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RTL tauscht "Schwiegertochter gesucht"-Team aus, Medienhüter wollen prüfen

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Vera Int-Veen
Vera Int-Veen

RTL und die Produktionsfirma haben sich zu den Vorwürfen rund um "Schwiegertochter gesucht" geäußert. An ein Aus der Sendung denkt man in Köln offenbar nicht.

RTL wird auch in Zukunft "Schwiegertochter gesucht" zeigen. Das geht aus der Erklärung des Senders hervor, die man am Freitagnachmittag gemeinsam mit der verantwortlichen Produktionsfirma Warner Bros. veröffentlichte. Hintergrund: Satiriker Jan Böhmermann hatte einen falschen Kandidaten in die Kuppelshow gebracht und das RTL-Team dabei mit versteckter Kamera gefilmt. Dabei wurde klar, dass man den Teilnehmern an der Sendung für bis zu 30 Drehtage nur 150 Euro zahlt und sie zudem gestellte Sätze in die Kamera sprechen lässt. Außerdem müssen die Kandidaten eidesstattlich versichern, dass sie nicht geistig behindert sind. Was RTL sonst noch mit den Kandidaten von "Schwiegertochter gesucht" macht, lesen Sie hier

In ihrer Stellungnahme räumen Sender und Produktionsfirma nun ein, Fehler gemacht zu haben. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger sagt: "Bei der Produktion einer Folge von 'Schwiegertochter gesucht' sind Fehler im Bereich der redaktionellen Sorgfaltspflicht gemacht worden. Dazu stehen wir gemeinsam mit der Produktionsfirma Warner." An ein Aus der Sendung denkt man aufgrund des Skandals aber offenbar nicht - die Produktion der aktuellen Staffel soll nun von einem anderen Team realisiert werden. Man wolle dafür sorgen, dass sich die Fehler nicht wiederholen. 

René Jamm, Geschäftsführer bei Warner Bros. ITVP Deutschland erklärt: "Respekt an Herr Böhmermann. Wir sind ihm komplett auf den Leim gegangen, denn er hat uns einen sympathischen Schwiegersohn präsentiert. Wir haben uns in ihn 'verliebt' und in diesem Fall gleichzeitig unsere redaktionelle Aufsichtspflicht missachtet. Wir werden dafür die Verantwortung übernehmen und inhaltlich sowie personell umstrukturieren".

Zudem äußern sich RTL und Warner Bros. in ihrer Stellungnahme auch zu einzelnen Kritikpunkten Böhmermanns. Dass die Protagonisten nur 150 Euro netto für den Dreh erhalten, sei normal. "Jedem Arbeitslosen - in diesem Fall haben die beiden Schauspieler angegeben, arbeitslos zu sein - würden bei einer höheren Summe die Bezüge wie das Arbeitslosengeld gestrichen." Das Geld sei zudem nicht die Motivation der Kandidaten, die an der Sendung teilnehmen. 

Plüschtiere waren nur "Gastgeschenke"

Dass eine Mitarbeiterin dem falschen Vater empfahl, auf einem Fragebogen anzukreuzen, er trinke keinen Alkohol, obwohl das offensichtlich nicht so war, bezeichnet man als falsch. "Das war eindeutig ein Fehler". Dass das Produktionsteam die Wohnung mit Plüschtieren dekorierte, um den Kandidaten noch lächerlicher zu machen, und ihm ein pinkes "Liebe Ist"-Puzzle schenkte, dass er fertigstellen musste, kommentieren die Verantwortlichen lapidar: "Wer gern Schildkröten sammelt, bekommt diese oft auch geschenkt. Ob Schildkröten oder Puzzle, es handelt sich um Gastgeschenke, nicht um gezielte Manipulation oder Verdrehung von Tatsachen."

Gestellte Sätze waren "Fehler"

Dass man dem Kandidaten aufforderte einen bestimmten Satz zu sagen ("Manchmal geh' ich in die Zoohandlung und schaue mir die echten Schildkröten an."), bezeichnet RTL nun als "genau genommen falsch". Dass man nicht auf die Ausweise der beiden Kandidaten bestanden habe, sei ebenfalls ein Fehler gewesen. "Andere Dokumente wie Mietvertrag oder eidesstattliche Erklärung lagen in gefälschter Ausführung vor."

Kurios wird es beim Vertrag: Jan Böhmermann hatte im "Neo Magazin Royale" RTL vorgeworfen, dass die Fake-Kandidaten den unterschriebenen Vertrag erst zwei Monate nach der Unterzeichnung erhalten hätten. Immerhin hier hat RTL eine schlüssige Argumentation: "Der bereits deutlich früher durch die Produktion postalisch verschickte Vertrag kam immer wieder zurück, da die beiden Schauspieler in der von ihnen angemieteten Wohnung nach dem Dreh nicht gemeldet und somit auch nicht erreichbar waren." Das Team rund um Böhmermann hatte für den Fake extra eine Wohnung angemietet.

"Das erinnert stark an Haustürgeschäfte"

Inzwischen hat sich auch die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) im Fall "Verafake" zu Wort gemeldet. NLM-Direktor Andreas Fischer erklärte gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de, dass man die Verträge angefordert habe, die die Produktionsfirma den Kandidaten der Sendung zur Unterschrift vorlegt. Zudem soll überprüft werden, inwieweit RTL die Produktionsfirma in ihrer Arbeit überwacht. "Die Art und Weise, wie die Produktionsfirma Verträge mit den Kandidaten abschließt und sie dabei bedrängt, erinnert stark an Haustürgeschäfte", so der NLM-Direktor gegenüber epd Medien
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