"Servus TV ist überhaupt kein Mitbewerber"
 

"Servus TV ist überhaupt kein Mitbewerber"

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ORF III verordnet sich Programmneuerungen

Der ORF-Spartensender ORF III hat das erste halbe Jahr seines Bestehens hinter sich gebracht und verordnet sich für die kommenden Monate eine Reihe von Neuerungen im Programm. Wiewohl die Quote für ORF III keine Rolle spielt, wie seit Senderstart unterstrichen wird, wurde bei der Programmpräsentation dennoch darauf verwiesen, dass täglich rund 361.000 Seher vor dem Schirm seien.

Immer wieder wird der öffentlich-rechtliche Kultur- und Informationsspartenkanal mit dem Red Bull-Sender Servus TV verglichen, der ebenfalls hochwertige Kultur- und Informationssendungen im Portfolio hat. ORF III-Senderchef Peter Schöber will dies so nicht stehen lassen: „Servus TV ist überhaupt kein Mitbewerber. Wir bespielen 40 Prozent unserer Programmflächen mit Kultur, bei Servus sind es nur sechs Prozent. Servus ist eine gute Mischung aus Discovery Channel, Naturdokus und viel Sport. Wir ergänzen die ORF-Vollprogramme in den Bereichen Kultur, Information, Europa und Wissenschaft“, zitierte ihn die APA.  Der Senderchef sprach von einem Team von "im besten Sinne des Wortes Programm-Verrückten", die mit  überschaubaren Ressourcen das Publikum erobert hätten.

Ein Dorn im Auge ist dem ORF III-Chef das Cross Promotion-Verbots, nach dem der ORF in seinen Hauptprogrammen keine Imagewerbung für ORF III machen darf. Trailer mit konkreten Programmhinweisen dürfte der ORF spielen, was dem Vernehmen nach auch demnächst passieren wird. Warum diese Möglichkeit bisher kaum genützt wird, erklärt Schöber mit den unklaren rechtlichen Vorgaben. "Es ist zum Beispiel fraglich, ob wir das Logo von ORF III verwenden dürften. Die Cross-Promotion-Regelung für ORF III ist jedenfalls eine massive Beschränkung und Schwachsinn. Der Gesetzgeber sagt, der ORF soll einen Spartensender betreiben, die Medienbehörde sagt, ihr dürft damit aber nicht Aufmerksamkeit erregen. Das ist absurd und sollte auch von der Medienbehörde überdacht werden. Das gleiche gilt für die Social Media-Aktivitäten."

Neu im ORF III-Programm sind Sendungen wie Barbara Stöckls "Science Talk" oder Heilwig Pfanzelters "Zeit zum Leben", der "etwas andere TV-Sprachkurs für Austrotürken" namens "Mein Almanca", die Zeitgeschichte-Doku-Reihe "Wie wir wurden, was wir sind", der Schwerpunkt zu den Salzburger Festspielen, die "Artist in Residence"-Programmflächen, die "Stabat Mater"-Übertragung von der styriarte, eine Liveübertragung des Donauinselfests, die Fortsetzung der "Jungen Burg"-Reihe, ein umfassender Kulturfestival-Schwerpunkt, die von Karl Markovics kuratierten Filmreihe "Der österreichische Filmsommer" und Filmschätze aus den Anfangstagen des Kinos.

Zufriedenheit demonstrierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Es zeige sich "nach nur sechs Monaten eindrucksvoll, wie wichtig damals die Entscheidung für das Projekt neuer Spartenkanal ORF III war und wie richtig unsere Hartnäckigkeit, unbeirrt diversen Hürden und Hindernissen zu trotzen", sagte er.
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