Sind im ORF nur die Pflanzen grün?
 

Sind im ORF nur die Pflanzen grün?

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Fidler diskutierte mit Cap, Grünberger, Brosz, Fuchs und Meinl-Reisinger.

Standard- und etat.at-Redakteur Harald Fidler leitete das Podium zur Medienpolitik mit leichter Schieflage: abgesehen von Rot (Josef Cap) und Schwarz (Silvia Grünberger) konnte gerade einmal Tillmann Fuchs (Team Stronach und früherer ATV-Chef) Terrain erobern. Dieter Brosz (Die Grünen) wirkte etwas müde, NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger schaffte es in ein paar Sätzen die Positionen ihrer Partei am Beginn kurz zu umreißen (Vielfalt, Unabhängigkeit, Transparenz und Medienförderung plus Reform der ORF-Stiftungsratsbestellung). Alles in allem, ORF im Fokus, rundherum wurde leider wenig angesprochen und wenig Neues seitens der Parteien.

Key-Note-Speakerin IAA-Präsidentin Martina Hörmer bat um Input zu den Themen technlogische Veränderungen, Urheberrecht und natürlich Werbeabgabe.

Inserate und die Mafia

Dieter Brosz sieht als wahre Presseförderung die Regierungsinserate (die mit 203 Millionen Euro Berichterstattung erkaufen) und nicht die elf Millionen. ÖVP und SPÖ wollen weiterhin via Inserate aber weiter und gern über ihre Arbeit informieren, Cap noch lieber mit Kopf und "warum entsteht immer das Gefühl, dass wir wenn wir Inserate schalten Italienisch mit sizilianischem Akzent sprechen ...".

Cap will gleich nach der Wahl ein großes Medienpaket schnüren und schlägt parallel dazu Haselsteiner und Stronach vor, gleich einen TV-Sender zu kaufen. Fuchs kontert: Bei vier Prozent Reichweite via ATV wäre das Geldverschwendung. Zwischenfrage Fidler: Was kostet eine Puls4-Doku für Stronach? Fuchs: "Es wurde nur die Betrailerung bezahlt ..."

Gegen Gießkannenförderung

Fuchs weiter zu einem anderen Thema: "Ich bin gegen Gießkannenförderungen, sondern für eine Leseförderung für junge Leser nach dem französischen System" (was Cap gefällt - Like).

Es folgt viel Raum für den ORF und eine Diskussion, ob ein Zweier-Vorstand für die ÖVP, wiederum deren Ja zur Gebührenfinanzierung ermöglichen könnte ... Keiner legt sich fest, Grünberger will Geld für Filmwirtschaft verankern, einen ORF mit Strukturen für die Neuzeit und lobt Schüssels Medienpolitik, Cap sieht ÖVP-Erpresser am Werk - Stichwort Twitterverbot.

"Medienpolitik ist Standortpolitik"


Fuchs will eine Medienpolitik als Standortporitik verstehen und bringt Google aufs Tablett. Der Vorschlag: Fairer Anteil an der Wertschöpfung (Beispiel Frankreich, das 40 Millonen von Google bekommt) - dieser solle in Content und Filmförderung von Verlagen, Privat-TV, Filmwirtschaft investieren werden, anstelle in den Monopolisten ORF. Womit wir wieder beim ORF waren ... den Einfluss der Regierung auf diesen und einen ORF, der selber droht ORF 3 einzustellen ohne Gebührenrefundierung.

Cap zieht ein Fazit, bekennt sich zu dualen Rundfunksystem, will Brosz zeigen, dass mehr als die Pflanzen am Eingang des ORF grün sind (Fidler: ein Angebot zum Dreiervorstand?)

Die Werbeabgabe wollen die NEOS abschaffen, Fuchs ebenso, fragt sich aber wie das gegenfinanziert werden soll, Brosz fragt sich, wenn dies im Regierungsprogramm stand, warum es noch nicht umgesetzt wurde und Grünberger und Cap sehen hier die Probleme darin, die Länder, die Teile des Geldes erhalten, ins Boot zu holen (Stichwort: Finanzausgleich).

Was die nächste Legislaturperiode gebracht hat, werden wir in vier Jahren wissen.
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