Schlusspfiff für ‚Sportzeitung‘
 

Schlusspfiff für ‚Sportzeitung‘

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Mit der Sportzeitung musste nun die letzte wöchentlich erscheinende Sportprintpublikation Österreichs aus finanziellen Gründen eingestellt werden.

Dieser Artikel erschien auch in der Ausgabe 1-3/2020 des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken.

Am 3. Dezember ist die letzte gedruckte Ausgabe der ­Sportzeitung erschienen, danach folgten noch zwei E-Paper-Ausgaben. Wer auf der Website des Mediums neuerdings ein neues Abo bestellen wollte, bekam die Information: „Aktuell kann leider kein Sportzeitungs-Abo angeboten werden.“ Mittlerweile ist das Ende offiziell besiegelt: Die Sportzeitung aus dem LWmedia-Verlag musste in ihrem 71. Jahr eingestellt werden. 

Über die Gründe sagt LWmedia-Geschäftsführer Erwin Goldfuss ­gegenüber HORIZONT: „Ein viel zu kleiner Werbe- beziehungsweise Anzeigenmarkt, erodierende Auflagen, latente Abo-Zustellprobleme – die Sportzeitung war eine ‚tagesaktuelle Wochenzeitung‘, ein überbordendes, kostenloses Online-Sportangebot.“ Für Goldfuss war daher eine Weiterführung der Sportzeitung nicht mehr möglich. „Österreich war schon lange ein viel zu kleiner Markt für ein so spezifisches Produkt“, so der Verlags-Geschäftsführer. Zu den genannten Gründen für das Scheitern der Sportzeitung sieht Goldfuss außerdem das Problem, dass ein „überbordendes Angebot vor allem deutscher Sportmedien, Print und Online, in Österreich verfügbar ist“. Laut den aktuellen Mediadaten der Sportzeitung erzielte der Titel zuletzt eine Auflage von 32.000 Stück und erreichte 66.000 Leser pro Ausgabe. 

Probleme für Sportmedien
Das Ende der Sportzeitung reiht sich ein in eine Liste von Sportmedien, die es in den vergangenen Jahren nicht mehr geschafft haben, auf dem österreichischen Markt zu reüssieren. Den Anfang vom Ende der Sportmedien machte die Sportwoche, die am 4. August 2015 das letzte Mal erschienen war. „Die Einstellung liegt in den geänderten Bedürfnissen unserer Leser und Werbekunden begründet“, hieß es damals vonseiten der Styria. Die Sportwoche war erstmals im Februar 1999 erschienen und damals mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren in dem Sportmagazin-Verlag gestartet, der ab 2007 nach und nach von der Styria übernommen wurde.

Ende 2018 folgte dann der Monatstitel Sportmagazin, der nach 28 Jahren eingestellt werden musste. Am Ende hatte es eine Auflage von 50.000 Stück bei einem Verkaufspreis von 3,80 Euro pro Heft. Bei der Media Analyse wurde dem Magazin eine Reichweite von 2,9 Prozent für das Jahr ausgewiesen. Eine ­kaufmännische ­Aufrechterhaltung war laut Styria damals nicht mehr möglich. Gescheitert, bevor man überhaupt so richtig starten konnte, ist 2004 der Versuch einer täglichen Sportzeitung in Österreich. Am 7. Juni erschien das erste Exemplar, nur vier Wochen später, am 8. Juli 2004, war der Spuk auch schon wieder zu Ende. Herausgeber Robert Proksch, zuvor Vertriebsleiter beim WirtschaftsBlatt, hatte die Zeitung ohne Rückendeckung durch einen großen Verlag geplant.

Keine Fortführung
Das Ende der Sportzeitung ist jedenfalls in Stein gemeißelt. Auf die Frage, ob es Hoffnung gebe, dass sie weitergeführt werde, meinte ­Goldfuss: „Nein, nicht als Wochenzeitung. Pläne für eine Änderung in einen Monatstitel gibt es auch nicht.“ Goldfuss glaubt auch nicht, dass jemand anderer den Titel weiterführen kann. „Die Titelrechte liegen bei LWmedia, die weitere Nutzung oder Nichtnutzung steht noch nicht fest. Eine kostendeckende Fortführung als Wochenzeitung ist niemandem möglich.“

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