Schawinskis Blick hinter die Kulissen
 

Schawinskis Blick hinter die Kulissen

In „Die TV-Falle“ schildert Roger Schawinski auf unterhaltsame und durchaus auch selbstkritische Art und Weise den Alltag eines Senderchefs.

Drei Jahre lang war Roger Schawinski Senderchef des deutschen Privat-TV-Senders Sat.1. Von 2003 bis Ende 2006 lenkte der Schweizer, der in seinem Land als Privatradio- und Privatfernsehpionier gilt, die Geschicke des Senders der ProSiebenSat.1-Senderfamilie. In „Die TV-Falle“ schildert Schawinski auf unterhaltsame und durchaus auch selbstkritische Art und Weise den Alltag eines Senderchefs. Schon der Untertitel seines Buches, „Vom Sendungsbewusstsein zum Fernsehgeschäft“, verdeutlicht, dass Schawinski in der „TV-Falle“ nicht mit Kritik am TV-Business und seinen Akteuren spart: an den Produktionsgesellschaften etwa, den Stars und Starlets, aber auch an den Managern der vermeintlichen Quotenbringer, die oft genug nur Sehereinbußen brachten. Man erfährt, wie Erfolgsformate geboren oder Skandale genützt werden, um die Quote zu optimieren und wie realitätsfern mitunter Talkshowstars reagieren, wenn man ihnen das Quoten-Waterloo ihrer Show vorhält. „Die TV-Falle“ ist kurzweilig, informativ, gewährt einen Blick hinter die Kulissen und zeigt die sonst so strahlenden Vorzeigegesichter des Senders wie Ottfried Fischer, Harald Schmidt oder Anke Engelke mal in einem ganz anderen Licht. Schawinski zeigt aber auch, wie das Fernsehprogramm eines Senders entsteht, wie ihn die Quoten des Vorabends den ganzen Folgetag lang begleiteten, wie sich der Kampf um die Seher auf die Qualität des Gebotenen auswirkt und wie nahe Erfolg und Misserfolg im Fernsehgeschäft beieinander liegen. Und nicht zuletzt verdeutlicht Schawinski, dass es auch beim Fernsehen so zugeht wie in der restlichen Welt: Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenknabe.

Roger Schawinski: "Die TV-Falle", Verlag Kein & Aber, Zürich 2007, 256 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-0369-5505-6

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