Regionalität und Kontinuität als Print-Treibe...
 

Regionalität und Kontinuität als Print-Treiber

Johannes Brunnbauer

Der Kampf um die werbewirksame Aufmerksamkeit verhärtet sich. Wie sich das gedurckte Magazin dabei dennoch rechnen kann, hat eine vielfältige Expertenrunde bei den Österreichischen Medientagen 2019 veranschaulicht.

"Sorgenkinder und Wunderknaben": Der Panel-Titel war bei der Diskussion Programm - wobei doch die Wunderknaben-Storys die Überhand gewannen. Für Marlene Auer, Chefredakteurin der Kurier-freizeit ging es in für Magazine härter werdenden Zeiten darum, den Leser auf allen Plattformen abzuholen. Die freizeit sah sie dabei als Teil eines umfassenden Portfolios aus Tageszeitung, Magazine und Online. Auch ein neu gestarteter Podcast sei von den Nutzern bislang gut  angenommen worden.

Das Wochenende wolle man indes weiter forcieren, denn: "Hier funktionieren Lebensthemen schon sehr gut. Da haben Leute Zeit, Print in die Hand zu nehmen." Auch profil-Herausgeber und Chefredakteur Christian Rainer bevorzugt die Sonntags- gegenüber der Montags-Zustellung, am Wochenende sei schließlich "Zeit und Muße" zum vertiefenden Lesen.

Johannes Brunnbauer

Näher dran an der Aufmerksamkeit

Die Regionalität als zentralen USP nannte wiederum Maria Jelenko-Benedikt, Chefredakteurin Print und Online der Regionalmedien Austria: "Wir greifen auf das zurück, was Menschen in ihrer Lebensrealität betrifft". User generated Content in Form von sogenannten Regionauten sei ebenfalls zentraler Strategie-Bestandteil. Dabei werde man zudem einem "gesellschaftspolitischem Anspruch" gerecht: "Wir berichten nicht nur, sondern sehen uns auch an, was wir konkret tun können, etwa beim Thema Lehrlinge."

Orientierung bieten wollte auch Maggie Childs mit ihrem englischsprachigen Magazin Metropol. "Unser Content ist hyperlocal, die englischsprachige Community braucht keinen zweiten Economist, sondern ein Magazin das ihnen erklärt, was um sie herum passiert." Regionalität spiele auch im redaktionellen Konzept von Metropol eine bedeutende Rolle. Dass sie eine anspruchsvolle Zielgruppe, die reich an "Early Adopters" sei, bediene, sei ihr klar. Die ursprüngliche Heimat für ein ungewisses neues Leben in einem anderen Land zu verlassen, erfordere schließlich einiges an Mut.

Johannes Brunnbauer

Dem Konzept Regionalität auf Hochglanz haben sich die Bundeländerinnen verschrieben. Herausgeberin Uschi Pöttler-Fellner hält es hier "für wichtig, sich zu spezialisieren und Menschen direkt abzuholen". Außerdem setze man stark auf Events für Leserbindung - um hier wiederum, die Lebensrealität der Leserinnen abzubilden. Das Thema Brustkrebs etwa betreffe viele, nannte sie ein Beispiel. Und: "Man kann Leser glücklich machen, indem man flächendeckend aufklärt und Hilfe in puncto Vorsorge anbietet. Wichtig ist, die Menschen dort abzuholen, wo es Probleme gibt. Wir konzentrieren uns auf die Welt des Schönen, aber es ist auch wichtig, diese Themen ernst zu nehmen".

Wertvoller Print-Content

Für Andreas Kornhofer, Herausgeber und Geschäftsführer von Red Bull Media House Publishing, lassen sich Print-Magazine auch weiter mit Qualität verkaufen: "Wenn man in unserem digitalen Zeitalter schon Papier bedruckt, dann mit außergewöhnlichen Themen". Mit Servus in Stadt und Land setze man zudem auf den regionalen Aspekt und zeige, dass man das Thema Heimat auf  "weltoffen interpretieren kann".

Johannes Brunnbauer

Offen gab sich Auer auch bei der Verbindung von Print und Online. Redakteure sollten beide Bereiche grundlegend beherrschen. Auch für Online brauche es Qualität, betonte ebenso Kornhofer. Schließlich zahlten sowohl Print als auch Digital in das Image einer Medien-Marke ein. Pöttler-Fellner wiederum sah mit Print und Online separate Zielgruppen bedient. In puncto Werbung riet Childs, dem Nutzungsverhalten der Konsumenten zu folgen: "Werber werden immer Werbung machen müssen. Wir müssen uns in unserem Angebot danach richten, wie sie das Publikum erreichen können - egal auf welchem Kanal".

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