Silicon Valley goes Klagenfurt: TEDx
 

Silicon Valley goes Klagenfurt: TEDx

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“Kärnten ist ein unterschätzter und innovativer Start-up-Standort”

Die erste TEDx Klagenfurt findet am 5. Oktober im Schloss Maria Loretto statt. Sie hat das Potential, völlig neue Ideen in Wirtschaft und Politik zu bringen: Kärnten wird als innovativer Start-Up Standort unter seinem Wert gehandelt, meint der Wiener Florian Brody, der seit über 20 Jahren im Silicon Valley lebt und als einer der Keynote-Speaker bei der ersten TEDx Klagenfurt am 5. Oktober über Energie sprechen wird. Denn: “Gerade weil es hier wenig gibt, hat diese Region die Chance, andere Regionen mit neuen Ansätzen zu überholen. Es geht dabei aber nicht (nur) um rein österreichische, sondern um regional weitaus größere Bereiche im gesamten Alpen-Adria Raum”.

Brody: “Wenn viele lokale Entscheidunsträger nicht nur zuhören kommen, sondern sich aktiv während der TEDx einbringen, und das kann in unterschiedlichster Form sein, dann kann das sehr große Auswirkungen haben”.

Ein Interview von Marion Fugléwicz-Bren

Sie haben viele Start-Up-Gründungen begleitet und werden bei der ersten TEDxKlagenfurt zum Thema Energie sprechen, was wird der Inhalt Ihrer Keynote sein?

Florian Brody: Das Thema der TEDxKlagenfurt 2013 ist “Powering Up” and beschäftigt sich mit Erneuerbarer Energie und Energie im Allgemeinen. Mein Beitrag hat den Titel “Nothingness: Energy from Within” - The Power of Emptiness; How do we use energy? Ausgehend vom dem sehr alten Konzept der substanzlosen Leere qua Unabhängigkeit (Pali: suññatā) modelliere ich ein integratives Herangehen an Energie, das persönliche innere und äussere Energie mit jener Energie, die wir aus unterschiedlichen Energiequellen zuziehen, verbindet.

Das mag im ersten Moment esoterisch und abgehoben wirken, hat aber substanzielle gesellschaftliche, technische und ökonomische Implikationen, da es unseren alltäglichen Umgang prinzipiell verändert.

Warum sind gerade die TEDx-Konferenzen so beliebt, was haben sie, was andere Konferenzen nicht haben? Was wollten die Gründer (ursprünglich) damit? Sie sind ja TED-erprobt, waren auch schon bei den ersten TED-Konferenzen in Kalifornien dabei. Was hat sich Ihrer Meinung nach im Laufe der Jahre geändert bei TED - beziehungsweise was bringt die Erweiterung auf so viele Länder, das so genannte TEDx-Konzept?

Brody: Ich war 1990 bei der TED2 in Monterey, CA, es war die erste erfolgreiche Konferenz, die Technologie, Entertainment und Design in einer Weise kombinierte, die es vorher nicht gab. Wir produzierten bei Voyager eine Laserdisk mit den Vorträgen und wenn man sich die Aneinanderreihung der Präsentationen von John Sculley (damals CEO bei Apple, Anm.) – bis Herbie Hancock ansieht, erkennt man, wie radikal der Ansatz war. Ich war dann auch bei der TED3 und der TED4 in Kobe, wo ich die Ars Electronica in einer Präsentation vorstellte.

Heute ist TED eine grosse kommerzielle Unternehmung, die es aber auch weiterhin schafft, sich kontinuiertlich neu zu erfinden. Mit dem TEDx Franchising konnten die Gründer den TED-Gedanken in fast alle Ecken der Welt tragen. In Österreich haben die TEDxVienna, die ich sowohl als Berater als auch mehrfach als Redner unterstützte, sowie Linz, Salzburg und nun auch Klagenfurt neben anderen TEDx Events eine sehr wichtige Kommunikationsplatform geschaffen.

Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen Konferenzen wie TED in Amerika und (ähnlichen?) Konferenzen in Europa?

Brody: Mir ist derzeit keine Konferenz in Europa bekannt, die derart radikal innovativ und themenübergreifend gestaltet ist und zugleich ein direktes Erlebnis ermöglicht: Eines, das eben eine persönliche Präsenz im Raum erfordert und nicht über das Internet abwickelbar ist. Es gab in Amsterdam die Doors of Perception Konferenz ab 1993, die eine ähnliche ad-hoc Gemeinschaft für einen kurzen Moment entstehen ließ. Auf der zweiten Doors Konferenz sprach ich über das Konzept von Home und Memory.

Ich arbeite derzeit an einem Konzept zu einer Erfahrungskonferenz die auch in der Zusammenarbeit aller noch über die TED hinausgeht – möglicherweise gleichzeitig in Österreich und Kalifornien. Ich freue mich über jeden, der bei diesem Projekt mithelfen will und sich bei mir meldet.

Sie waren auch diesen Sommer in Kärnten und kennen einige Aktivitäten, die hier geplant sind, warum könnte TED gerade für das Grenzland Kärnten besonders wichtig sein?

Brody: Mein Eindruck ist, dass Kärnten als innovativer Start-Up Standort unter seinem Wert gehandelt wird und gerade weil es wenig gibt, die Chance hat, andere Regionen mit neuen Ansätzen zu überholen. Es geht dabei nicht (nur) um österreichische, sondern um regional weitaus grössere Bereiche im Alpen-Adria Raum.

Verschiedene Kulturen und Sprachen – derartige Unterschiede gibt es in Amerika ebenso wie in Europa; Amerikaner gehen anders damit um als Europäer, so scheint es zumindest, schaffen sie es besser?

Brody: Sicher nicht. Schon in der Schule lernen Kinder keine Fremdsprachen, in manchen Gegenden vielleicht Spanisch; Musik- und Kunstunterricht ist ein Luxus, für den die Eltern spenden müssen, damit die Lehrer bezahlt warden können. Gleichzeitig gibt es aber eine weitaus grössere Flexibilität und neben den schlechtesten Schulen auch die besten Forschungsstätten – und eben auch etwa die Offenheit, einen Altphilologen, einen Philopsphen, einen Marketing-Experten und einen Musiker auf ein und dieselbe Bühne zu stellen.

Was liegt Ihnen für die TEDxKlagenfurt besonders am Herzen, was wünschen Sie sich für Kärnten?

Brody: Die TEDx Klagenfurt hat das Potential, ganz neue Ideen in Wirtschaft und Politik zu bringen. Wenn viele lokale Entscheidunsträger nicht nur zuhören kommen, sondern sich aktiv während der TEDx einbringen, und das kann in unterschiedlichster Form sein, dann kann das sehr große Auswirkungen haben.

Florian Brody lebt und arbeitet als Wiener im Silicon Valley an der US Westküste. Als Marketing-Stratege gründete er selbst mehrere Start-Ups und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit digitalen Medien, Electronic Publishing, Social Media und Mobile Payment. Brody publiziert in Europa und den USA und unterrichtet an Universitäten in Österreich und Kalifornien. Er ist SIG Co-Chair für Media und Entertainment bei der GABA-German American Business Association und Gründungspräsident der ASCINA – Austrian Scientists and Scholars in North America.

Buchtipp: Brody-Interview in dem Buch DIE PHILOSOPHEN KOMMEN

TEDxKlagenfurt: www.tedxklagenfurt.com

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