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Ruf nach Selbstkontrolle für Zeitungen wird lauter

Nach der Veröffentlichung von höchst sensiblen Daten zum Fall Kampusch geht die Leseranwaltschaft in die Offensive.

Eigentlich ist ihr Ziel bloß, in vereinzelten Konfliktfällen vermittelnd einzugreifen. Nach der Veröffentlichung vertraulicher teils intimer Daten im "Fall Kampusch" durch die Gratiszeitung "Heute"trat am Sonntag die Leseranwaltschaft jedoch für eine grundsätzliche, offene Debatte zu Fragen der Medienethik ein. Ziel dieser "überfälligen Auseinandersetzung" müsse es sein, "eine wirkungsvolle, auf breiter Basis stehende, unabhängige Selbstkontrolle" der österreichischen Medien zu etablieren. Der vorliegende Fall mache "das Fehlen einer solchen, auch mit Sanktionsmöglichkeiten ausgestatteten Einrichtung, schmerzlich bewusst".



Die seit knapp einem Jahr tätige Leseranwaltschaft versteht sich als Mediator, der in konkreten Konfliktfällen zwischen Lesern und Redaktionen vermittelnd eingreift. Auf grundsätzliche Stellungnahmen verzichtet sie daher in der Regel. "Angesichts derart massiver Verstöße gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse bricht die Leseranwaltschaft mit diesem Prinzip", hieß es in einer Aussendung.



Aus Sicht der Leseranwaltschaft stellt "nicht nur die Veröffentlichung privater, ausschließlich den Voyeurismus befriedigender Details durch das Gratisblatt 'Heute', sondern auch die nachfolgende, scheinheilige Aufbereitung dieser Details durch andere Medien einen neuen Tiefpunkt der Berichterstattung dar".

(APA/ sl)

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