Redaktionsalltag: 12 Dinge, die wir 2021 nich...
 
Redaktionsalltag

12 Dinge, die wir 2021 nicht mehr lesen wollen

Clemes Schüssler/adobe.stock.com

Von den Schönsten dieser Welt, Vanillekipferln, dem Wunsch nach Vergessen und pdf-Umdrehern.

Ich habe mir bereits im letzten Jahr mit dieser Rubrik viele Freunde und mir selbst noch mehr Freude bereitet. Daher auch heuer: Der Redaktionsalltag ist voll von Anekdoten, Aussagen und Ansichten, die ob ihrer Skurrilität zum Schmunzeln anregen. Manchmal sind es einfach auch immer wiederkehrende Floskeln, klassisches Bullshit-Bingo oder wahre Null-Aussage-Sätze, die schlussendlich doch irgendwie erheitern. Eine Auswahl, die nicht bierernst zu nehmen ist – und doch würden wir uns freuen, manches davon 2021 eventuell nicht mehr lesen zu müssen.


„Anbei schicke ich die Pressemitteilung der neu gegründeten Firma (...), wie sie bereits in Medium (...) publiziert wurde. Wir würden uns über eine Mitteilung freuen!“
Mitteilung: Wir freuen uns sowohl über die zeitliche Benachteiligung dieser großartigen Nachricht gegenüber anderen Medien als auch über den für alle Empfänger im Mail ersichtlichen Presseverteiler.

„So wurden für befreundete Journalisten im D-A-CH-Raum und Kunden (...) jeweils im eigenen Backrohr handgemachte Wiener Vanillekipferln gebacken.“
Sage und schreibe 3.000 Kipferln wurden so laut Aussendung gebacken und versendet. Uns haben im Übrigen keine erreicht. Wir sind erbost!

„Ich bin so frech und gehe gleich ins ‚Du‘ über.“
2020 hat die zoomisierte Digitalisierung gebracht, aber wohl den digitalisierten Anstand vergessen lassen.

„Die Coronapandemie hat der Digitalisierung enormen Schub verliehen.“
Gääähn ...

„Die Nachricht von damals hat jetzt keinen Aktualitätswert mehr, (...) schädigt mein Ansehen (...), hat negative Auswirkungen (...), können Sie das löschen?“
Ähhh? Nein. Ist erstens ein Tatsachenbericht, zweitens nicht im Sinne journalistischen Arbeitens und drittens können wir für die damaligen Vorgänge ja schon mal überhaupt nichts. Hatten wir übrigens im Vorjahr auch schon; meist, weil sich jemand für seine Tätigkeit bei früheren Arbeitgebern genierte – wird uns wohl weiter begleiten.

„Ich bitte um Einhaltung der Sperrfrist bis (...)“
Klar, gerne. Nur: Warum jagen Sie es denn dann schon vorher über die grundsätzlich öffentlich zugängliche OTS-Plattform der APA raus?

„Die erste Agentur, die auf (...) fokussiert.“
Setzen Sie beliebigen Schwerpunkt oder Service in die geklammerten Punkte ein – es wird in 99 Prozent der Fälle nicht stimmen.

"Das Unternehmen ist (...)“
Hier folgt in PR-Jubelmeldungen meistens der Hinweis, dass eben 
dieses das beste, größte, erfolgreichste – mitunter auch ­schönste – ist. Mal hierzulande, oft auch europaweit, zumindest aber im deutschsprachigen Raum. Klar, nach Eigenangaben sind alle immer die Größten. Bitte nicht böse sein, wenn wir so etwas nach Faktencheck einfach kübeln.

„Können Sie uns ein pdf von dem Artikel schicken, damit wir ihn posten können?“
Können wir an und für sich. Drei Dinge: pdf-Dateien ins Internet dreschen ist ziemlich 90er-Jahre; wir verdienen Geld mit unseren Inhalten, also schenken Sie diese bitte nicht her; zudem ist das rechtlich auch so ein Ding – Urheberrechte, Fotorechte usw. Sie wissen schon.

„Wenn wir es umdrehen und upside down posten?“
Kein Scherz, die Anfrage hatten wir folgend auf die darüber. Fällt uns jetzt auch nichts mehr ein dazu.

"Mit dem Kaufhaus Österreich bieten wir unseren heimischen Händlerinnen und Händlern nun erstmals eine Bühne (...)“
Zu diesem tragischen Ereignis kann nicht gepostet werden.

"Dafür braucht es allerdings ein neues ORF-Gesetz“
Wenn‘s nur schon da wäre ...

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