RTL: Keine Angst vor Online
 

RTL: Keine Angst vor Online

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Schäferkordt: Nutzung des linearen Fernsehens nimmt nicht ab - Gottschalk gehört "auf große Bühne"

RTL-Chefin Anke Schäferkordt hat wenig Angst vor einer Verschiebung der Werbeerlöse von TV zu Online. "Allen düsteren Voraussagen zum Trotz sehen wir aktuell wenig Verschiebung", sagte sie im Interview mit der "Welt am Sonntag". "Auch die Werbewirkungsforschung besagt, dass das Fernsehen für einen schnellen Reichweitenaufbau unumgänglich ist. Insofern sind wir zwar aufmerksam, aber keinesfalls in Hektik, was die künftige Entwicklung der Werbeumsätze betrifft."

Nutzung stabil

Die Nutzung des linearen Fernsehens nehme bisher nicht ab, "das heißt, die Sehdauer bleibt grundsätzlich auf hohem Niveau", so Schäferkordt, die RTL Deutschland leitet und gemeinsam mit Guillaume de Posch als Geschäftsführerin der RTL Group fungiert. Sie äußerte Skepsis, das Internet "als Medium im klassischen Sinne" zu betrachten: "Wenn die Menschen ihren Computer für Online-Banking nutzen oder Mails schreiben, hat das nichts mit klassischer Mediennutzung zu tun. Trotzdem müssen wir natürlich die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind." Das äußert sich laut Schäferkordt so: Früher habe man "nur" Fernsehen gemacht, heute arbeite man jeden Tag daran, Deutschlands erfolgreichster Bewegtbildanbieter zu sein – "egal auf welcher Plattform". Und: "Wir passen unsere Inhalte an, sodass es langfristig nicht entscheidend ist, wo und wie und auf welchem Endgerät wir unser Publikum erreichen".

"Normalisierung" der Quoten

Für RTL selbst ortet die Senderchefin eine "Normalisierung" der Quoten.  Damit sei nach zwei Rekordjahren "eingetreten, was wir selbst angekündigt hatten". Marktführer will RTL in Deutschland bleiben, und dabei auch einen ordentlichen Vorsprung halten, wie Schäferkordt sagte. "Dennoch ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass die Nummer eins hierzulande auf Dauer so luxuriös dastehen wird, wie es derzeit der Fall ist." Im Zuge der Digitalisierung schreite die Fragmentierung des Marktes durch eine Flut neuer Angebote immer weiter voran. "Wenn TV-Zuschauer je nach Empfangsart die Wahl haben zwischen weit über 100 Kanälen, ist es schlicht unrealistisch, dass mehrere Sender dauerhaft deutlich zweistellige Marktanteile einfahren."

Gottschalk für jung und alt

Eine Überraschung bescherte Schäferkordt der Branche mit der Ankündigung, Thomas Gottschalk als Juror zu "Deutschland sucht den Superstar" zu holen, nachdem dieser mit seinem Talk grandios gescheitert war. Gottschalk sei "einer der ganz wenigen Entertainer, die es schaffen, ein Riesenpublikum zu begeistern", sagte die RTL-Chefin. "Kinder lieben Thomas Gottschalk genauso wie ältere Menschen. Deshalb gehört er für mich nicht in ein enges Studio ohne Publikum, sondern auf die große Bühne."
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