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Scolik weist Mitverantwortung in ORF-Affäre von sich

Die 30.000-Euro-Affäre im ORF-Korrespondentenbüro sorgt weiter für Diskussionen.

Laut interner ORF-Revision sind im ORF-Korrespondentenbüro in Wien rund 30.000 Euro verschwunden (HORIZONT berichtete), die eigentlich an den Osteuropa-Korrespondenten Christian Wehrschütz gehen sollten. Der ORF wird deshalb die Staatsanwaltschaft einschalten.

ORF-Finanzdirektor Richard Grasl stellte sich in der Causa vor Korrespondentenbüroleiter Roland Adrowitzer und den früheren Personalchef Reinhard Scolik und warnte vor öffentlichen Beschuldigungen, solange der Sachverhalt nicht aufgeklärt ist. "Die Sache wurde von der Kaufmännischen Direktion ans Licht gebracht, die Regeln wurden bereits verschärft. Alle arbeiten an der Aufklärung mit", meinte Grasl.

ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser hatte zuvor Adrowitzer und Scolik wegen der Vorgänge in die Verantwortung genommen. "Kein Mensch hat den Kaufmännischen Direktor daran gehindert, die Frage der Verrechnung in den Korrespondentenbüros zu klären", meinte Moser zu Grasls Aussagen. "Offensichtlich hat Grasl das Problem noch nicht erkannt. Der Kaufmännische Direktor soll sich mit der Klärung befassen und sich endlich um das kümmern, was seine Aufgabe ist, nämlich die Finanzen", sagte Moser.

Zahlungen an die Büros Belgrad und Kiew gestoppt



Reinhard Scolik, seit März Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk und zuletzt langjähriger Personalchef im ORF, wies unterdessen jegliche Mitverantwortung für die verschwundene Geldsumme von sich. Er selbst habe die Prüfung des Falles eingeleitet. "Nachdem Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind, wurden von Scolik alle Zahlungen an die Büros Belgrad und Kiew gestoppt. Die Buchhaltung hat in der Folge das Fehlen von 30.000 festgestellt, worauf Scolik eine Prüfung des Falles eingeleitet hat, die die Basis für die Anzeige eines Mitarbeiters durch den ORF ist, und auch sonst alle Schritte gesetzt, damit der Fall umfassend geklärt wird. Ihm jetzt eine Verantwortung am Fehlen des Geldes zu unterstellen ist absurd", hieß es aus dem Umfeld des ehemaligen ORF-Managers.

Die Entwendung der ORF-Gelder im zentralen Korrespondentenbüro, das der Generaldirektion von ORF-Chef Alexander Wrabetz unterstellt ist, war Anfang der Woche bekannt geworden. Konkret geht es dabei um Bargeld, das eigentlich für den Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten benötigt wird. Jener Mitarbeiter, der den Fehlbetrag von 30.000 Euro behoben haben soll, wurde inzwischen dienstfrei gestellt. Osteuropa-Korrespondent Christian Wehrschütz, für dessen Einsatz in der Ukraine und am Balkan das Geld bestimmt wer, betonte bereits am Montag, dass er sich als Büroleiter von Belgrad und Kiew "stets völlig korrekt verhalten" habe. Für das Korrespondentenbüro in Wien sei er nicht zuständig. Der ORF kündigte in der Causa umfangreiche interne und rechtliche Maßnahmen an, um den Sachverhalt zu klären. Wrabetz selbst nahm bisher zu den Vorfällen nicht Stellung.
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