Shootout um die TV-Rechte
 

Shootout um die TV-Rechte

©Sergey Nivens - stock.adobe.com
Hockey players shoot the puck and attacks
Hockey players shoot the puck and attacks

Neue Player mischen den Wettbewerb um Sportrechte auf und setzen bisherige Rechtehalter unter Druck.

Dass der Sommer zu Ende geht, merkt der Sportfan verlässlicherweise daran, dass winterliche Sportarten wieder Saison haben. So starten in diesen Tagen die Schweiz und Österreich in ihre neuen Eishockey-Spielzeiten. Bei den Eidgenossen, die sich der bestbesuchten Liga Europas rühmen dürfen, stehen einige Regeländerungen auf dem Programm: 18 statt 15 Minuten Pause, kein Penaltyschießen mehr in der K.O.-Phase – doch eine mindestens so große Veränderung findet vor dem TV-Gerät statt. Dank der Rekordsumme von umgerechnet über 32 Millionen Euro im Jahr, das ist dreimal mehr als bisher, wanderten die TV-Rechte an der höchsten Eishockey-Liga der Schweiz von Swisscom und ihrem Teleclub zu UPC. Florian Kohler, CEO des Schweizer Eishockey-Verbandes, sieht darin gegenüber HORIZONT viele Vorteile: „UPC verteilt unseren Sport via den Sender MySports an ein Konglomerat von rund 200 weiteren Kabelnetzbetreibern weiter. Wir erreichen dadurch neu technisch rund drei Millionen Schweizer Haushalte.“ Zudem gebe es 25 zusätzliche Livespiele und neue Sendeformate. Das öffentliche Medienhaus SRG hält Rechte an Highlights und gewisse Live-Rechte für die Play-offs. Auch der Zuschauerschnitt soll unverändert hoch bleiben: „Ich erwarte und erhoffe mir in den Stadien eine Steigerung, weil das Produkt Eishockey durch das breitere TV-Angebot noch populärer wird“, so Kohler. „Daher gehe ich davon aus, dass sich die Leute früher oder später auch mal ein Spiel live im Stadion ansehen wollen. Bei den TV-Zuschauern erwarte ich höhere Zuschauerwerte, schlicht weil künftig mehr Spiele im Free-TV zu sehen sind.“ Ausschluss für den Teleclub
Für Teleclub-Kunden bleibt der Bildschirm dagegen schwarz – und zwar völlig. UPC überlässt der Swisscom kein einziges Spiel mehr. In den Medien wird das als Retourkutsche gesehen: Swisscom hatte bislang als Rechteinhaber anderen Anbietern die Aufschaltung des Signals ermöglicht, aber nicht für alle Spiele. Nun reichte Swisscom Anzeige bei der Wettbewerbskommission ein – der Ausgang ist offen. In Österreich zeigt sich die Rechtewelt friedlich: Pay-TV-Anbieter Sky und Free-TV-Sender ServusTV (bis zu 44 Live-Spiele) teilen sich als TV-Partner die Medienrechte an der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL). Auch hier verlagert sich der Sport immer mehr weg vom (klassischen) Free-TV. Unter dem Motto „Digital first“ wird ServusTV „einen Großteil der Spiele“ auf einem neu geschaffenen Internetportal anbieten. Ab der Post Season gibt es dann ausgewählte Topspiele sowohl im TV als auch digital, ebenso wird die Finalserie komplett live im Free-TV sowie im Livestream zu sehen sein. Ausweitung der Geldzone
Die Goldgräber-Stimmung bei den TV-Rechten beeinflusst derzeit alle anstehenden Verhandlungen. Immer größere Summen stellen vor allem Free-TV-Anbieter vor strenge Kosten-Nutzen-Rechnungen. Allen voran Streaminganbieter DAZN bemüht sich vehement um ein großes Rechteportfolio und pumpt entsprechend Geld in den Markt – Ausgaben von zwei Milliarden Dollar für zehn Jahre Rechte an der japanischen Fußball-Liga sprechen eine deutliche Sprache. Aktuell sind neben der österreichischen Bundesliga und den Rechten des Österreichischen Skiverbandes in unseren Breiten vor allem die deutschen Formel-1-Rechte ein heißes Eisen. Überall wird auch DAZN Interesse nachgesagt. Gerüchten zufolge wandert auch die Motorsport-Königsklasse ins Pay-TV ab, Sky soll den Großteil der Rennen exklusiv erhalten. Beim derzeitigen Rechte-Inhaber RTL und bei Sky wollte man mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Stellungnahme dazu abgeben. Wo geht es zum Match?
Alles bei einem Anbieter zu bekommen – auch für die Fans der deutschen Fußball-Bundesliga ist das in der neuen Saison Vergangenheit. Die Verunsicherung ist groß: Selbst in der HORIZONT-Redaktion gehen schon Anfragen von Konsumenten ein, was sie nun benötigen, um die deutsche Bundesliga verfolgen zu können. Friedrich G. aus Vorarlberg ist dabei nicht der Einzige, dem bislang nicht bewusst war, dass Freitags-Spiele nicht mehr in seinem Sky-Paket enthalten sind und er nun zusätzlich den Eurosport-Player für rund 30 Euro im Jahr benötigt. Beziehungsweise ist es eventuell schon etwas weniger, denn just bei der Premiere blieb Eurosports Player über weite Teile der Partie zwischen Köln und dem HSV schwarz. Betroffene Abonnenten erhalten zehn Euro zurück. Die Länderspielpause hat Eurosport aber wohl genutzt, der Fehler sollte nicht mehr auftreten, hieß es. Dann ist man auch hier fit für den großen Sport. •

Anm.: Florian Kohler wird im Rahmen der Österreichischen Medientage am Panel „Sportlizenzen - Wie geht es weiter?" teilnehmen.

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