Rückblick & Vorschau: Neue Player und Übernah...
 

Rückblick & Vorschau: Neue Player und Übernahmen

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Neben René Benko und Horst Pirker prägen Strukturelles und Allianzen den Printmarkt.

Dieser Artikel beleuchtet den Printmarkt und ist Teil der großen HORIZONT-Serie "Rückblick 2018 & Vorschau 2019", die in den folgenden Tagen vollständig Online verfügbar ist.

Es war wohl die Übernahme-Meldung der letzten Jahre schlechthin: Im November wurde bekannt, dass Immobilien- und Handelstycoon René Benko über die Österreich-Holding der Funke-Gruppe bei Kurier und Kronen Zeitung einsteigt. Konkret hält die Signa – vorbehaltlich einer Prüfung der BWB – 49 Prozent bei der WAZ Ausland Holding, die wiederum 50 Prozent an der Krone und dem Kurier hält. Benko begründete seinen Einstieg bei der Krone- und Kurier-Beteiligungsgesellschaft mit seiner Strategie, „einer der führenden Multichannel-Anbieter in Europa zu werden zu wollen. Nicht zum Einstieg der Signa äußern wollte sich Krone-Miteigentümer und Herausgeber Christoph Dichand, der 12,5 Prozent hält. Die Frage, was Benko nun mit diesen Anteilen vorhat, bleibt offen. Die Szenarien reichen von medienpolitischem Einfluss bis hin zu Überlegungen, die Medien zur Bekanntmachung seiner digitalen Retail-Plattformen zu nutzen, ebenso könnten Abonnenten-Daten von Interesse sein. 2019 werden erste Schritte wohl konkreter werden.

Vertieftere Möglichkeiten könnte Benko aber auch dann erhalten, wenn einer der Dichand-Erben seinen Anteil verkauft. Ende September erst wurde, acht Jahre nach dem Tod des legendären Kronen-Zeitung-Gründers Hans Dichand, dessen Verlassenschaftsverfahren geregelt. Helga Dichand und ihre drei Kinder Michael, Johanna und Christoph haben damit „im Erbwege zu gleichen Teilen“ den 50-Prozent-Anteil Dichands an der Kronen Zeitung übernommen. Die vier Erben halten damit je 12,5 Prozent an Österreichs größter Zeitung.

Eine Neuordnung erlebte auch die Verlagsgruppe News. Nicht nur, dass diese seit Ende Juni unter dem Firmenwortlaut „VGN Medien Holding“ firmiert; im Jänner wurden zudem bekannt, dass Horst Pirker, der bereits seit 2016 56 Prozent an der Verlagsgruppe News vom deutschen Konzern G+J erworben hatte, die Option für die Kurier-Anteile (25,3 Prozent) an der Verlagsgruppe gezogen habe. Pirker wollte sich damals nicht dazu äußern und bestätigte dies erst im Juli gegenüber den Salzburger Nachrichten. Seinen Aussagen zufolge liefen aber auch „Gespräche darüber, den Kurier wieder als Gesellschafter aufzunehmen“. Pirker hält seitdem 75 Prozent an der VGN, die Familie Fellner die restlichen 25 Prozent. 

Gegenseitige Klagdrohungen
In die nächste Runde ging 2018 der Clinch zwischen Österreich und Heute. Seit ihrem Bestehen wetteifern die beiden Gratistitel darum, wer in den Wiener Öffis und der unmittelbaren Umgebung seine Tageszeitung per Entnahmeständer verbreiten darf. Österreich kritisierte dabei stets die Vereinbarung von Heute mit den Wiener Linien. Ausgangspunkt der aktuellen Auseinandersetzung ist ein Vergleich zwischen den Wiener Linien und Österreich, der eine etwaige Diskriminierung bei der Standortfrage der Boxen ausschließt. Nachdem die BWB diesen Vergleich am 5. Oktober gegenüber der Austria Presseagentur APA erstmalig bestätigte, kam es rasch zu gegenseitigen Klagdrohungen. So brachten Heute und Eva Dichand laut einer Aussendung rechtliche Schritte wegen Ehrenbeleidigung, unlauteren Wettbewerbs und Kreditschädigung gegen Österreich ein. Fellner Gratiszeitung konterte mit der Ankündigung von Klagen gegen Heute.

Druck durch Papier und Vertrieb
Den Markt an sich unter Druck setzten veränderte Rahmenbedingungen. Erstens die stark steigenden Papierpreise: Zeitungspapier hat sich laut dem deutschen Informationsportal Euwid seit Jahresanfang um deutlich mehr als zehn Prozent verteuert. Gründe hierfür sind einerseits, dass die Papierindustrie Kapazitäten bei grafischen Papieren abgebaut habe, andererseits eine Teuerung bei den Rohstoffen sowie eine steigende Nachfrage nach Zellstoff in China. Weitere Preissteigerungen für 2019 wurden bereits angekündigt. Neben den gestiegenen Papierpreisen stellte jedoch auch zweitens die Tatsache, dass Morawa im Juni mitteilte, sein Tochterunternehmen Morawa Pressevertrieb mit Jahresende 2018 einzustellen zu wollen, die Verlage vor große Herausforderungen. Begründet wurde der Schritt mit „stark rückläufigen Verkäufen von Zeitungen und Zeitschriften im Einzelhandel“. Befürchtungen in Bezug auf eine zunehmende Monopolisierung in der Branche wurden spürbar. Zudem kursierten Gerüchte, wonach andere Medienhäuser beim Morawa Pressevertrieb einsteigen. Die Vertriebstätigkeit wird nun vom Salzburger Pressegroßvertrieb PGV übernommen. 

Lange wurde in der Branche über eine Vermarktungsallianz für digitale Werbung als Gegengewicht zur Dominanz von Google, Facebook und Co gesprochen. Seit den Österreichischen Medientagen ist Bewegung in die Sache gekommen: Dort hatte Matthias Stöcher, VÖZ-Board „Digital Medien“, erläutert, dass man 13 Medien einen entsprechenden Letter of Intent übermittelt habe. Die Frist für die Unterzeichnung endete am 30. September. Unterzeichnet wurde dieser schließlich von 12 Medien. Mit vier weiteren Unternehmen war man zudem zuletzt im Gespräch. Aktuell wird ein Business Case „auf Basis der aktuellen Mengengerüste der teilnehmenden Medien“ erstellt. Dabei steht auch für 2019 die Frage nach einem gemeinsamen Login im Fokus.

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