Reichweiten statt Cash
 

Reichweiten statt Cash

Mit dem Titel des Radio-Arbeitskreises waren die sechs Teilnehmer unter der Moderation von RTR-Geschäftsführer Alfred Grinschgl nicht glücklich, ja schlichtweg irritiert.

Mit dem Titel des Radio-Arbeitskreises "Reichweiten statt Cash" der 8. Österreichischen Medientage waren die sechs Teilnehmer unter der Moderation von RTR-Geschäftsführer Alfred Grinschgl nicht glücklich, ja schlichtweg irritiert.
Arno Müller, Radio 104,6 RTL Berlin verglich den heimischen Radiogigant Ö3 mit einem Panzer, gegen den die anderen Privaten ("schlecht ausgerüstete Indianer") keine Chance hätten. "Österreich ist Ö3, es gibt hier kein duales System", so Müller, dessen Bildsprache die Diskussion in der Folge dominierte.


Elke Schneiderbanger, Radio NRW Oberhausen, hingegen führte indessen vor, wie es dem Nordrheinwestphälischen Lokalradioverbund (44 Stationen)gelang, durch Harmonisierung der Formate und Bereitstellung von News und Comedy-Elementen, dem Platzhirschen WDR ernsthafte Konkurrenz zu machen.


Mit den verschiedensten Varianten des unglücklichen Arbeitskreis-Titels liess Ö3-Chef Bogdan Roscic aufhorchen: Reichweite und Cash (Monopol, also Ö3, zumindest früher), Reichweite durch Cash (Krone Hitradio) aber auch Reichweite ohne Cash sei möglich (eventuell der Sender Radio Arabella). Roscic´s Fazit: "Die Elefanten werden den Markt beherschen, nicht unbedingt im Sinne des Radiohörers".


Bernd Sebor, Krone Hitradio, ließ den österreichischen Weg zum Privatradio Revue passieren und riet Privatradiomachern vor allem zu einem: "der Geduld, Dinge auszusitzen", denn: "Kein Cash ohne Reichweite", so Sebor.


Stephan Schwenk, the Radio Group, amüsierte die Runde mit einer Geschichte über einen Nürnberger Ein-Mann-Sender, der "keine Werbung macht, 4000 Hörer im Jahr hat, auf 2 Quadratmetern moderiert und trotzdem Cash macht". Unrealistisch sei es, Schwenk zufolge, sich immer mit Ö3 zu vergleichen, man müsse die Verhältnismäßigkeit des Marktes genau analysieren, denn: "Mit Cash ausgeben für Reichweiten stößt man schnell auf die Grenzen des Marktes".


Für Manfred Friesinger, Radio Energy ginge es letztlich immer nur um Qualität, bevor man an Reichweiten und Cash denken dürfe.


Peter Bartsch, Chef von Radio Arabella, das kommenden Dezember on air gehen wird, kündigte unterdessen siegessicher an: "Wir werden uns von hinten anschleichen und uns zwischen Ö3 und Ö2 drängen. Jeder Panzer rostet schließlich einmal".

(cc)

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