Ruf nach Autonomie: Streik beim slowenischen ...
 
Ruf nach Autonomie

Streik beim slowenischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Jerome / adobe.stock.com

Im slowenischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTV Slovenija (RTVS) hat am Montag ein ganztägiger Warnstreik stattgefunden, mit dem die Journalist:innen redaktionelle und institutionelle Autonomie sowie eine Entpolitisierung des Rundfunks fordern.

Das Programm wurde nicht gekürzt, doch stand in allen Informationssendungen im Fernsehen, Radio und Internet die Berichterstattung über die Streikgründe und die Rolle des öffentlichen Rundfunks im Vordergrund.



"Wir stehen heute hier, weil uns nichts anderes übrig blieb. Unsere Forderungen sind klar - wir kämpfen um den Bestand des öffentlichen Rundfunks", sagte die TV-Journalistin und Gewerkschaftskoordinatorin Helena Milinković bei einer Kundgebung vor der Rundfunkzentrale am Montag. Streikende Journalist:innen und andere RTVS-Mitarbeiter beklagen die "unerträgliche" Situation, für die sie die Geschäftsführung verantwortlich halten. Sie fordern, dass man ihnen ermöglicht, professionelle Standards bei ihrer Arbeit einzuhalten.

Druck vor allem in TV und Online

Insbesondere beim Fernsehen und dem Onlineportal beschweren sich die Journalist:innenen, dass sie seit einem Jahr politischem Druck ausgesetzt sind. Dafür verantwortlich seien die Geschäftsführung und der Programmrat, denen politische Voreingenommenheit zugunsten der Demokratischen Partei (SDS) des bei der Parlamentswahl im April abgewählten rechtskonservativen Premiers Janez Janša vorgeworfen wird. Der Ruf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei unter anderem durch Änderungen bei Personal und Programm, etwa die Streichung mehrerer Politiksendungen, untergraben worden.

Gefordert wird der Rücktritt der Unternehmensführung, allen voran Generaldirektor Andrej Grah Whatmough, TV-Chefredakteurin Jadranka Rebernik, der Leiter des Online-Nachrichtenportals Igor Pirkovič sowie der Programmratsvorsitzende Peter Gregorčič. Sie hätten politische Einflussnahme ermöglicht und die öffentliche Rundfunkanstalt zersetzt, lautet die Kritik.


"Das Fernsehen wurde vor den Wahlen von Leuten übernommen, die es in eine Propagandamaschine verwandelt haben. Das allein reicht schon aus, dass die Geschäftsführung gehen muss. Aber diese Führung hat noch etwas viel Schlimmeres getan - sie hat schlechtes Fernsehen gemacht", sagte der TV-Moderator Marcel Štefančič, dessen legendäre politische Talkschow "Studio City" nach über 30 Jahren eingestellt wurde. Dabei soll es sich Medienberichten zufolge um eine Sanktion wegen öffentlicher Kritik gehandelt haben, die der Moderator an der Situation im Medienhaus geübt hatte.

stats