'Salzburger Volkszeitung' droht Aus
 

'Salzburger Volkszeitung' droht Aus

Seit Jahrzehnten hat das immer wieder totgesagte Regionalblatt allen Stürmen standgehalten, bevor die im Mai beschlossene Kürzung der Besonderen Presseförderung einen weiteren Schlag bedeutete

Der "Salzburger Volkszeitung" (SVZ) droht wie jüngst der "Kärntner Tageszeitung" das Ende vor ihrem 70. Geburtstag. Seit Jahrzehnten hat das immer wieder totgesagte Regionalblatt allen Stürmen standgehalten, bevor die im Mai beschlossene Kürzung der Besonderen Presseförderung einen weiteren Schlag bedeutete. Während die Online-Ausgabe weiterleben soll, steht die Printversion auf wackeligen Beinen.

Erstmals erschienen ist die "Salzburger Volkszeitung" am 23. Oktober 1945, und zwar von Beginn weg als Sprachrohr der ÖVP. Im darauffolgenden Jahr übernahm der Salzburger Pressverein die Rolle als Eigentümer und Herausgeber, das Blatt blieb aber im Prinzip weiterhin die Zeitung der ÖVP.

Mit 5. April 1968 führte der Pressverein seine Zeitungen "SVZ" und "Salzburger Volksbote" zusammen, wodurch aus der SVZ vorübergehend eine Wochenzeitung wurde. Die ÖVP übernahm wieder die Herausgeberschaft, der Pressverein blieb weiter Eigentümer und Verleger.

Die wöchentliche Erscheinweise war von Anfang an ein ungeliebter Kompromiss, und ab 3. November 1971 konnte die SVZ dank einer neuen Kooperation wieder als Tageszeitung erscheinen. Die überregionalen Seiten wurden ab diesem Zeitpunkt im Ring mit der Kärntner und der Tiroler Parteizeitung gestaltet. Neuer Chefredakteur wurde der aus dem Pressereferat der ÖVP-Bundesparteileitung in Wien kommende Willi Sauberer, der das Blatt als klare Regionalzeitung neu positionierte, mit einer Bevorzugung der lokalen Ereignisse in allen Ressorts.

Doch Anfang 1990 brachen beide Partner im Zeitungsring innerhalb kürzester Zeit weg, weil sie eingestellt wurden. Zu Mitte des Jahres übernahm die ÖVP vom Pressverein wieder alle Eigentumsrechte, die Bundespresseförderung sicherte den Fortbestand. Die Seiten mit überregionaler Berichterstattung wurden beim "Neuen Volksblatt" in Linz zugekauft.

Im Jahr 2005 endete die Zeit als Parteizeitung: Die Salzburger ÖVP brachte den Verlag in eine GmbH ein und begann einen Restrukturierungsprozess, im Zuge dessen die meisten langdienenden Mitarbeiter die Redaktion verließen, darunter auch Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer, der seit 1994 als Chefredakteur tätig war.

Neuer Eigentümer wurde die Aistleitner Holding mit Martin Aistleitner als Herausgeber und Geschäftsführer. Dieser holte seinen Bruder Konnie Aistleitner zurück zur SVZ, aus der er wenige Monate zuvor ebenfalls ausgeschieden war, und installierte ihn als Chefredakteur. "Er führte die SVZ mit einem kleinen Team engagierter Mitarbeiter in die bislang besten Zeiten seit dem 65-jährigen Bestehen", hieß es noch zuletzt auf der Homepage der Zeitung.

Diese "besten Zeiten" bedeuteten aber auch, dass die Redaktion zuletzt nahezu nur mehr aus freien Mitarbeitern ohne Anstellung nach dem Kollektivvertrag bestand. Kostensteigerungen in der Produktion und eine laut Aistleitner "annähernd halbierte" Presseförderung führten noch zu einem weiteren Einschnitt: Seit Mitte 2012 erschien das Blatt nur mehr fünf- statt sechsmal pro Woche - die Samstagsausgabe wurde gestrichen. Umso mehr überraschte der plötzliche Online-Auftritt der SVZ Anfang dieses Jahres die Branche. Aber da setzte Aistleitner offenbar noch Vertrauen in einen Fortbestand der Presseförderung.
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