Rückblick & Vorschau: Bewegte Fernsehzeiten
 

Rückblick & Vorschau: Bewegte Fernsehzeiten

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Der ORF im Kontext von Finanzierung und Auftrag, Private gehen neue Wege.

Dieser Artikel beleuchtet den TV-Sendermarkt und ist Teil der großen HORIZONT-Serie "Rückblick 2018 & Vorschau 2019", die in den folgenden Tagen vollständig Online verfügbar ist.

Anfang des Jahres wurde in der Schweiz über die Beibehaltung der Rundfunkgebühren abgestimmt. Im Zuge dessen wurde erneut die Gebührenfinanzierung des ORF diskutiert. Nachdem sich die Schweizer klar für den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entschieden hatten, konnte ein Dominoeffekt abgewendet werden, das Thema Gebühren blieb dennoch weiterhin auf der Agenda. So spricht sich etwa Vizekanzler Heinz-Christian Strache für das Aus der „ORF-GIS-Zwangsgebühren“ aus. Nach wie vor diskutiert wird die Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrags und wie viel Geld der ORF hierfür benötigt. Weiterhin diskutiert wird auch, wie viele Kanäle und Angebote er dafür betreibt und mit welchen Inhalten diese gefüllt werden. Maßgeblich hierfür wird das neue ORF-Gesetz, das noch auf sich warten lässt. „Die Relevanz des Öffentlich-Rechtlichen soll erhalten bleiben“, sagte Medienminister Blümel gegenüber HORIZONT. „Aber er muss sich an die geänderten Bedürfnisse der Medienkonsumenten anpassen.“ Derzeit habe er nicht die gesetzlichen Möglichkeiten, dem nachzukommen. Zugleich müsse aber darauf geachtet werden, dass der ORF nicht marktverzerrend agiere.

Ende Mai wurden im ORF jedenfalls die neuen ORF-Channelmanager (Lisa Totzauer und Alexander Hofer) und Chefredakteure (Wolfgang Geier und Matthias Schrom-Kux) bestellt. In einem Statement stellte Generaldirektor Alexander Wrabetz die Änderungen in den Zusammenhang etwa des Radios und der Spartensender ORF III und ORF Sport +, wo das Channelmanagement „seit Jahren erfolgreich praktiziert“ werde. Mit der neuen Struktur schaffe man „die Voraussetzungen, unserem Publikum das vielfältige öffentlich-rechtliche Angebot aus Information, Kultur, Sport und österreichischer Unterhaltung noch zielorientierter und umfassender präsentieren zu können“, so Wrabetz. Im Fokus des ORF-Programms für 2019 steht das Ziel, ORF eins und ORF 2 noch klarer unterscheidbar zu machen. „Die neue Channel-Struktur fokussiert unsere neuen und bewährten Angebote noch zielgruppengerechter“, erläuterte Wrabetz dazu. 

Neue Privat-Möglichkeiten
Bei den Privatsendern jubelte ProSiebenSat.1 Puls 4 über ein Rekordjahr mit Quotenhoch, in der Zielgruppe der 12-49-Jährigen verweist die Gruppe auf 28,8 Prozent Marktanteil in diesem Jahr. Laut Aussendung schließe man das erfolgreichste Jahr der Sendergeschichte. Dabei sei auch die Integration von ATV nach dem Zukauf im Vorjahr gut verlaufen, gemeinsam kommen beide Sender in der „werberelvanten Zielgruppe“ auf 5,5 Prozent Marktanteil. Wie auch Marktbegleiter IP Österreich verweisen die Sender auf die neuen Möglichkeiten durch Addressable TV – und damit die Verschmelzung von klassischem Fernsehen mit den Möglichkeiten des digitalen Targetings. Nachdem erste Kampagnenversuche in diesem Jahr in der Branche Einzug hielten, wird Addressable TV für Fernsehanstalten als auch Werbekunden für 2019 eines der prägenden Themen werden.

Spannend bleibt die Frage, wie die durchaus ambivalent gesehene Fragmentierung des Rechtemarkts weiter vonstattengehen wird. Pay-TV-Sender Sky sicherte sich beginnend mit diesem Jahr beispielsweise umfassende Bundesliga-Rechte mit Sublizenzen an ORF, A1 TV, oe24.TV und Laola1 – eine Premiere am österreichischen TV-Markt.

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