Geschäftsjahr 2015/16 wurde erstmalig überhaupt ein Jahresgewinn vor Zinsen und Steuern erwirtschaftet, im Juli des Vorjahres die Marke von fünf Millionen Abonnenten überschritten – mittlerweile zählt der Konzern nach Angaben des CEO 5,2 Millionen Kunden im D-ACH- Raum. Neben etablierten TV-Veranstaltern – Schmidt erwähnt andere in der Medienallee ansässige wie die ProSiebenSat.1-Gruppe zwar nicht namentlich, aber doch – versuchen auch klassische Streaminganbieter wie Netflix bei Film und Serien sowie DAZN im Sport den Unterföhringern Rechte und Kunden streitig zu machen.

Partnerschaft mit Netflix

Das neue Sky Q soll eben darauf eine Antwort liefern. „Wir hatten früher Schwächen“, gibt Schmidt offen zu. Diese habe man nun beseitigt, er spricht vom besten Sky aller Zeiten. „Sky Q hat in Großbritannien und Italien bereits das Fernseherlebnis revolutioniert“, nun soll es das auch in Deutschland und Österreich tun. Sky Q ist dabei die Ausgangsplattform, die ähnlich dem bekannten Prinzip bei Netflix alles auf einen Blick bietet: persönliche Lieblingsinhalte, Serien, Filme, Tipps, Empfehlungen – in übersichtlicherem Design und verbesserter Menüführung. Dazu kommen neue Funktionen wie Autoplay für Bingewatching-Freunde, die Möglichkeit, Ausstrahlungen im linearen Signal jederzeit neuzustarten, aber auch neue Eingabeform in Form von Voice Control; über die Sky Q-Fernbedienung lässt sich das Programm per Sprachsteuerung bedienen, der Seher spricht in die Fernbedienung.

Neben diesen technologischen Erweiterungen geht Sky aber auch strategisch neue Wege: Die eigene Plattform soll nicht nur eigene Inhalte distribuieren, sondern positioniert sich stärker als Ausgangsplattform für Bewegtbildkonsum an sich. So sind nicht nur die Mediatheken von ARD, ZDF und Red Bull TV aufrufbar, sondern auch jene eines Kontrahenten: Bereits im März hatte Sky die Kooperation mit dem Streamingdienst Netflix angekündig, dessen Inhalte in das Sky-Angebot aufgenommen werden. Über Sky Q soll dies laut Schmidt „bald“ auch in Deutschland und Österreich der Fall sein. Schmidt skizziert Sky Q als Eingangstor, um alles aus einer Hand konsumieren zu können. Der Hintergedanke ist klar, wenn auch von Schmidt so nicht ausgesprochen: Auch fremde Inhalte auf der eigenen Plattform bündeln und so Seher und User ans eigene Produkt binden, bevor diese dem fragmentierten Medienangebot eventuell nachgeben könnten. Künftige weitere Kooperationen fasst der CEO dabei klar ins Auge: „Wir bleiben bei diesem Ecosystem nicht stehen“, man sei in Gesprächen mit weiteren potenziellen Partnern.

Kampagne und Kundenbindung

Was Mitbewerber wie beispielsweise der Sportstreaminganbieter DAZN bereits hatten, bietet künftig auch Sky mit seinem Ticket: Streaming von Inhalten – von Sport über Film bis Serie – mit monatlicher Kündbarkeit. Wer sich also nicht für das umfassendere Sky-Q-Produkt entscheidet, soll so zumindest zu punktuellem Konsum bewegt werden. Darüber hinaus wurden Sky Go und Sky Kids mit neuem Design versehen, noch für Sommer ist eine neue Sky Soundbox für bessere Klangerlebnisse – automatisch angepasst ans jeweilige Programm – angekündigt.

Gelauncht wird das neue Sky- Portfolio mit dem Flagschiff Q ab 2. Mai, begleitet von einer umfassenden Werbekampagne – erste Spots etwa mit Fußball-Legende Lothar Matthäus zeigte der Sender bei der Präsentation bereits – und kündigte dabei auch ein umfassendes Kundenbindungsprogramm für bestehende Abonnenten an. Details dazu blieben aus, die erstmalige Aktion soll aber laut Schmidt im Herbst starten. Gemacht wohl ganz nach den Wünschen der Seher.

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