Schweizer Verlage planten eigene Nachrichtena...
 

Schweizer Verlage planten eigene Nachrichtenagentur

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Die Verlage als Eigentümer der sda drohten mit dem kollektiven Exit aus der Nachrichtenagentur.
Die Verlage als Eigentümer der sda drohten mit dem kollektiven Exit aus der Nachrichtenagentur.

Die radikalen Stellenstreichungen bei der Schweizer Nachrichtenagentur sda resultieren aus massivem Druck der Verlage. Die wollten andernfalls mit einer eigenen Nachrichtenagentur starten, berichten Schweizer Medien.

Die Sparpläne bei der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) - rund 40 von derzeit 150 journalistischen Vollzeitstellen sollen gestrichen werden und einige Agenturdienstleistungen überhaupt auslaufen - sind offenbar auf ein Ultimatum zurückzuführen. Wie der Schweizer Tagesanzeiger am Wochenende schrieb, drohten die großen Verlage, die zugleich Eigentümer der sda sind, mit dem Aufbau einer eigenen Nachrichtenagentur. Federführend dabei dürften die NZZ-Gruppe und AZ Medien gewesen sein. Als sich schließlich auch Ringier und weitere kleinere Medienhäuser hinter den Plan stellten, gab sich die sda offenbar geschlagen.

Aufgrund des Drohszenarios soll die sda ihren Kunden für 2018 einen Rabatt von zehn Prozent auf alle Leistungen gewährleistet haben, was wiederum den nunmehrigen Sparplan notwendig gemacht habe. Wie erst letzte Woche bekanntwurde, sollen die Sparpläne - inklusive Stellenabbau - noch im Jänner umgesetzt werden. Die sda-Redaktion warnte zuletzt in einem offenen Brief an Bundesregierung, Parlament und Kantone vor den Folgen für die Schweizer Medienlandschaft.

Werde die Restrukturierung wie geplant umgesetzt, werde die sda "ihre heutige Funktion nicht mehr wahrnehmen", unterstreicht die Redaktion, seien doch in den letzten 15 Jahren ohnehin schon über 20 Prozent des Personals abgebaut worden: "Die Zitrone ist ausgepresst." Die mediale Grundversorgung der Schweiz sei infrage gestellt. Die sda lege "den Nachrichtenteppich – auch im digitalen Zeitalter. Sie berichtet sachlich, ausgewogen und umfassend über Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur im In- und Ausland sowie in den Regionen. Die Inhalte, die wir herstellen, sind überall – am Radio und im Fernsehen, auf Onlineportalen und in Zeitungen – und werden deshalb als selbstverständlich wahrgenommen. Dass sie nicht vom Himmel fallen, ging offenbar vergessen."

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