Rückblick & Vorschau: Eine Branche in Bewegun...
 

Rückblick & Vorschau: Eine Branche in Bewegung

zhu difeng / AdobeStock

Wolfgang Fellner will bundesweite Privatradiolizenz, DAB+ geht auf Schiene.

Dieser Artikel beleuchtet den Radiosendermarkt und ist Teil der großen HORIZONT-Serie "Rückblick 2018 & Vorschau 2019", die in den folgenden Tagen vollständig Online verfügbar ist.

Schon Anfang des Jahres hat sich Wolfgang Fellner mit Radio Ö24 um eine bundesweite Privatradiolizenz beworben. Vor Ostern hat die Komm­Austria Wolfgang Fellners Antrag per Bescheid zurückgewiesen. Fellner erhob gegen den Entscheid jedoch Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Gegenüber HORIZONT sagte er dazu, dass das derzeitige gültige Gesetz schlicht „kafkaesk“ sei. Für eine bundesweite Radiolizenz braucht es derzeit einerseits so viele Regionalfrequenzen, dass 60 Prozent der Bevölkerung erreicht werden können, sowie den Nachweis, dass man schon zwei Jahre auf Sendung ist. Nun schrieb die KommAustria auf Antrag eines Marktteilnehmers hin nach nur einem Jahr erneut eine bundesweite Privatradiozulassung aus. Bisher verfügt nur Kronehit über eine bundesweite Privatradiolizenz. Der Radiosender ist mit rund sechs Millionen Euro Gewinn pro Jahr eines der hochprofitablen österreichischen Medienunternehmen. Ein weiterer bundesweiter Privatradioplayer würde neue Bewegung in den Markt bringen.

Privatsender versuchen sich an Innovationen
Das brachten vor 20 Jahren die Privatsender an sich, die heuer ein rundes Jubiläum feierten. Am 1. April 1998 schlug dessen offizielle Geburtsstunde, als 15 private Radiosender ihren Betrieb aufnahmen. Schon 1995 waren die Antenne Steiermark und das damalige Salzburger Radio Melody on air gegangen. Heute versucht sich die Branche mit viel Innovationskraft. So wird von den österreichischen Privatradios bereits seit Jahren die Einführung des Standards „DAB +“ vorangetrieben. Anfang August erteilte die KommAustria schließlich erstmals eine Lizenz für eine bundesweite, so genannte Multiplex-Plattform für digitalen terrestrischen Hörfunk im Standard DAB+. „Hier wurde ein aktives Zeichen für die Weiterentwicklung des Radios in Österreich gesetzt, denn mit UKW-Radio wäre die Schaffung von österreichweiten Radioprogrammen frequenztechnisch nicht mehr möglich gewesen“, betonte Wolfgang Struber, Vorsitzender des Vereins Digitalradio Österreich damals gegenüber HORIZONT. Aufgebaut wird das Sendernetz, mit dem in der letzten Ausbaustufe 83 Prozent der österreichischen Bevölkerung die Programme empfangen können sollen, von der zur ORF-Sendetochter ORS gehörigen ORS comm. Starten soll der Aufbau im Frühjahr 2019 im Ballungsraum Wien, ab Herbst 2019 folgt der Ausbau gen Süden und Westen. Ob dieser Termin auch tatsächlich eingehalten werden kann, war zuletzt noch davon abhängig, ob der Fachverband der Telekommunikations- und Rundfunkunternehmungen der WKO im 2013 von diesem eingeleiteten Verhandlungsverfahren eine Einigung mit der Genossenschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger (AKM) und der austro mechana über die Bemessung der Urheberentgelte erzielen kann. Im November kam es schließlich zu einem Urteil der Schiedsstelle.

5G als Weg der Zukunft
Ganz unumstritten ist der Standard DAB+ allerdings nicht und so wird die Frage, ob man nicht besser gleich in 5G investieren solle, die Branche auch weiterhin spalten. Befürworter von 5G verweisen darauf, dass das mobile Internet einen guten Teil der Audioinhalte wird abbilden können. Andere wiederum meinen jedoch, dass das, was 5G für den Rundfunk tun könne, noch gar nicht geklärt sei. Und außerdem sei DAB+ schon da. Welcher Standard sich tatsächlich durchsetzen wird, wird sich also erst weisen müssen. Mitte September veröffentlichte die Telekom-Control-Kommission (TKK) jedenfalls die Ausschreibungsunterlage für die ersten 5G-Frequenzen. Die Versteigerung für die Frequenzen im Bereich 3,4 bis 3,8 GHz wird voraussichtlich im Februar 2019 stattfinden – und damit auch dem Radio den Weg weisen.

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