Romy 2018 in politischem Gewand
 
ORF/Roman Zach-Kiesling
"Romy 2018 - Der Österreichische Film und Fernsehpreis", Publikumslieblinge, Stars, Glanz und Glamour in der Wiener Hofburg. Die begehrten Trophäen, deren Gestalt der Schauspiel-Schönheit Romy Schneider nachempfunden ist, werden heuer zum 29. Mal vergeben.
Die glanzvolle Gala wird - bereits zum dritten Mal - von Katharina Strasser und Andi Knoll moderiert.Im Bild: Andi Knoll, Katharina Strasser SENDUNG: ORF2 - SA - 07.04.2018 - 21:10 UHR. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich im Zusammenhang mit oben genannter Sendung oder Veranstaltung des ORF bei Urhebernennung. Foto: ORF/Roman Zach-Kiesling. Anderweitige Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606
"Romy 2018 - Der Österreichische Film und Fernsehpreis", Publikumslieblinge, Stars, Glanz und Glamour in der Wiener Hofburg. Die begehrten Trophäen, deren Gestalt der Schauspiel-Schönheit Romy Schneider nachempfunden ist, werden heuer zum 29. Mal vergeben. Die glanzvolle Gala wird - bereits zum dritten Mal - von Katharina Strasser und Andi Knoll moderiert.Im Bild: Andi Knoll, Katharina Strasser SENDUNG: ORF2 - SA - 07.04.2018 - 21:10 UHR. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich im Zusammenhang mit oben genannter Sendung oder Veranstaltung des ORF bei Urhebernennung. Foto: ORF/Roman Zach-Kiesling. Anderweitige Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606

Begleitend zur Verleihung der „Romy“-TV-Preise lieferte Jan Böhmermann verbale Angriffe auf Österreichs Politik, Helmut Brandstätter brachte einen Seitenhieb auf die ORF-Spitze, Nina Proll und Iris Berben äußerten sich zu #metoo.

Die Politik erhielt bei den "Romy"-TV-Preise am Samstagabend zwar keine Ehrung, war aber dennoch omnipräsent – mit Seitenhieben auf die #metoo-Debatte ebenfalls wie auf die heimische Medienpolitik.

Brandstätter über den ORF

"Kurier"-Herausgeber Helmut Brandstätter persiflierte bekannte Regierungs-Politiker-Phrasen und konstatierte: Vielen wollten beim "ORF mitreden", auch wenn das im ORF-Gesetz gar nicht vorgesehen sei. "Im ORF-Gesetz steht allerdings auch nicht, dass jemand vom ORF bei der Regierung anruft, was er machen soll und wen er wo hinsetzen soll", meinte Brandstätter in Richtung ORF-Führung. "Journalismus lässt sich nicht kontrollieren, das ist unsere Grundlage", erklärte der "Kurier"-Chef und plädierte für einen "anständigen Umgang miteinander, mit Respekt - mein Gott, das wird hoffentlich in diesem Land möglich sein". Die Romy in der Kategorie Information überreiche Brandstetter an "Zeit im Bild"-Moderatorin Nadja Bernhard. In dieser Kategorie waren heuer insgesamt fünf Frauen nominiert - das fand sie eine "super Botschaft".

Berben und Proll über #metoo

Schauspielerin Nina Proll hatte mit ihrer Botschaft in der "#metoo"-Debatte ordentlich angeeckt. Für "Anna Fucking Molnar" erhielt sie die Romy in der Kategorie "Beliebteste Schauspielerin Kino-/TV-Film". An ihrer Stelle nahm ihr Gatte Gregor Bloeb die Statue und verlas ihr Statement. "Ich bin mir bewusst, dass ich im vergangenen Jahr viel Angriffsfläche geboten habe", erklärte sie darin. "Ja, ich habe mir erlaubt, eine eigene Meinung zu haben, auch wenn die in meiner Branche nicht populär war." Es sei ihre "Pflicht als Künstlerin, Themen aufzugreifen", und sie habe ihre Meinung vertreten. Gleichberechtigung bedeute auch "gleiche Verpflichtung", betonte Proll. Sie wünsche sich, dass "wir wieder lernen, unterschiedliche Meinungen zu respektieren".

Auf "#metoo" bezog sich auch Iris Berben, die mit einer Platin-"Romy" für ihr Lebenswerk gewürdigt und vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert wurde. "Wir Künstler haben eine Stimme, und die sollten wir nutzen", rief sie zuerst zum Kampf für Demokratie und gegen politischen Machtmissbrauch auf. Der Beruf des Schauspielers habe zuletzt "Risse bekommen" durch eine "Debatte über einen anderen Machtmissbrauch, den sexualisierten Machtmissbrauch". Sie wolle keinen Strich unter diese Debatte ziehen, mahnte aber dazu, sie "mit Pragmatismus und gesundem Menschenverstand führen": "Ich wehre mich dagegen, eine ganze Branche per se in Misskredit zu bringen."

Böhmermann über Populisten

Jan Böhmermann empfing die goldene Statue in der Kategorie Show/Unterhaltung. Seine Nominierung hatte er mit einer Social-Media-Kampagne quittiert: Er werde den Preis in einer "glitzernden Burka" entgegennehmen und damit gegen das österreichische Verhüllungsverbot verstoßen, hatte er etwa angekündigt.

Gekleidet war er dann aber einer Gala würdig - und unverhüllt. "Ich habe Sie angelogen", entschuldigte er sich für sein "Internet-Propaganda-Video": "Ich habe Ihnen das erzählt, was Sie hören wollen." Das österreichische Publikum sei von einem Populisten hinters Licht geführt worden, "wahrscheinlich zum ersten Mal in der Geschichte", witzelte Böhmermann und wurde dann deutlich in Richtung ÖVP-FPÖ-Regierung. Im Publikum sitze ja auch Medienminister Gernot Blümel (ÖVP), "er ist 18 Jahre alt", und der werde am heutigen Abend den "Channel Manager des ORF persönlich auswählen": "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Österreich ist gerettet."

Böhmermann, nach eigenen Angaben "ein Österreicher gefangen im Körper eines Deutschen", bedankte sich aber "ganz im Ernst" für die Romy. Er freue sich über die Ehrung eines Landes, das "vom Zweiten Weltkrieg und vom Nationalsozialismus so unberührt ist wie Österreich".

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