,Selbst-Machen, das ist unsere Uniqueness‘
 

,Selbst-Machen, das ist unsere Uniqueness‘

Interview: Stefan Piëch, Your Familiy Entertainment, entwickelt den Pay-Kanal YFE Your Family Entertaiment, den Free-Kinderkanal RiC und neuerdings Fix und Foxi konsequent weiter – global

HORIZONT: Das geht ziemlich rapide – vor zwei Jahren RiC als Free-TV für Kinder, dann die spektakuläre Übernahme der Fix-und-Foxi-Rechte samt eigenem Pay-Sender am bisherigen Your-Familiy-Entertainment-Platz am Satellit und im Kabel – jetzt kommt auch noch das Roll-out von RiC in der Slowakei …  

Stefan Piëch: Wir waren schon länger im Gespräch – jetzt wird der erste slowakischsprachige Kindersender auch Realität. Ähnlich wie deutsche und österreichische Eltern, sind slowakische Eltern sehr qualitätsbewusst, und so hat uns auch das Management der JOJ Group, vor allem aufgrund unseres Qualitätsanspruchs, als Partner ausgewählt.

HORIZONT: Wie positionieren Sie Ihre TV-Sender und -Engagements?

Piëch: Wir stehen als Medienunternehmer in einem sehr volatilen Umfeld, das noch dazu von drei sehr ­großen amerikanischen Unternehmen international in unserem Bereich dominiert wird – Disney, Viacom, Turner –, wo wir insofern einen Sonderstatus einnehmen, da wir einmal eine sehr große eigene Programmbibliothek haben, besonders seit Fix und Foxi. Dann würde ich als ein Kennzeichen unseres Vorgehens in neuen Märkten meinen, dass wir uns eher ,disruptive‘ verhalten – das ist nicht mit den normalen Maßstäben zu messen, insbesondere angesichts der Gelder und Aufwendungen, die andere haben.

Aber wir haben, ich denke jetzt an unseren Kindersender RiC, den wir seit September 2012 ­linear und auch online betreiben, im Vergleich zu unseren Aufwendungen und Mitteln eigentlich einen Riesenerfolg. Im Social Web haben wir mittlerweile über 20.000 Fans, wir machen derzeit in über 400 Kindermodegeschäften in Deutschland eigene RiC-Ecken. Diese Ecken sind Spielecken mit einem Fernseher, in den Geschäften können Accessoires rund um RiC erworben werden. Das ist bewusst akzentuiert zum Merchandising amerikanischer Machart, das ist mir sehr wichtig. Denn was beschreibt uns am besten? Selbst gemacht.

Selbst gemacht hat viel mit unserem eigentümergeführten Unternehmen zu tun, aber vor allem damit, was für mich beispielhaft ist, was wir Kindern weitergeben sollten: dass man es selber machen kann! Es geht um das Selbstmachen und Selbstkönnen, so wie wir als YFE selbst Content produzieren. Unsere Kooperation in der Slowakei mit dem lokalen Partner JOJ steht unter diesem Aspekt.

HORIZONT: Sie beschränken sich ja nicht mehr auf Europa allein?

Piëch: Mit Paul Robinson, der den ersten Disney-Kanal in Europa gestartet hat, arbeiten wir bei der Expansion von Your Family Channel, unserem Pay-Programm, zusammen: Der ist wie wir der Überzeugung, dass das Senderkonzept von RiC einzigartig ist, und sieht wie wir, dass es möglich ist, das Konzept zu exportieren und mit lokalen Partnern umzusetzen und so in diesem Bereich eine Alternative zu den amerikanisch beherrschten Kinderkanälen aufzubauen. Nicht zuletzt dank Robinson sind wir im arabischen Raum am 1. Mai mit YFE gestartet, zuerst auf Englisch, seit 1. Oktober auch auf Arabisch. Das läuft über den Satelliten Arabsat als werbefreies Pay-TV und erreicht um die 200 Millionen Menschen von Marokko bis Iran. Derzeit starten wir in ­Afrika – aktuell auf Englisch – und sind so mit Your Family Entertainment in 70 Ländern zu empfangen. Das geht derzeit sehr schnell. Wir planen in Asien zu starten, Singapur wird der Anfang sein.  

HORIZONT: Das braucht kompatible Inhalte …

Piëch: Im Zuge dessen müssen wir auch das Thema Produktion neu aufsetzen, besonders um uns unterscheidbar zu machen. Derzeit schaffen wir es, eigene Sender zu betreiben und aufgrund der Größe unserer Bibliothek auch ein qualitativ hochwertiges, homogenes Programm anbieten zu ­können. Dass die Qualität stimmt, zeigen uns seit 2010 internationale Auszeichnungen für unsere Sender und Programme – wir versuchen einfach, Unique­ness zu machen und Ideen einfach weiterzutreiben.

HORIZONT: Zum Beispiel?

Piëch: Ein Beispiel nicht aus dem TV wäre unser Projekt ,Landmaus und Stadtmaus‘, eine Erzählung aus Deutschland. Da haben wir ein Hörspiel gemacht, zuerst eigentlich gedacht für sehbehinderte Kinder. Nun gibt es aber auch die Tradition Hörspiel in Deutschland – das hat hervorragend funktioniert und ist großartig angekommen. Daraus kann man wieder einen Hörfilm machen und das weiter zu Printprodukten bis zum Buch verschränken. Das sind Verschränkungen und crossmediale Weiterentwicklungen, wo ich sehr viel Potenzial sehe.  

HORIZONT: Das ist die ,Uniqueness‘, wie Sie sie verstehen?

Piëch: Im Kinderprogramm – sie könnten auch Erziehung oder Role Modeling sagen – gibt es ja kulturell und ­historisch sehr unterschiedliche Zugänge: einmal die Amerikaner mit der Cheerleader-Kultur, also Leistung und Anerkennung, dann die Asiaten mit der Karaoke-Kultur, also Nachsingen und Nachahmen und mit der Manga-Kultur als einer sehr uniformen, ,Nicht-aus-der-Reihe-tanzen‘-Form – und schließlich wir Europäer, wo genau ,Aus-der-Reihe-Tanzen‘, Selbst-Machen, Selbst-Erfinden, Nicht-Nachahmen im Zentrum stehen. Diese Tradition wollen wir eigentlich fortsetzen – das wäre unsere  Uniqueness.

HORIZONT: Da ist Fix und Foxi auch so eine einzigartige Geschichte …

Piëch: Das Bemerkenswerte für mich bei Fix und Foxi und Rolf Kauka ist, dass diese Geschichten aus deutscher Feder praktisch weltweit Verbreitung und Anerkennung gefunden haben. Fix und Foxi haben einen großen Kultstatus in der europäischen Comic- und Filmszene und passen ideal zu unserem qualitativ anspruchsvollen und edukativen Programmstock – und es ist eine erzählte, große Geschichte, europäisch geprägt. Was fasziniert, ist, dass der Erfinder Rolf Kauka ganz bewusst Fix und Foxi als Figuren und Universum erschaffen hat, die weltweit verständlich sind und funktionieren. Die Kauka-Comics waren ja in 35 Ländern der Welt präsent, eine unglaubliche Erfolgsgeschichte mit über 780 Millionen verkauften Comics. Das ist ein sehr starkes, sehr erprobtes, gutes Fundament, auf dem wir weiter aufbauen wollen.

HORIZONT: Ein Revival für Comics?

Piëch: Nun ja, heute ist Bewegtbild ganz einfach eine Grundvoraussetzung – wir werden Fix und Foxi auch darüber hinaus präsentieren, aber der Fokus liegt ganz klar auf Bewegtbild.

HORIZONT: Nun ist Fix und Foxi auch als eigener Sender gestartet?

Piëch: Wir haben unseren Fix-und-Foxi-Sender mit Oktober als Pay-TV auf der Frequenz von Your Familiy Entertainment gestartet – der Sender soll eine Mischung aus den Qualitätsinhalten sein, die wir jetzt schon zeigen, und zusätzlichen Inhalten, die in Richtung Bildung gehen. Fix und Foxi selber tragen das ja in sich: Den Fix, der sozusagen nach außen die Welt entdecken möchte und im wahrsten Sinn des Wortes sehr neugierig ist, und Foxi, der eher nachdenklich und vorsichtiger ist. Dazu gibt’s ja Figuren aus dem Kauka-Universum wie Professor Knox, der Kakadu mit Brille und Professorenhut.

HORIZONT: Wie geht es mit dem Free-TV-Sender RiC in der Slowakei weiter?

Piëch: Das Projekt in der Slowakei mit einem Partner ist ein weiterer Schritt. Dazu wird RiC von uns weiter ausgebaut, wir arbeiten sukzessive an Weiterentwicklung und Modifikationen.

HORIZONT: Da erfolgt die Finanzierung via Werbung – Goldbach Media ist ja nicht mehr Vermarkter?

Piëch: Wir arbeiten mit Goldbach Media nur mehr technisch bei der Buchung zusammen, unsere Anforderung an zielgruppen- und kindergerechte Werbung ist für einen Vermarkter sehr spezifisch. Derzeit machen wir die Werbevermarktung teilweise selbst, wir arbeiten auch mit Partnern zusammen – wie Sie wissen, legen wir großen Wert auf Werbung, die wirklich mit unseren Ansprüchen an das Programm auch kompatibel ist. Das braucht ein bisschen Zeit – jetzt im September sind wir zwei Jahre on air und es beginnt anzulaufen.

Dieses Interview erschien bereits am 17. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 42/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
stats