Regional-TV: Gemeinsam vermarkten
 

Regional-TV: Gemeinsam vermarkten

Initiative soll Ende September starten - Mittelfristig auch Programm- und Strukturharmonisierung geplant - Lammerhuber und Kobza begrüßen Initiative

Was die Privatradios vor 15 Jahren erfolgreich vorgemacht haben, wollen die regionalen Fernsehsender nun nachmachen: Eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft gründen und so national buchbare Werbeblöcke anbieten. Ende September soll das Projekt starten, am Dienstag wurden im Rahmen einer Pressekonferenz erste Einblicke gewährt. Wie viele TV-Sender sich im Endeffekt beteiligen werden, steht noch nicht fest, es sollen aber alle Bundesländer vertreten sein, hieß es.

Bevor die TV-Sender so erfolgreich sein werden wie ihre Radiokollegen mit der Vermarktungsgesellschaft RMS, liegt allerdings noch ein steiniger Weg vor den Initiatoren rund um Marcin Kotlowski, Geschäftsführer des Wiener Regionalsenders W24. "Es wird sicher nicht von Beginn an rasend funktionieren", meinte Mediaplaner Peter Lammerhuber, der dem Unterfangen dennoch "sehr zuversichtlich" gegenüber steht. Er rechnet mit einer Einspielzeit von zwei bis drei Jahren.

Um für die Werbebranche attraktiv sein zu können, brauche es nämlich eine - zumindest strukturelle - Harmonisierung der Programmangebote, so Lammerhuber. Werber bräuchten eine einheitlich buchbare Blockstruktur, sagte er bei der Pressekonferenz. Kotlowksi kündigte dementsprechend an, dass man Programme austauschen, sich Formate gegenseitig zur Verfügung stellen und einheitliche Programmflächen entwickeln werde, "so dass ein einheitliches Umfeld gewährt wird". Geplant ist etwa eine Art "Österreich-Bild", das bundesweit zwischen 20.00 und 21.00 Uhr auf den diversen beteiligten Regionalsendern zu sehen sein wird. Dies werde aber erst in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren realistisch sein, so Kotlowski.

Die Werbebranche begrüßt die Initiative jedenfalls, wie Rudi Kobza, Geschäftsführer der Lowe GGK, betonte. Bewegtbild gewinne für die Kreativbranche ohnehin an Bedeutung. Hinzu komme ein qualitativer Pluspunkt für die Regionalsender, dass sie nämlich den aktuellen Trend zum Regionalen bedienen und den "Wert der Heimat" repräsentieren. Mit dieser Kombination sei die Werbung über Regional TV eine sehr gute Ergänzung und Vertiefung zum nationalen Fernsehen, so Kobza.

Zur Untermauerung ihrer Bedeutung haben die Regionalsender von Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell eine Studie anfertigen lassen, bei der 15 Regional-Fernsehsender untersucht wurden. Mit Hilfe des Meinungsforschungsinstituts IFES wurden 2.000 Personen ab 15 Jahren befragt, mit dem Ergebnis dass knapp fünf Prozent von ihnen "heute oder gestern" wenigstens einen der abgefragten Sender gesehen haben. Das bedeutet eine Reichweite von rund 352.000 Personen.

Zieht man die Teletestdaten heran, zeigt sich laut Hausjell, dass die Regionalsender bundesweit über eine tägliche Nettoreichweite von 1,8 Prozent verfügen. Auf dieser Basis gemessen sehen täglich etwa 127.000 Menschen Programme auf heimischen Regionalsendern. Der Altersschnitt bei den Regionalsendern liegt nur gering unter dem von ORF 2 (62 Jahre), nämlich bei 60 Jahren.

(APA)
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